4. Etappe 7 CONTINENTS von Wien nach Bratislava

Tag 18 und 19 -  Bratislava

 

 

 

Inhalt:

  • Dauerregen und Hochwasser
  • Wasserschaden am Camper
  • Wir sind jetzt zu Dritt
  • Bratislava
  • Audienz beim Botschafter
  • Vortrag und Interview in der Deutschen Schule

 

Der regelmäßige Regen der sehr ergiebig und meist stundenlang vom Himmel kommt, geht mir persönlich schon ziemlich aufs Gemüt. Auch die Temperaturen sind nicht wirklich warm. 10 bis 14 Grad haben wir.

Es macht keinen Spaß draußen zu sein. Die inzwischen sehr hohe Luftfeuchtigkeit auch im Camper lässt einiges inzwischen klamm werden und wenn die Standheizung läuft, wird es tropisch.

Unsere Kleidung bekommen wir schon gar nicht mehr richtig trocken und der beständige Feuchtigkeitsnachschub durch rein - raus - rein - raus in den Bulli tut sein Übriges.

Die Donau führt Hochwasser und die Zufahrtswege in die Auen waren teilweise schon überflutet. Auch Norman berichtet, dass das Wasser den Radwegen näher kam, auf denen er läuft.

Norman regnete in den letzten Tage meist zweimal komplett durch. Mittags zog er immer trockenen Sachen an, um dann direkt wieder in den strömenden Regen raus zu gehen, um weiterzulaufen.

Die letzte Etappe von Wien nach Bratislava, die fast 60 km betrug, in Kombination mit den äußeren Verhältnissen haben ihm nach meiner Wahrnehmung doch deutlich zugesetzt.

Eine echte Erholung hat der lauffreie Tag mit den Besuchen in der Botschaft und der Deutschen Schule in meinen Augen nicht gebracht.

Hoffen wir auf besseren Wetter!

 

Auch am Bulli geht der Dauerregen nicht spurlos vorbei.

Die Feuchtigkeit inzwischen in fast jeden Winkel gekrochen. Auf dem doch deutlich kälteren Boden kondensiert die hohe Luftfeuchtigkeit in den Ecken, hinter den Kisten und Taschen, so das ich es regelmäßig aufwischen muss.

Vorgestern -  kurz nach dem Start in Wien - gab es dann eine Fehlermeldung im Fahrzeugcockpit. Die gelbe Warnleuchte der Vorglühanlage blinkt regelmäßig. Nachdem ich Norman am Stadtrand von Wien abgesetzt hatte, recherchierte ich in den Internetforen. Kurzschluss im elektrischen Bremsleitungssystem war der Treffer mit der höchsten Wahrscheinlichkeit. Das Blinken zeigt generell einen elektrischen Fehler im Motorsteuergerät an, was allerdings viele Ursachen haben kann.


Mit meinem eigenen Fehler-Auslesegerät las ich diesen aus, der ähnliches aussagte. Ich setzte den Fehlerspeicher zurück, um den Fehler zu reproduzieren. Das klappte - leider.
Die Sicherung war durchgebrannt, so wie es in den Foren vermutet wurde. Aber das ist ja nicht die Ursache, sondern nur ein Symptom.

Jetzt checkte ich die üblichen Verdächtigen. Glühbirnen, steht Wasser in den Rückleuchten oder ist ein Kabelstecker abgegangen und verursacht einen Kurzschluss. Nichts davon traf zu. Meine Ersatzsicherungen waren inzwischen aufgebraucht. So fuhr ich in eine Werkstatt und besorgte mir einige Neue. Die Suche geht weiter. Wenn die Sicherung durchbrennt, dann ist die Ursache noch nicht gefunden. So einfach.

Da ich selbst nicht sehe, ob die Bremsleuchten leuchten oder nicht, filmte ich einfach mit dem Smartphone das Auto von hinten. So konnte ich das kontrollieren.

Ergebnis: Ursache ist wohl einer der Stecker des Fahrradträgers an der Anhängerkupplung. Nur es bringt nichts es alles auseinanderzubauen und trocken zu legen solange es noch ständig regnet. Also fahre ich jetzt ohne Beleuchtung am Fahrradträger. Das ist halt jetzt so.

Die normale Beleuchtung vom Camper wird nur leicht verdeckt, so das diese auf jeden Fall gut sichtbar bleibt.

 

Campingplatz in Brastislava mit Bergeaktion:

 

Wir sind jetzt zu Dritt!

Oli heißt der Neue. Er ist einer der beiden von der Medienfirma 'TUBE Moment', die das Projekt von Norman strategischen und medialen Bereichen beraten und in den kommenden Tagen dokumentarisch begleiten. Am Ende der 7 Jahre soll ja neben einigen Büchern und Vorträgen auch ein Dokumemtarfilm entstehen.

Eigentlich war vieles anders geplant. Aber das die Dinge dann anders laufen als gedacht, ist auf Reisen ja glücklicherweise normal.

Oli wollte ursprünglich bereits mittags in Wien landen und seinen Mietwagen übernehmen. Allerdings wurde sein Flug verschoben und er kam erst nachmittags an. Glücklicherweise wurde statt seiner Kreditkarte eine andere Karte für die Kaution akzeptiert. Wir hatten schon auf dem Schirm, das wir abends noch mal Wien fahren müssten, um Oli abzuholen oder einen Mietwagen auf Norman zu buchen.

Dies führte dazu, das ich bereits Mittags nach Bratislava fuhr, um den Campingplatz einzuchecken. Dies wäre nur bis 20 Uhr gegangen und das wäre ggf. eng geworden, falls wir nochmals nach Wien gemusst hätten. Dies erledigt, fuhr ich wieder mitten durch die Stadt zum Treffpunkt mit Norman. Es regnete wieder in Strömen und auch Gewitter zog drüber hinweg. Einige Minuten bevor Norman dann angelaufen kam, stand auch plötzlich ein bläulicher Suzuki neben mir. Es war Oli. Das mit dem Mietwagen hatte geklappt. Wunderbar. Nach der Begrüßung und Norman trocken legen fuhren wir dann zum Campingplatz.

Wir gingen noch im nahe gelegenen Shoppingcenter einkaufen und eine Kleinigkeit essen. Norman ist heute fast 60 km gelaufen, das macht hungrig.

 

 

Bratislava
Es ist das erste Mal das ich in der Slowakei bin. Und somit auch das erste Mal in Bratislava.
Die Slowakei ist ein relativ kleines Land. Es hat nur 5.5 Mio Einwohner, von denen etwa 500.000 in der Hauptstadt leben. (Quelle: Wikipedia)

Ich selbst hatte gar keine Vorstellung von diesem Land. Die Slowakei wurde 1993 nach der friedlichen Teilung der Tscheslowakei neu gegründet.
Mich überraschte, dass diese kleine Hauptstadt offensichtlich eine enorm hohe Kaufkraft hat.
Alle großen Marken, die ich so kenne, sind hier repräsentativ im Industriegürtel um die kleine Altstadt vertreten. Hornbach, Bauhaus, 3M, Würth, VW, Euronics, Ikea, usw. usw. Shoppingcenter ohne Ende. Einer größer als der andere.

Auf der anderen Seite ist die Stadt optisch nicht modern. Einige Industrie Bauruinen - Lost Places - sind zu sehen laden ebenso wie der beeindruckende Donau-Binnenhafen zum Fotografieren ein. Unzählige rostbraune Leichter liegen unter den großen Hafenkränen. Alles mit einem in meiner Vorstellung postsowjetischem Charme, auch wenn die Tschechoslowakei nicht dazu gehörte.
Die Straßen sind teils schlecht mit tiefen Schlaglöchern. Die Verkehrsführung für mich als Wessi ungewöhnlich und die Straßenmarkierung teilweise kaum vorhanden.
Alte Absperrungen aus Stahlrohr stehen mehr krumm als gerade entlang der Straßen in der Stadt und alles wirkt optisch renovierungsbedürftig.
Die SUV Dichte ist hoch und die Autos sind modern. Aber Autos sind offensichtlich Gebrauchsgegenstände.
Die Stadt ist optisch sauber aber nicht touristisch ausgerichtet. Die kleine Innenstadt wirkt auf mich ebenfalls modern, ordentlich schön saniert. Historische Gebäude habe ich keine gesehen. Das Schloss wurde ebenfalls schön saniert.
Das Heulen der Sirenen von Polizei und Krankenwagen in amerikanischen Filmstil ist allgegenwärtig und verleiht ein internationales Flair.


Der Campingplatz, der im Sommer wohl auch ein riesiges Freizeitgelände mit See und zahlreichen Freizeitattraktionen ist, hat auch das Flair längst vergangener Zeiten. Auch, wenn die Bungalows modern saniert wurden.
Die sanitären Anlagen sind hygienisch sehr gut, aber von touristisch unerfahrenen Menschen gebaut worden.
Im Waschraum gibt es keine einzige Steckdose. Zum Föhnen und rasieren muss man herausgehen den offenen Gang. Die Öffnungszeiten der Duschen sind streng geregelt und den Schlüssel für die Toiletten gibt es auf Nachfragen gegen eine Kaution. Bezahlen kann man nur in bar.
Von den vier Gastronomien auf dem Campingplatz hatte nur eine bis 18 Uhr geöffnet. Danach hatte alles geschlossen. Der Shoppingcenter ist glücklicherweise nicht weit.
Ich hatte hier doch eine andere Erwartung an dies und jenes. Aber so ist das mit den Erwartungen.

Resümee:
Für mich ist Bratislava eine Stadt, die mich zum Fotografieren lockt. Es gibt hier wirklich viel Fotogenes auf recht kleinem Raum zu entdecken. Vor allem der Binnenhafen und die Lost Places haben einen enormen Charme.

Es ist keine Weltstadt und für mich wäre es auch keine einzelne Städtereise wert. In der Verbindung z.B. mit Wien aber unbedingt einen eintägigen Besuch wert.

 

Audienz beim deutschen Botschafter undem Beauftragten für Presse und Kultur

Wir konnten nicht einschätzen, wie lange wir in der Rushhour in die Innenstadt von Bratislava brauchen würden. Daher planten wir großzügig.
Die Herausforderung war einen Parkplatz zu finden. In dem dichten Verkehr morgens gegen 7.30 Uhr hat eine falsche Fahrspur meist 10 Minuten fahren zur Folge.

So waren wir in nur 20 Minuten in der Innenstadt und brauchten fast weitere 30 Minuten um einen Parkplatz zu finden, nachdem wir die Botschaft schon einige male umrundet hatten.

Wir tranken noch einen Kaffee und waren dann gegen 8:30 Uhr in der Botschaft und wurden vom Verantwortlichen für Presse und Kultur in Empfang genommen.

Er erzählte uns viel über die Slowakei, über die Vielfalt der ethnischen Gemeinschaften und das nur die Roma im Osten so ihr eigenes Ding machen. Aber eben doch dazu gehören. Über die Wirtschaftskraft der Slowakei und den vielen uns deutschen so ähnlichen slowakischen Eigenschaften wie Fleiß, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Und das sind auch einige der Gründe, warum die deutsche Industrie hier so präsent ist und für die hohen Löhne und die Kaufkraft sorgt.

Auch um Bildung ging es in unserem Gespräch. Unser anschließende Besuch an der Deutschen Schule in Bratislava war für etwa 9.45Uhr geplant. Das wir von der Botschaft noch telefonisch bei der Schule unmittelbar vorab angekündigt wurden, sorgte für Eindruck.

Der Botschafter Joachim Bleickert empfing uns gegen 9 Uhr.

Auf Norman mit Filmteam waren die Botschaft nicht vorbereitet und so mussten diese vorab ersteinmal abklären, ob wir überhaupt Aufnahmen machen dürfen. Dies war aber dann okay und so filmte Oli und ich fotografierte.

Das persönliche Gespräch zwischen den Beiden dauerte etwa 45 Minuten und er informierte sich über das Gesamtprojekt und auch dessen Nachhaltigkeit. Also für die Zeit nach den 7 Jahren Lauf.

Nun hatten wir auch die Möglichkeit auf dem kleinen Balkon, vor der deutschen und europäischen Fahne, ein Foto mit Herrn Botschafter Bleickert und Herrn Extremläufer Bücher zu machen. Wenn der Wind doch endlich mal in die Fahnen pusten würde.

Das dauerte eine Weile und das Lächeln wurde schon schwerer, denn warm war es da draußen nicht.
Aber es klappte.

Ich bedanke mich für diese auch für mich neue Erfahrung und das sehr interessante Gespräch mit dem Presse- und Kulturbeauftragen.

 

 

Vortrag und Schüler-Interviews an der Deutchen Schule Bratislava.

Die Deutsche Schule in Bratislava ist eine Privatschule die vor 13 Jahren gegründet wurde.
Es wird auf Deutsch nach den Lehrplänen von Baden-Württemberg unterrichtet.
Etwa 70 % der Schüler sind Slowaken, etwa 10 % Deutsche und alle anderen aus aller Welt.
Das Kollegium besteht aus deutschen und slowakischen Lehrern und Lehrerinnen.

Die deutschen Lehrer und Lehrerinnen werden nach unserem Beamtengehalt entlohnt,
welches nach Auskunft der Kulturbeauftragten zu den höchsten überhaupt
zählt. Die slowakischen Lehrer werden vergleichsweise schlecht bezahlt.
Die deutsche Schule zahlt zwar besser als andere Schulen in der
Slowakei, aber es ist doch ein Problempunkt. (Auskunft dt. Botschaft)

Die Klassen sind relativ klein. Normans Vortrag fand vor drei nach Alter,
Interessen und Sprachkenntnissen ausgesuchten Klassen statt. Das waren
etwa 40 Schüler.

Von schulischer Seite engagierte sich die Abteilungsleiterin für das
Gymnasium Frau Svenja Ceranna für Normans Vortrag über sein Projekt. Ich
nahm Sie als sehr engagiert wahr.

In einem Gespräch äußerten wir auch unsere doch vorhandene Enttäuschung
das doch recht wenige Schulen auf die Anfragen von Norman reagiert
hatten, Vorträge zu halten oder einen Besuch zu machen.

Sie sagte uns, dass es auch hier einfach gepasst hätte. Eine Woche davor
oder danach wäre z. B. wegen Prüfungswochen, Ferienwochen oder
Terminkollisionen nicht gegangen.

Eine doch recht kleine Schule wie diese in Bratislava freut sich über
Vortragsinteressenten unterschiedlichster Themen. Doch auch hier ist es
so das immer wieder Honorare von den Rednern verlangt werden . Dies
könne sich eine Schule in dieser Größe nicht leisten. Normans nimmt
keines, das möchte ich auch vorsichtshalber erwähnen. Große Schulen
kommen auch leichter an Fördermittel und können sich daher dies auch
eher leisten.

Meine Meinung: Sehr schade, nein traurig! Bildung scheitert mal wieder am Geld.
Das darf in meinen Augen nicht sein.

Der Vortrag von Norman dauerte etwa eine Stunde. Im Anschluss wurde das
Booklet mit den 7 Fragen verteilt und Norman ging mit Beispielen auf die
Fragen ein. Die Teilnahme war freiwillig und fast alle Schüler
beteiligten sich daran. Ebenfalls freiwillig gab es die Möglichkeit
einige Fragen verbal zu beantworten.

Nach dem Vortrag breiteten die Schüler die große Fahne im Hof des externen
Schulgebäudes aus und - wer wollte - durfte sich mit einer Unterschrift
auf der Fahne verewigen.

Einige Fotos stellten wir der Schule und der Botschaft für Ihre sozialen
Medien zur Verfügung. Die Porträts der Schüler stelle ich ebenfalls
noch im Nachgang den Schülern zur Eigenverwendung zur Verfügung.

 

Das war die Etappe von Wien nach Bratislava