3. Etappe 7 CONTINENTS von Prag nach Wien

Tag 17 - Wien

 

Inhalt:

  • Eindrücke aus Wien
  • Besuch bei der deutschen Botschaft
  • Besuch bei Jenny  :-)

Der Tag fing mit viel Sonne an. Diese knallte  bereits um 7 Uhr durch alle Fenster in den Camper und so waren wir dann auch schon wach.

Frühstück, Duschen, per Hand die Klamotten waschen und aufhängen. Vorher reparierte ich ich noch ein paar Kleinigkeiten am Auto und machte den regelmässigen Check. Soweit ist alles okay.

 

Morgen ist der "Austrian World Summit"in Wien - eine Klimakonferenz, welche nach meinen Recherchen durch einen Verein von Arnold Schwarzegger organistiert wird. Weltweite Prominenz aus Politik und Entertainment sind hier. Greta Thundberg hat gegen 17 Uhr einen Bühnenauftritt mit 'Arni'.

Wir haben uns lange und intensiv überlegt wie wir einen Besuch dort mit einbinden könnten. Aktuell haben wir uns aber dageegen entschieden.

Ich habe mir allerdings eine Zugverbindung von Bratislava - wo wir morgen Abend sein werden - nach Wien raus

gesucht. Es sind nur 50 Minuten Fahrzeit. Mal sehen... Schwarzenegger live zu sehen lockt mich doch sehr.

 

Wien ist eine tolle Stadt. Das war mein erster Eindruck und ich werde sicher nicht das Letzte mal hier gewesen sein. Das U-,B- und S- Bahn Netz ist gut ausgebaut und leicht verständlich. Preise sind ähnlich wie bei uns. Wir kamen in den teils überfüllten Zügen schnell voran.

 

Diese Metropole hat ein enormes Flair,  das mich in den Bann zog. Fotomotive ohne Ende. Doch wir hatten einen Termin in der Botschaft und mussten uns ein wenig beeilen. Außerdem brauchten wir noch Fotos für Normans Social Media Seiten.

 

Nebenher fotografierte ich noch alles war mir schnell vor die Linse kam. Es ist nur ein kleiner Ausschnitt dessen was es zu sehen gab.

Zu 15 Uhr waren wir in der deutschen Botschaft eingeladen.

Für Norman und mich war es das erste Mal das wir in einer Botschaft waren. Wir ließen uns von googlemaps zu Fuß navigieren. Leider war das GPS Signal wegen der vielen Bäume und hohen Häuser sehr ungenau und so kamen wir nur schleppend voran.

Doch pünktlich 3 Minuten vor 3 waren wir dort. Mit Rucksack bepackt wurde wir direkt vor dem Eingang von zwei netten Herren angesprochen, ob wir denn unseren Pass verloren hätten, dann müssten wir woanders hin.
Norman erwiderte, dass wir einen Termin bei Herrn Dr. Schmidtmeyr hatten.
Da waren wir richtig hier. Wir kamen problemlos durch die Security.
Herr Schmidtmeyr empfing uns in seinem Büro und wir unterhielten uns gut 45 Minuten über das Projekt.

Er ist 1. Sekretär der Botschaft und erzählte, dass es heute einigen Vandalismus an ausgestellten Porträts gegeben hätte und es heute etwas hektisch bei ihm war.

Da wir Deutschen und die Österreicher die gleiche Sprache sprechen und die Wege kurz sind, ist die Deutsche Vertretung in Austria relativ klein.
Im Moment sei nicht einmal eine Fahne da, welche wir für ein repräsentatives Foto hätten nutzen können. Das ist natürlich schade und hätte dem Foto noch mehr offiziellen Touch gegeben.

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Dr. Schmidtmeyr und der Botschaft für die Zeit und die Möglichkeit uns vorzustellen.

 

(Das Bild mit den Fahnen ist nicht von der Botschaft direkt, sondern von einem benachbartem Gebäude)

Besuch bei Jenny
Die Wettervorhersage war eigentlich gut! Aber wenn wir unterwegs sind, dann…

Nach dem Botschaftsbesuch knurrte der Magen und wir beschlossen etwas essen zu gehen. Dann begann der Regen, der nicht vorher gesagt war.

Wir landeten in einem kleinen Café – Restaurant. Norman trank einen ’Verlängerten’ und ich einen Cappuccino. Dazu ein Wiener Schnitzel. Wenn schon, wenn schon.

Draußen fing es an Bindfäden zu regnen. Darauf waren wir gar nicht eingerichtet. 22 Grad und Sonne war angesagt und wir hatten nur dünne Sommerklamotten, die alles andere als regenfest waren.

Wir kamen ins Gespräch und Norman erzählte was wir so machen. Und so Quatschten wir über dieses und jenes. Politik, Kinder, Wetter, Jugend, Bildung usw.

Es ist schön zu sehen, das ein jeder Mensch sein eigenes Weltbild hat, seine eigene Geschichte, aus welcher sich dann auch die individuellen Meinungen entwickeln. Auch wenn vielleicht das ein oder andere nicht meinen Ansichten entspricht, so ist es für den anderen Menschen doch vollkommen richtig.

Und dann ist es meine Einstellung – und auch mein Wunsch an alle Anderen - zuzuhören. Zu verstehen und nicht voreilig zu beurteilen, zu verurteilen und in Schubladen zu stecken.

Als wir bereits zur Tür gingen, sagte Sie zu uns:"Übrigens, ich bin die Jenny!„

Wir bedanken uns herzlich für das tolle Gespräch und die zwei Stücken Apfelstrudel, welche Sie uns noch als Wegzehrung schenkte! Vielen Dank!

 

Dies war Tag 17.

Morgen gibt es wieder einen neuen Etappenbericht von Wien nach Bratislava.


Tag 16  - Unser erster Tag in Österreich

 

 

 

 

 

 

Inhalt:

 

  • Unser Vormittag in 'Safov'
  • Meine ersten Eindrücke von Österreich

Wir sind zwar schon wie üblich gegen 7 Uhr wach geworden, auch weil die Sonne zu den Dachfenstern hineinschien, aber wir beschlossen den Tag gemütlich angehen zu lassen.

Bei mehreren Kaffees, Tees und Müslis knüpften wir noch einige Kontakte in dieser kleinen Ortschaft.

Die unterschiedliche Größe der Müslischalen beim Frühstück - siehe Foto - spiegelt nicht ganz den unterschiedlichen Kalorienbedarf wider. Norman sein Suppenteller voll Müsli hätte auch problemlos gegen eine Salatschüssel ausgetauscht werden können. Aber es gab keine. ;-)

Erst gegen 12 Uhr brachen wir auf. David war schon wieder unterwegs, so dass wir uns gar nicht persönlich verabschieden konnten. Also falls Du das hier lies - lieber David - vielen Dank auf diesem Wege!

Die etwa 2 km bis zur Grenze nach Österreich lief Norman erwartungsgemäß locker durch. Und so trafen wir uns dort für das Grenzübertrittsvideo und einige Fotos. Leider hat Österreich an dieser Stelle kein fototaugliches Willkommensschild stehen. Das vielleicht als Anregung. Denn hier fotografieren vor allem viele Radfahrer.
Eben eine solche Gruppe Radfahrer kam auch noch hinzu und machte gleich mal ein paar Bilder mit Norman.

Und das ist dann auch die größte Veränderung, die mir in Österreich aufgefallen ist. Es gibt wieder Unmengen an Touristen, vor allem auf dem Fahrrad. Überall Schilder von Fahrradrouten: Chardonnay, Portugieser usw. …

Die Anzahl der Schilder im Straßenverkehr nimmt auch explosionsartig zu. Die Zusammensetzung der PKWs auf den Straßen verlagert sich von Skoda Kleinwagen auf SUVs und Pickups aller Größen.

Der Fahrstil ähnelt sehr dem bei uns in Deutschland. Alle viel zu schnell und mit viel mehr Risiko, insbesondere beim Überholen. Alleine zweimal musste ich schon runter Bremsen, da mit auf meiner Spur ein Überholer des Gegenverkehrs zu nahe kam.

Landschaftlich gibt es jetzt nur noch wenig Wald. Die sanften Hügel sind zu geschätzt 90 % nun mit Getreideanbau und Wein bewirtschaftet. Nur noch kleine Baumreihen finden sich zwischendrin und die wenigen Waldstücke sind schnell durchfahren.

Das Vorwärtskommen auf den Straßen ist wesentlich schneller geworden. 10 km schaffe ich jetzt in 8 Minuten statt in 16 wie in Tschechien.

Einen wenig schönen aber praktischen Stellplatz fand ich in einem wenig bebauten Neubaugebiet in der Ortschaft Haugsdorf. Dafür lag dieser direkt am Laufweg von Norman. Nicht mehr als 30 Meter.

Vorab stockte ich noch unsere notwendigen Lebensmittel auf. Österreich ist deutlich teurer als Tschechien und in einigen Bereichen auch teurer als bei uns. Diesel ist aktuell sehr ähnlich.

Das war Tag 16


Tag 15 - Bis an die Grenze zu Österreich

 

 

 

 

 

Inhalt:

  • Das Gesetz der Anziehung
  • Übernachtung im Grenzort 'Safov'

ZITAT:

"Als Gesetz der Anziehung (englisch law of attraction), auch Resonanzgesetz oder Gesetz der Resonanz, wird in der Selbsthilfe- und Lebensberatungsliteratur die Annahme bezeichnet, dass Gleiches Gleiches anzieht. Diese Vorstellung bezieht sich speziell auf das Verhältnis zwischen der Gedanken- und Gefühlswelt einer Person und ihren äußeren Lebensbedingungen. Es wird von einer gesetzmäßigen Analogie zwischen Innen- und Außenwelt ausgegangen. Diese Analogie soll nutzbar gemacht werden, indem man durch eine Änderung der persönlichen Einstellung zu gegebenen äußeren Umständen eine analoge Änderung dieser Umstände im gewünschten Sinne herbeizuführen versucht." ZITAT Ende ,

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetz_der_Anziehung  ( Vielen Dank ! )

 

In Vorbereitung auf unsere Übernachtungen sprechen wir in der Mittagspause täglich den geplanten Tageszielort ab. In diesem Umkreis suche ich dann nach Möglichkeiten die Nacht zu verbringen.

Eigentlich hatten wir abgesprochen, das wir unser gesamtes restliches, tschechisches Geld für Lebensmittel ausgeben.
Spontan sah ich allerdings im beschaulichen Örtchen Safov – einer vielleicht 200 Seelen Gemeinde cirka 2 km vor der Grenze - das es dort eine kleine Gaststätte gab.
So sprach ich mit Norman ab, das wir dort unser Restgeld, etwa 500 Kronen = 20 €, „auf den Kopf hauen".

Während der Wartezeit auf Norman suchte ich noch eine Stellplatzmöglichkeit nahe der Kneipe, die ich auch fand. Etwa 75 m entfernt auf einer Wiese.
Kurz nach 17 Uhr kam Norman angelaufen und wir fuhren direkt dort hin. Wir bestellten zwei Pizzen – dem einzigen Gericht – und zwei dunkle Bier.

Der kleine Junge – er heißt Mattis – schaute immer wieder neugierig zu uns rüber und präsentierte seine kleine Digitalkamera. Ich lud ihn per Handzeichen und auf Deutsch ein zu uns zu kommen. Etwas vorsichtig zeigte er uns seine Bilder, die er gemacht hatte. Ich zeigte ihm Bilder auf meiner Kamera und Norman von seinem Smartphone. Sein Vater Roman – der Wirt – übersetzte ein paar Worte deutsch ins Tschechische.

Das ging eine Weile. Die zweite Pizza war auch schon da und das jeweils erste Bier gelöscht. Ich kam spontan auf die Idee die große 7CONTINENTS Fahne zu holen und folgte meinem Impuls. Wir breiteten Sie halb auf dem Grünstreifen, halb auf der Straße aus. Es war sehr beeindruckend.

Mattis’ Mutter und alle machen Fotos. Mattis hole seinen Fußball – seine große Leidenschaft. Wir kickten zusammen gut 1/2 Stunde Fußball auf der Straße. Die Pizza war längst kalt geworden, aber das sollte für Norman kein Problem sein.
Es kamen noch mehr Männer in die Kneipe. Wir saßen alle draussen und alle sprachen etwas deutsch. David -ein 41 jähriger Maurer - fragte was wir machen. Wir luden ihn zu uns an den Tisch ein und unterhielten uns auf fließend deutsch. Er hatte es in der Schule gelernt und arbeitete dann 7 Jahre in Berlin. Jetzt arbeitet er im grenznahen Österreich und wollte uns schnell irgendwie unterstützen.

(Unter den Bildern geht es weiter)

 

Zusammen mit Kollegen aus der Slowakei – auch die sprachen Deutsch – wohnt er in einem Gemeinschaftshaus in der Ortschaft. Er organisierte, dass wir dort auch übernachten durften und würde die Kosten dafür tragen.

Wir freuten uns sehr und nahmen die Einladung an. Vor allem freuten wir uns über die überfällige Dusche.
waren
Nachdem dann unsere dritte Pizza verspeist war und noch einige Bier gelöscht waren, gingen wir leicht angesäuselt in unsere Unterkunft. Das Auto blieb stehen. Es waren je nur 200 Meter bis dahin.
Ich sage Euch: Im geschlossenen Raum merkte ich erst, wie überfällig die Dusche war!

Herrlich schön ist es zu duschen. Und es ist für mich immer eine tolle Wahrnehmung, wenn ich erkenne, was Besonderes es doch ist, was sonst so normal ist. Fließend warmes Wasser ohne Begrenzung!

Wir lernen am kommenden morgen noch die beiden slowakischen Kollegen kennen, einen älteren Herren, der schon lange im Ort wohnt.
Ein Tag voller Begegnungen geht zu Ende.

Die letzten Tage haben wir viel darüber gesprochen, was wir selbst ändern können, um mehr Begegnungen zu haben, ohne uns in unserem Charakter der an sich Introvertierten verbiegen zu müssen.


Wir haben unsere innere Haltung geändert.
Wir haben durch das miteinander Reden Impulse in uns gesetzt, welche im Unterbewusstsein wirken.
Wir haben die Momente genutzt, in denen andere Menschen Neugierde zeigten, diesen Moment wahrgenommen und den Ball dann aufgenommen.
Wir sind in dem Moment aktiv geworden und haben aktiv eingeladen.

 

Und unsere innere, offene Haltung ist nun eine spürbare Einladung an Andere, ohne das wir etwas sagen müssen. Das ist natürlich nicht immer so, manchmal wollen wir auch für uns sein. Aber es ist zumindest für mich eine aktive Handlung.

 

Das war Tag 15

 


Tag 14 - "Rohozna" und das moderne Tschechien

Dieser Artikel ist etwas länger geworden ...

 

 

Inhalt :

 

  • Die Folgen des Regens - der Tag danach
  • Das moderne Tschechien und der Müll
  • Deutsch als Sprache
  • Die Ortschaft "Rohozna"
  • Gedanken zu unserem Projekt 7CONTINENTS

Ein toller Tag geht zu Ende. Nicht nur schön, sondern toll.

Die Folgen des Regens sind überall sichtbar. Viele Feldwege stehen unter Wasser und es war schwer heute Abend einen Stellplatz zu finden. Einige Wege bin ich hineingefahren und teils durch 40 cm tiefes Wasser hindurch gefahren. Aber es war alles zu nass.

An einer Zufahrt zum See ging es plötzlich sehr steil bergab. Ich merke gleich, dass ich hier möglicherweise nicht mehr hochkomme, ohne Luft aus den Reifen zu lassen. Wenden ging nicht mehr. Rückwärts ging auch schon nicht mehr. Bei Trockenheit wäre dieses Gefälle kein Problem gewesen, aber jetzt rutschte der Wagen in der Spur schon vom Eigengewicht einige Meter vorwärts. Mein Adrenalin stieg.

Ich muss also runter an den See. Konnte da wenden, das war schon auf dem Satellitenbild von Googlemaps zu sehen. Eine kleine Hütte. Als Übernachtungsplatz kam er  nun leider schon nicht mehr infrage.
Nur musste ich jetzt wieder rauf. Ich fuhr etwa 30 cm neben der Spur im hohen Gras, gleichmäßiges Gas und der Allrad tat, was er sollte. Mal drehten alle Räder durch, aber er grub sich nicht ein,  sondern rutschte auf dem Gras nur durch. Ich merkte, wie die elektronische Differenzialsperre eingriff und langsam bekam er wieder Traktion. Stück für Stück arbeitete er sich hoch. Es war aber sehr hart an der Grenze. Glück gehabt! Es hätte sonst viel Zeit gekostet. Luft herauslassen oder mit fremder Hilfe wären die weitere Schritte gewesen. Im Nachhinein hat es aber Spaß gemacht!

In der Mittagspause war Wäsche und Ausrüstung trocknen angesagt. Alles raus, alle Türen auf und Durchzug bei kräftigem Wind. Das hat geholfen. Nach gute eineinhalb Stunden war fast alles wieder trocken.

 

Das moderne Tschechien und der Müll

Mülltrennung wie bei uns. Moderne, landwirtschaftliche Großbetriebe, umfangreiche Holzwirtschaft, voll isolierte Häuser und beste Nationalstraßen und Autobahnen. Leider habe ich keine der supermodernen Traktoren vor die Linse bekommen, nur diesen kleine. Aber die fahren hier überall.

Die Nationalstraßen voll mit LKW, dicht an dicht. Dennoch: Es ist anders als bei uns. Selbst an Hauptstraßen muss man selbst aufpassen, ob ein Zug kommt oder nicht. Denn da gibt es keine Schranken.

Das Straßennetz der Hauptstecken ist meist sehr gut ausgebaut, aber für PKW Vignetten pflichtig. Die Preise sind moderat.

An einigen Ortschaften gibt es am Ortseingang eine überwacht Ampel. Die stehen auf rot, wenn man sich dem Ortsschild zu schnell nähert und sie gehen erst auf grün, wenn man korrekt fährt.

In den Ortschaften hält sich fast jeder an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Im Kern meist 30, sonst 50 km/h.

Ein Schild habe ich in einer Ortschaft fotografiert. Falsch Parken wird bestraft: 5000 Kronen sind etwa 200 Euro. Für einen Tschechen ist das aufgrund des Preisniveaus sicher noch mal deutlich mehr.


Die landwirtschaftlichen Betriebe sind groß. Interessant ist, das hier oft riesige Misthaufen liegen. Mit riesig meine ich – riesig. 100 m lang, 6 -7 m hoch und entsprechend breit. Kühe werden hier wohl oft noch auf Stroh gehalten. Die Landwirtschaft ist in großem Umfang allgegenwärtig.

Ebenso die Forstwirtschaft. Die Wälder sind für sich nicht groß, aber es gibt sehr, sehr viele. Kahlschläge habe ich keine gesehen. Es werden, was ich gesehen habe, immer nur kleinere Flächen geschlagen und wieder aufgeforstet oder durchforstet. Viele Wälder sind recht alt, aber kultiviert.

Das ÖPNV ist nicht so modern wie bei uns. Busse und Bahnen fahren regelmäßig.

Viele Bushaltestellen sind geschlossene Räume mit einer Türe. Alles in gutes bis sehr gutem Zustand.

Und Tschechien ist sauber. Sehr sauber. Man muss suchen, um Müll zu finden. Die Straßenräder sind sauber, die Parkplätze ebenfalls. In den Bächen ist kaum Plastik und kaum anderer Unrat.

Das hat mich sehr beeindruckt! Der Wert der Natur und Umwelt scheint in der breite der Bevölkerung engekommen und wird individuell gelebt.

 

Meine persönliche Bewertung dazu und der Vergleich zu uns.
Wenn ich dann uns Deutschen sehe, wie wir mit Dieselfahrverboten, Plaketten ohne Ende, Plastikdiskussionen, Plastik-Strohalmverboten usw. soooo umweltfreundlich und der Welt ein Vorbild sein wollen?

Dann aber die Straßenränder voller Müll liegen. Die Straßenbahnen, Haltestellen, Parkplätze, Parkanlagen vermüllt sind. Im Umkreis von FastFoodAnbietern sich die Verpackungen am Straßenrand stapeln. Überall liegt etwas rum. Es ist für mich eine Scheinheiligkeit, diese Werte dann hochzuhalten. Es würden nicht diese Mengen bei uns herumliegen, wenn es nur die Wenigen wären, die den Unrat werfen. Nein, es sind viele.

Offenbar ist der Umwelt- und Naturschutz noch nicht in der Breite unserer Einwohner in den Köpfen angekommen.

In meinen Augen fehlt es nicht an Verboten ( z.B. hohe Strafen für Kaugummi ausspucken), sondern an Basiserziehung von den Elternhäusern, Schulen und vor allen den allgegenwärtigen Medien.

Die öffentliche Verdreckung ist für mich nur EIN offensichtliches Symptom des bei vielen mangelndem, individuellem Wertebewusstseins.

Und an ganz einfachen Dingen fehlt es – an Mülltonnen! Die stehen hier in Tschechien überall! Bei uns wurden die aus Kostengründen im öffentlichen Raum weitgehend abgeschafft. Der Wert der Kostenersparnis (Geldes) steht über dem Wert der Sauberkeit und Naturschutzes.

Damit die Einwohner eines Landes dies in der Breite leben, wünschte ich mir, das unsere Regierung dies auch vorlebt, sich an Ihre propagierten Werte zu halten.
Und das tut sie in meinen Augen nicht. (Glyphosat <-> genmanipulierte Saaten usw.).
Der einzige Wert, dem treu gefolgt wird, ist der des Kapitales und des Konsums. Und genau dies wird auch von der Breite der Menschen bei uns nachgelebt.

Ich wünschte mir, dass der Einzelne seinen individuellen Konsum reduzieren würde um damit Umwelt und Ressource schützen würde. Aber auch das müsste in den Köpfen ankommen, das es gelebt wird, ohne darüber nachzudenken. Nur es steht dem Wert des Kapitales und des Konsums entgegen. Und aktuell sind wir in meinen Augen ein Kapitalismus, der mühevoll versucht 'grün' zu sein, es aber nicht schafft. 'Grün' sein ist ganz einfach und müsste nicht durch tausend Gesetze geregelt werden.

Wenn Ihr Wissen wollt, wie das geht, lade ich dazu ein, mit mir eine Reise zu unternehmen oder mal einige Tage zu leben. Es nennt sich Reduzierung und das hat etwas mit Verzicht zu tun.

Zum Thema Sauberkeit und sichtbarem Umweltschutz zurück:
Tschechien ist da ein Vorbild! Ich habe noch kein so sauberes Land gesehen.

 

Unsere Sprache Deutsch in Tsachechien

Vor allem im südlichen Tschechien können viele Menschen deutsch. Es wird aber inzwischen an den Schulen durch englisch ersetzt, wurde mir auf nachfragen gesagt. Auch russisch wurde bereits als erste Fremdsprache durch englisch ersetzt.

Ob im Supermarkt an der Kasse oder auf der Straße. Überraschend kommen die Antworten manchmal in sehr gebrochenem deutsch.

Auch Infotafeln – wie auf dem Bild zu sehen – sind teilweise auf Tschechisch und deutsch.

Wie in dem Örtchen "Rohozna"

Marek ist Gemeindearbeiter. Und er ist extrovertiert, ein lustiger und freundlicher Geselle. Er ist der ’unerwartet Freundliche’, von dem Norman und Ich vor ein paar Tagen sprachen. Da steht am Straßenrand mit einigen Kollegen und spricht Norman an, als er vorbeiläuft. Ich fahre fast im selben Augenblick mit dem Bulli dran vorbei, ahne aber nicht, was wie dies den heutigen Tag und unsere – meine und Normans – Sicht auf Tschechien verändern wird.

Norman erzählte mir, das er gleich mal sein Pausenbrot anbietet, denn Norman muss ja hungrig sein. Das Pausenbrot hat Norman heute Abend im Bus auch wirklich gegessen.

Die Beiden gehen zusammen ins Rathaus. Die wenigen Worte deutsch die Marek spricht reichen für eine Unterhaltung nicht aus. Freunde in Polen und Tschechien werden angerufen, um am Telefon live zu übersetzen.

Später übersetzt die jünger der beiden Frauen – Irina – per google Übersetzer und auch selbst.
Alle können ein bisschen deutsch. Zumindest besser als wir tschechisch.

Ich bin vorgefahren um in der nächsten Stadt einzukaufen. Dort erwischt mich Norman am Kühlregal, um zu fragen, ob ich zurückkommen kann, um dazuzukommen. Das mache ich gerne und gut eine halbe Stunde später bin ich auch mit von der Partie.

Ein leckerer Kaffee ist gleich auf dem Tisch und einen kleinen Snack gibt es auch. Die Konversation ist schwierig. Mit Händen, Füßen und viel Lachen geht es Stück für Stück. Marek ist die treibende Kraft und hat immer neue Ideen der Konversation. Fußball, Bildbände usw.; einfach toll wie herzlich, vorbehaltlos und freundlich dieser Mann doch ist.

Wir bekommen noch T-Shirts der Ortschaft geschenkt und Norman nimmt eine Beutel voll Karten, Tassen, Kugelschreiber usw. als Präsent mit. Eine kleine Ortschaft mit viel Patriotismus.

Marek ist einer der Gemeindearbeiter in diesem 400 Seelen Dorf.

Irina, die jüngere der beiden Frauen ist wohl Sachbearbeiterin und die Bürgermeisterin namens Štěpánka

 

Diashow: Der Start Neustart am Rathaus mit Marek

Einige meiner Gedanken zu unserem Projekt 7CONTINENTS

Wir sind jetzt seit fast zwei Wochen unterwegs. Norman und sein Team hatten letztes Jahr einen Kickoff Lauf von Karlsruhe nach Berlin und sammelten erste Erfahrungen. Diese wurden für unsere fast acht Wochen, die wir jetzt unterwegs sind, mit eingebracht.

Und dennoch ist das Projekt erst am Beginn von Allem. Wir sind im ersten Land außerhalb des unseren. Haben 500 km Lauf geschafft. Am Ende sollen es 20.000 km auf 7 Kontinenten in 9 großen Etappen sein. Überschlagen werden es dann 400 Lauftage sein plus Pausen- und Begegnungstagen.

Wir - insbesondere das Projekt - sind also am Anfang. Auch wenn es für mich selbst vielleicht nur die einzige große Etappe ist, bei der ich mitwirken und mich einbringen darf. Ich ich merke das ich als Fotograf, Fahrer und reflektierend als Gesprächspartner vielfältig kann.

Norman ist Extrem Läufer. Seit vielen, vielen Jahren. Das kann er! So ist er konditioniert. Laufen. Tagelang, jeden Tag einen Marathon, oder zwei ... Wer kann das schon?

Für mich als sein Buddy auf dieser ersten großen Etappe ist es zur Normalität geworden, das er - so wie ich früher mit dem Fahrrad täglich über Monate meine 85 km spult - täglich seine 45 km läuft. Ganz entspannt, mit täglichen Schwankungen natürlich, aber ist es Alltag geworden. Wir übernachten fast immer wild. Irgendwo im Wald, Wiese, Sportplatz, Parkplatz. Unsere Hygiene besteht auch Waschlappen, einer Wasser-Tropfflasche mit ein bisschen Seife. Das war es. Auch das ist vollkommen normal – Alltag für uns. Wir kennen das beide. Dies ist sicher einer der Gründe, warum es zwischen uns gut passt. Zumindest bis jetzt.


Und doch machen wir uns Gedanken über das Ziel des großen Projektes 7CONTINENTS. Über Normans Vision. Wir bekommen Feedbacks aus verschiedenen Richtungen, welche wir alle lesen und schauen, was wir daraus lernen können.

Eure Perspektive – liebe Leser / liebe Leserin – ist eine ganz andere als unsere. Und wir versuchen auch die Eure zu verstehen. Das ist wichtig. Denn wir wollen ja etwas in die Welt tragen. Was sind Eure Erwartungen? Entspricht das, was wir machen den Werten, welche durch das Projekt nach außen kommunizieren werden? Wir wollen Menschen treffen, mit Ihnen reden. Essenziell reden.

Unsere eigene Wahrnehmung, das dies bisher nicht so geklappt hat wie wir es uns wünschen, deckt sich mit derer von einigen Feedbacks. Es sind ja auch Erwartungen von uns.

Aus der Erfahrung der Kickoff Etappe – wo jeden Tag Vorträge waren, die an Ort und Zeit gebunden waren – meist direkt nach einem Marathon - wurde gelernt, das dies nicht der richtige Weg ist.
Wir wissen nicht wie die Tage verlaufen. Wie viele Kilometer Norman wirklich schafft. Außerdem stresst der Termindruck. Die Hygieneerwartungen bei Vorträgen sind auch nicht unwichtig.

Man müsste öfters mit dem Auto zu den Terminen fahren, um diese pünktlich und mental ordentlich vorbereitet zu erreichen. Wäre dies okay zu tun?

Egal ob es den ganzen Tag geregnet hat und Norman durchgefroren ist oder es super angenehmes Laufwetter war. Der Vortrag MUSS dann stattfinden. Daher der Entschluss, wenige feste Termine zu machen.

Auch wollen wir, um Ressourcen zu sparen - damit ist nicht nur Geld gemeint - keine Hotelübernachtungen machen. Im Hotelzimmer oder an der Bar treffen wir nicht die Menschen, die wir treffen wollen. Im Dorf in der Schenke neben dem Dorfplatz dann doch eher, denken wir.

Die Idee ist Menschen unterwegs zu treffen, mit Ihnen spontan zu reden. Das ist nicht so leicht wie es sich anhört. Stellen Sie sich das mal selbst vor – lieber Leser / liebe Leserin – da kommt einer angerannt und fragt Sie ab sie 30 Minuten Zeit haben. Haben Sie die?

Ist es Ihnen Wert, Norman Ihre Zeit zu schenken? Genau jetzt? Das sind Aufgaben, für welche wir Lösungen suchen. Wie schaffe ich es in einem Satz so viel Interesse zu wecken, das dem Angesprochenen es wert ist, uns seine Zeit zu schenken? Eine so simple und doch schwere Aufgabe.

Die Lösung liegt natürlich auch bei uns. Was ist unser Anteil daran?

Wir wollen die 'unerwartet Freundlichen' sein. Gestern war dies 'Marek'.

Es hat aber auch etwas mit dem Überwinden der Hemmschwelle zu tun, wenn wir jemanden ansprechen oder wenn uns jemand ansprechen möchte. Wir wollen positiv neugierig machen, wenn wir irgendwo stehen, ohne aufdringlich zu sein oder als Verkäufer zu wirken.

Gerade in den Ländern, in denen das Leben drinnen und nicht draußen stattfindet (Feedback einer Leserin - Danke!), werden wir proaktiv sein müssen.

Hinzu kommen unsere persönlichen Konditionierungen. Norman und Ich sind von unserer Persönlichkeit doch eher die introvertierten, leisen Zeitgenossen. Und wir dürfen persönlich an der Aufgabe, authentisch zu unserer eigenen Persönlichkeit aktiv auf Menschen zuzugehen, wachsen.

Freundlich, leise und wohlwollend. Ohne Ego und ohne etwas besser wissen zu wollen, ohne zu missionieren oder arrogant zu sein. Das ist der Weg. Das lernen wir.

Und dann ist da noch da Thema mit dem rennen. Norman ist 'Läufer'. Ist es wichtiger jede Etappe bis zum letzten Meter wirklich gelaufen zu sein? Oder sind die Begegnungen mit Menschen wichtiger? Wo liegen die Prioritäten? Wie sind die Erwartungen der Follower des Projektes? Über Feedback sind wir sehr dankbar!

Wir haben in den großen Städten einige wenige festen Termine. Unsere Begegnung gestern in dem Örtchen "Rohozna" dauerte fast 3 Stunden. An Laufkilometern sind dies umgelegt knapp 20 km. Die sind nicht mehr aufzuholen bis Wien - außer mit dem Auto.

Eine andere Begegnung hatte Norman ausgeschlagen – die mit dem PKW Fahrer der ihn bei strömendem Regen mitnehmen wollte. Denn vorgestern war Laufen noch wichtiger als Kommunizieren. Was hätte draus werden könne, wenn er eingestiegen wäre? Gestern war die Begegnung wichtiger als das Laufen!

Wir lernen daraus jeden Tag. Begegnungen sind das, was dieses Projekt ausmachen soll. Die Stimmen der Menschen zu sammeln.

Ich persönlich bin der Meinung, dass das Laufen Mittel zum Zweck ist und es um die Begegnungen geht es. Es ist daher in meinen Augen richtig Distanzdifferenzen mit dem Auto zu überbrücken. Auch Treffen abseits der Strecke dürfen in meinen Augen mit dem Auto überbrückt werden, ohne das wir an Authentizität verlieren. Was sind schon 20 km mit dem Auto, wenn wir dort abends zum Essen eingeladen werden.

Und wenn wir jeden Tag ein Treffen hätten, dann könnten dies auch schnell aufsummiert 100 km sein, die Norman bis zum nächsten festen Termin nicht laufen könnte.

Das ist meine persönliche Meinung!

Diese Erfahrungen werden sicher auch in der Zeitplanungen der zukünftigen großen Etappen mit einfließen.

1/4 der ersten großen Etappe habe wir hinter uns gebracht und wir sind im tägliche Prozess. In der täglichen Veränderung und Reflexion. Es wird sich noch vieles ändern. Morgen sind wir im zweiten Land, in dem wir Ausländer sind. Es wird wieder deutsch gesprochen. Lassen wir uns darauf ein und sind wir neugierig. Gierig nach Neuem, nach neuen Eindrücken und Erfahrungen, nach neuen Begegnungen und Erlebnissen! Darum liebe ich das Reisen! Danach bin ich süchtig und ich freue mich meine Eindrücke und Gedanken hier im Blog weiter geben zu dürfen.

Und wir entwickeln und das Projekt weiter!

Ende des 14. Tages


Tag 13. Regen, Regen und nochmals Regen

Es begann heute früh wie angekündigt mit einer breiten Regenfront, welche über uns hinweg ziehen sollte. Und das für etwa 24 Stunden. Regen in unterschiedlicher Stärke bei Temperaturen um die 13 Grad sind weder für Norman noch für mich eine Freude.

Kurz vor unserer Abfahrt vom Übernachtungsplatz kam noch der Förster und vorbei und begrüßte uns. Er sprach ausreichend gutes englisch und so konnten wir von unserem Projekt erzählen. Wir freuten uns das ihn dies interessierte, er fragte uns nach einigen Details und er nahm sogar einen Flyer mit.
Auf die Frage, ob es okay war das wir hier mitten im Wald stehen, sagte er, er habe kein Problem damit.

Die ländliche Region Tschechiens zeigt sich von seiner nassen Seite. Bei dem Dauerregen macht es auch keinen Spaß irgendetwas ausgiebig zu fotografieren.

An einer schönen Brücke saß ich eine Stunde und wartete auf Norman. Ein klasse Motiv, Norman beim Überlauf abzulichten, dachte ich. Leider hatte ich aufs falsche Navi geschaut und Norman kam hier nicht entlang. So war es eine schöne Waldmeditation bei leichtem Regen.

Immerhin hatte Norman heute eine Begegnung: Ein PKW Fahrer wollte ihn mitnehmen. Es ist eine doch tolle Geste, jemand Fremden bei strömendem Regen die Mitfahrt anzubieten!

 

Unsere Stromversorgung ist leider schon wieder an seiner Grenze. Daher habe ich heute den Kühlschrank außer Betrieb gesetzt, welcher sicher der größte Stromfresser ist.

Die 60 km die ich jeden Tag fahre reichen nicht die Bordbatterien zu laden, vor allem weil die erst geladen werden, wenn die Starterbatterie wieder voll ist.

Die Solarzellen bringen fast nichts bei dem überwiegend wolkigem Wetter. Zumal ich eben auch viel im Wald fahre.

An den Regentagen läuft die Heizung im Camper fast ganztägig, um die Feuchtigkeit aus dem Auto zu bekommen. Klamme und kalte Kleidung würde es noch ungemütlicher machen.

Aber es geht Richtung Süden. Der Sonne entgegen!

Das war Tag dreizehn, der bald zu Ende ist.

 


Tag 12 - Sonne, Tiere  und unser Problem mit den wenigen Kontakten zu Einheimischen

Inhalt:

 

  • Das ländliche Tschechien
  • Tag der Tiere
  • Wie bekommen wir Kontakt zu den Tschechien?

Das ländliche Tschechien

Es beginnt mit einem tollen Sonnenaufgang inmitten taunasser Wiesen. Ein heißer Tee und ein Müsli. So fangen wir morgens an. Wir stehen gegen 7 Uhr auf und Normans Lauf startet etwa gegen 9 Uhr. Das ist unser Rhythmus. Inzwischen ist Routine eingekehrt. Einige Dinge der Lagerhaltung werden noch im Innenraum optimiert.

Ich fahre Norman zum Startpunkt und gehe dann meist den Müll wegbringen und einkaufen.

Das Wetter ist sehr schön. Daher muss ich nicht in der Nähe von Norman bleiben.

Ich fahre mit dem Camper durch die sehr ländliche Region und lasse mich treiben. Abzweigungen wähle ich nach gut dünken und so komme ich auf kleine, abseits gelegene Straßen und in kleinste Dörfer.

Die Zeit scheint stehen geblieben. Vieles erinnert mich an meine Vorstellungen von den Sowjetzeiten. Alte graue Häuser, qualmende Kamine und rostige Zäune. Viel Ruinen kleiner Häuser und großer Höfe. Einige scheinen noch genutzt. Hühner und Misthaufen. Bellende Hunde. Die Straßen sind schmal und kurvig. Häufig muss man anhalten, wenn Gegenverkehr kommt. Die Topografie ist sanft hügelig in weiten Wellen. Tiefgrüne Wälder wechseln sich mit Feldern und Wiesen ab. Rehe stehen auf den Feldern.

Die Ortschaften sind klein bis sehr klein. Hier und da ein Neubau. Voll isoliert und bunt angestrichen. Moderner Ackerbau, einige große Viehbetriebe. Riesige Traktoren. Moderne Autos und Baugeräte. Es wird viel gebaut.

Aber ich sehe sehr wenig Menschen, außer beim Einkaufen.

Lidl, Netto und Penny sind die dominierenden Supermarktketten. Teilweise umfangreicher sortiert als bei uns und größer von den Flächen. Ansonsten alles gleich. Die Regale stehen gleich und die Waren liegen an den gleichen stellen. Die Orientierung ist einfach.

Es ist alles etwas günstiger als bei uns. Gutes Vollkornbrot gibt e auch. Wichtig für Norman. Ich esse tagsüber nur Salat. Vom Lidl oder selbst gesammelt aus Wildpflanzen.

Bei mir kommt auch Fleisch auf den Tisch. Die ein oder andere Wurst muss schon sein für mein inneres Gleichgewicht. Bei Norman ist es die Ausnahme. Aber er weis um den Wert tierischer Fette und Eiweiße.

Wir haben heute Eier zum Abendessen geplant. Ich halte Ausschau nach frischen Eiern vom Hof. Aber leider habe ich bisher keinen Direktverkauf gesehen. Also doch Lidl.

 

Heute sehe ich viele Tiere. Und bekomme diese auch auf die Kamera. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

An einer Karpfenzucht mache ich halt und laufe auffällig mit der Kamera am Rand des Geländes herum. Alleine dieser eine Zuchtteich ist mehrere Hektar groß.

Die Verarbeitungsanlagen entsprechend groß. Es fahren einige Leute mit Auto eilig vorbei. Ich habe die heimlich Hoffnung, das jemand anhält und mich fragt was ich dort fotografiere, um vielleicht ein Gespräch anzufangen. Aber ich scheine nicht interessant zu sein. So fotografiere ich Eichhörnchen, Graureiher und Enten. Auch gut.

Ich fahre weiter zu unserem vereinbarten abendlichen Ziel und suche einen Stellplatz in der Nähe. Mein auf googlemaps ausgemachtes Ziel fahre ich an. Hier sind Bauarbeiten im Wald und das Gelände ist schlammig und steil. Quer über die Wiesen fahre ich auf der Suche nach einem horizontalen Platz und finde auch einen traumhaft schönen. Ich sehe einen Hasen auf der Fahrspur des Jägers, der ich folge. Die Rehe bekomme ich noch nicht auf die Kamera.

Ich fahre zur Ortschaft zurück und stelle mich an den Ortsrand an die Teiche, die es in fast jedem Ort gibt.

Gut eine Stunde verbringe ich hier mit fotografieren und Lindenblätter sammeln für den abendlichen Salat.

Schwalben greifen im Sturzflug offenbar nach kleinen Fischen unter der Wasseroberfläche oder nach Wasserläufern auf der Oberfläche. Es ist spektakulär anzuschauen und extrem schwer zu fotografieren.

Ich muss die Schwalbe im Sturzflug im Sucher der Kamera mit verfolgen, um im Augenblick des fangens auf den Auslöser zu drücken. Und dann muss es noch scharf sein. Leider hat es nicht perfekt geklappt, aber okay.

Abends an unserem Camp auf einer Wiese am Waldrand bekommen wir viele Rehe zu sehen. Etwas zu weit weg für mein Tele. Ich finde das Erlebnis aber sehr schön. Ein herrlicher Tag geht zu Ende mit frischer Waldluft und vielen Tieren um uns herum.

 

 

Ich sehe wenig Menschen auf der Straße. Wir sind in einer kleinen Ortschaft verabredet. Eine Kirche, ein See und ein Gebäude, das wohl alles vereint, was es dort gibt. Ich sehe die Briefträgerin, die kreuz und quer von Haus zu Haus läuft und auch an Häuser geht, wo ich nicht vermuten würde, das dort jemand wohnt.

Sie nimmt keine Notiz von mir. Kein Blickkontakt, kein Grüßen. Das ist das Problem – so empfinde ich es. Kaum jemand grüßt zurück, wenn ich dies aktiv mache. Ist das hier nicht üblich?

Es ist meine Methode einen ersten Kontakt herzustellen. Blickkontakt herstellen, Grüßen, offene, interessierte Körperhaltung. Aber was soll ich machen, wenn noch nicht einmal ein Blickkontakt entsteht?

Auch Norman berichtet von unterwegs von seinem Problem Kontakte herzustellen.

Haben wir die Erwartung interessant zu sein? In vielen Ländern die ich bereiste, ist man als Reisender sofort interessant. Hier offenbar nicht. Wir sind in einer anderen Kultur.

Ich würde mich freuen mit jemandem ins Gespräch zu kommen und ihm genau all diese Fragen zu stellen. Die Sprachbarriere ist hoch. Kaum jemand spricht Englisch. Aber es gibt ja den Smartphone Apps die Übersetzen live. Das funktioniert recht gut. Und bei beidseitigem Interesse geht es dann eh irgendwie.

Das Ziel unseres Projektes 7 CONTINENTS ist die Stimmen von Jugendlichen zu sammeln. Nicht nur bei vereinbarten Terminen an Schulen in den Hauptstädten; sondern auch unterwegs, spontan!

Drei Stunden stehe ich nun in diesem Ort und warte auf Norman zur Mittagspause. Auf dem kiesigen Ortsplatz. Kein Mensch, außer der Briefträgerin.

Mit wem soll ich mich hier unterhalten, wenn niemand da ist? So geht das eben seit Tagen.

Ich habe kaum Begegnungen, außer im Supermarkt, obwohl ich mich teils lange an einem Ort aufhalte.

Die Menschen haben alle recht ernste Gesichter. Selten ein Lächeln, wenn dann sind es die Kinder. Kein zurück grüßen, nur selten ein zurücklächeln. Woran liegt es? Ich finde es wirklich schade und ich bin auch etwas enttäuscht. Das heißt ich werde ent – täuscht. ICH habe mich also getäuscht. Meine Erwartung war und ist eine Falsche.

Norman und ich reden täglich darüber. Viel und essenziell. Vielleicht ist genau unsere Aufgabe in diesem Land. Dem ersten Land auf der Tour, das unsere Sprache nicht spricht. Vielleicht sollen wir genau das hier lernen. Gleich zu Anfang der Weltreise. Gleiche zu Anfang diese harte Nuss.

Dafür sind wir hier. Um zu lernen. Und das wollen und tun wir. Wir werden eine Lösung finden oder auch nicht. Und vielleicht werden wir einfach lernen, dass es hier so ist wie es ist und wir mit unseren Methoden und Erfahrungen an unsere eigenen persönlichen Grenzen gestoßen sind.

Ich bin optimistisch, dass was wir das hinbekommen.

Manchmal ist es schwer Menschen zusammenzubekommen.

 

Der 12 Tag geht zuende. Ein schöner, aber nachdenklicher Tag.

 


Tag 11 unserer Reise - Abschied von Prag

Der Tag fing nass und endete glücklicherweise ohne Niederschlag. Ein riesiges, zyklonartiges Regengebiet mit dem Auge bei Passau dreht sich über uns und erwischt uns mit kräftigem Dauerregen über mehrere Stunden.

Norman ist zwar die Etappe heute etwas verkürzt gelaufen, allerdings habe ich ihn mehrfach auf Anruf und zum Aufwärmen und umziehen angefahren.

Unseren Stellplatz haben wir auf einer schönen Wiese gefunden und es war auch noch Zeit eine Wäscheleine zum Trocknen aufzuhängen. Die Heizung im Bus lief fast den ganzen Tag, um die Feuchtigkeit aus dem Camper zu bekommen und einfach, damit es warm war.

Einige Bilder sagen mehr als viele Worte und beschreiben den Tag sehr gut.