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6. Etappe 7 Continents von Budapest nach Belgrad


Tag Nummer 32 - Belgrad

 

Inhalt:

  • Mein Vormittag
  • Die Stadt Belgrad

 

 

Mein Vormittag auf dem Campsite

Ich habe mich entschlossen wieder auf dem Campingplatz zu bleiben während Theo und Norman die Deutsche Schule besuchen und in der Botschaft einen Termin haben.

Es gibt bis dato keine Einverständnisse, das in der Schule Schüler fotografiert werden dürfen. Und um es vorweg zu nehmen, es wurde auch nicht erlaubt. Die DSGVO verändert wesentlich mehr als nur das Recht. Es ist auch hier angekommen und verändert unsere Kultur, das Vertrauen. Das ist meine Meinung.

Wir haben auf diesem Campingplatz endlich wieder eine Waschmaschine. Die erste seit Wochen. Ich wasche alle Klamotten durch. Intensiv! Drei Ladungen. In der Sonne bei über dreißig Grad sind die trocken, wenn die nächste Maschine fertig ist. Ich mache meinen wöchentlichen Check am Auto. Es ist alles okay. Ölverbrauch NULL. Und das nach 363.000 km. Klasse Motor - bisher. Er schnurrt und surrt wie er soll. 5 Zylinder Diesel aus 2002 mit 2,4 l Hubraum und 102 PS. Einzig ein Gummilager klappert bei Bodenwellen. Ich vermute, es ist der Gummipuffer der Stabilisators der Vorderachse. Die Stoßdämpfer sind trocken und wohl in Ordnung.

Obwohl ich fast täglich Offroad fahre und den Wagen schon einige male an die Grenzen brachte, ist alles heile geblieben.

Im Auto war es wie in der Sauna. Dennoch hatte ich mir vorgenommen Bilder zu bearbeiten und den Blog zu schreiben. Draußen ist es zu hell um die Bilder bearbeiten. Ich kam gut voran.

Ich machte das Auto ein bisschen sauberer und sortiere einige Dinge. Und schon ist es 14 Uhr und die Beiden kommen aus der Stadt. Bis 19 Uhr machen wir nun echte Pause und schlafen fast alle in der Hitze. Dann fahren wir wieder mit einem Taxi in die Innenstadt.

Belgrad

Eine Weltstadt empfängt mich/uns. Eine andere Art von Weltstadt. Es fällt mir schwer dies zu beschreiben und mir fällt keine Stadt ein, in der ich war, die vergleichbar wäre.
Belgrad heißt hier Beograd – die weiße Stadt – wurde mir von Einheimischen gesagt.
Doch von weiß kann ich nichts erkennen. Die Stadt ist grau, schwarz. Die Hochhäuser bis in die Innenstadt mit Ruß und dunklen Schlieren vergraut.
Nur wenge Gebäude sind  hell mit Glas und Licht.

Die Straßenschluchten für mich teils erdrückend eng, zwischen den, teils hohen Gebäuden.
Der Autoverkehr läuft schnell auf den engen Straßen, sofern kein Stau ist.
Der ÖPNV besteht meist aus Bussen, welche die Straßen füllen und welche selbst teilweise so überfüllt sind, dass die Menschen von innen an die Frontscheibe gequetscht drin stehen.
Eine Straßenbahn habe ich gesehen.
Die Straßen sind eine Katastrophe. Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 40 km/h. Es interessiert niemanden. Die Autos fahren, wenn zwischen den vielen Ampeln freie Fahrt ist, locker 80 km/h. Es wird wahllos links und rechts überholt.

Die einzige Verkehrsregeln an die sich gehalten wird, sind rote Ampeln. Ansonsten sind alle anderen Regeln wohl nur Empfehlungen. Selbst Straßensperrungen für Baustellen werden vollkommen ignoriert. Die Autos fahren dann halt durch die Baustelle durch. Dies gilt auch für Baustellenabsperrungen für Fußgänger in der Stadt. Hier halten sich zwar die meisten dran, aber nicht annähernd alle. Es ist eine offensichtlich ganz andere Kultur mit Regeln umzugehen. Es entscheidet letztlich jeder selbst, ob er sich dran halten möchte oder nicht. Aber jeder trägt auch das Risiko selbst.
Wir sind Taxi gefahren von unserem etwa 12 km entferntem Campingplatz. Es ist die einzige Möglichkeit. Tagsüber haben wir etwa 12 € pro Tour gezahlt. Nachts 45 Euro zurück. Das ist viel.

Die Stadt hat Energie. Sehr viel Energie. Der Puls ist zu spüren und die Geschwindigkeit. Es ist schwer selbst in einem Straßencafé zur Ruhe zu kommen, denn der Takt wird von der Energie der Menschen vorgegeben.

Es gibt sehr viele junge Menschen. Mir ist aufgefallen das schwangere Frauen jünger sind als bei uns. Mitte / Ende zwanzig vielleicht. Meist sind Paare unterwegs.

Die meisten Menschen in der Innenstadt sind gestylt. Die Menschen sind bunt. Es hat über 30 Grad Lufttemperatur und es wird wenig Stoff getragen. Die Menschenvielfalt ist groß. Allerdings wenig Touristen. Kaum Asiaten. Manche Frauen sind 'überstylt' und es ist kaum noch zu erkennen, das dahinter ein echtes Gesicht steckt. Fast Puppenhaft.

Es ist eine Metropole, aber irgendwie keine Weltstadt. Ich weis nicht wie ich es beschreiben soll. Sie ist von der Haltung her schon weltoffen. Aber es ist nicht dieses Multikulti auf den Straßen. Ich sehe keine internationale Vielfalt im Vergleich zu z.B. Budapest.

Überall stehen kostenfreie Wasserspringbrunnen herum, aus denen jederman trinken kann. Teilweise auch LKW mit Trinkwasser und Wasserhähnen an den sich jeder Wasser nehmen kann. Keine Becher – Mann und Frau und Kind trinkt aus der Hand. Müllvermeidung. Auch ich nutze diese Möglichkeit regelmäßig.

In der recht großen Innenstadt pulsiert das Leben. Straßenmusiker stehen überall und klimpern vor sich hin. Die flackernden LED Werbetafeln werfen immer wieder ein anderen Licht. Dazwischen post-jugoslawische Briefkästen, Laternenmasten und andere Relikte vergangener Zeiten.
Das hat schon was.

Theo lässt sich von diesem Puls sehr mitnehmen, was ich ihm anmerke. Er ist aufgedreht, läuft schnell vorweg. Norman langsam in seinem Tempo hinterher. Und ich bin so in der Mitte und versuche beide irgendwie zusammenzuhalten. Theo fühlt sich hier wohl, wie er sagt. Sein eines Bein wippelt die ganze Zeit und er ist wie ein Tiger im Käfig, wenn wir irgendwo anhalten.

Norman und ich setzen uns in ein Straßenrestaurant mtten in der großen Fußgängerzone. Theo hat einen Straßenmusiker gefunden, von welchem er kurzerhand ein Portrait macht, dann dessen Rassel nimmt, sich zu ihm setzt und mit ihm spielt. Uns nimmt er offensichtlich nicht mehr wahr. Wir bestellen uns Essen und Getränke. Wir essen beide einen leichten Hauptspeise-Salat, bei mir mit Steakstreifen medium.

Dann läuft Theo etwa 1 Meter an mir vorbei und sieht mich nicht, obwohl ich ihn anstarre. Ich dachte, er möchte noch etwas fotografieren. Nein, erzählt er später, nachdem er angerufen hatte, wo wir sind. 10 Meter neben ihm waren wir.

Unser Essen ist da und Theo bestellt ebenfalls ein Bier und Cevapcici. Dann rechnet es aus: Bis das Essen da ist, dauert es 8 Minuten. Sein Bein wippt nervös. Wenn er jetzt losrennt zur Festung raucht er 5 Minuten, kann ein paar Fotos machen, dann kann er wieder zurückrennen und ist, dann wieder zurück, wenn das Essen da ist. Gesagt – getan – weg ist er.
Wir sind mit unserem essen fertig, sein Essen steht seit Minuten auf dem Tisch und einer fehlt – Theo.
Da kommt er angerannt.  Er hat noch einen 'Charakterkopf' getroffen, den musste er noch fotografieren.

Ich habe noch keinen Menschen erlebt der so extrem kommunikativ ist, wie Theo. Das dies eine seiner wichtigsten persönlichen Ressourcen ist, habe ich ihm gesagt.


Ich gebe ihm Feedback, wie ich ihn erlebe und sage dazu, das dies nicht als Kritik, sondern als liebevolles Geschenk gemeint ist. Das passt. Auch das kann er gut annehmen.

Es ist inzwischen dunkel und wir beschließen weiter zu gehen. Theo hat bereits ausgeguckt, wohin! Beste Bewertung, da müssen wir hin! Ein Lokal-Schiff auf der Donau mit Musik usw.

Ich interveniere und bitte darum, das wir doch bitte ohne festes Ziel weiter gehen. Das ist auch okay.


Wir kommen bis zur Burg und werden von einem jungen Mann aus einer kleineren Männergruppe angesprochen. Er ist Marokkaner, Flüchtling und spricht fließend deutsch. Die anderen Inder, Afghane, Algerier. Wir unterhalten uns. 'Hamza' ist Wirtschaftsflüchtling aus Marokko. Hat in vielen Ländern gelebt und kann inzwischen sieben oder acht Sprachen. Wurde mehrfach abgeschoben und lebt von Drogenhandel, woraus er kein Geheimnis macht, sondern sehr offen spricht. Er ist Anfang 20 und vermisst wohl nur seine Mutter, von der er immer wieder spricht. Mit Drogen kann man überall Geld verdienen und auch genug.

Er sehr zugänglich. Ich unterhalte mich auch mit den Anderen auf Englisch. Die Augen glänzen freundlich und ich habe kein schlechtes Gefühl dabei, auch wenn ich immer vorsichtig bin. Ich habe doch einige vielleicht pauschale Vorurteile gegen nordafrikanische Drogenhändler, die ich auch als Selbstschutz beibehalten möchte. Im Einzelfall kann ich dies ja revidieren.
Theo lässt Hamza die 7 Fragen von Projekt ausfüllen und ist schnell in die Gruppe integriert.

Norman und ich beschließen wieder zurück in die Stadt zu laufen. Dies ist nicht unsere Welt. Wir setzen uns in eine Straßenbar in der Innenstadt und trinken etwas. Es wird Mitternacht und auf unserer Familie-GPS- Trakking-APP sehen wir das Theo bereits in einem anderen Stadtgebiet unterwegs ist. Er hat zwei Mädels kennengelernt, mit denen ist er nun unterwegs.

Wir fahren per Taxi ins Camp zurück. Irgendwann in der Nacht kommt auch Theo. Aber ich schlafe und bekomme dies nicht mit.

Das war der letzte Tag der Etappe Budapest nach Belgrad.

 

 


Tag 30 und Tag 31. - Gastfreundschaft, Schulbesuch, ein Ekocamp und weiter nach Belgrad

Inhalt

  • Der Morgen danach
  • Schulbesuch in Srbobran
  •  Die Suche nach einen Stellplatz und das Ekocamp
  • Auf nach Belgrad
  • Keine Spuren des Krieges ?

 

Ich war früh wach, die Sonne erwärmte das Auto und draußen bellten die Hunde. Es war etwa sechs Uhr.
Die Fotos der letzten Tage waren zu bearbeiten und auch der Blog zu schreiben.
Gegen 8.30 Uhr fuhr ich zu dem Haus in dem die Familie von David wohnt. Seine Frau und seine Mutter hatten ein leckeres Frühstück vorbereitet. Mit Tomaten, Eiern und viel Fleisch. So wie es in Serbien üblich ist. Es gab Kaffee, selbstgemachten Holunder Saft und den traditionellen, ebenfalls selbstgemachten 'Ajvar'. Ein mittelscharfes Pesto aus Paprika, welches man als Brotaufstrich, zu Nudeln oder Reis und zu Fleisch sehr gut essen kann.

Das Fleisch war aus eigener Schlachtung und die in Streifen geschnittene Schwarte gab es auch.

In Serbien rauchen noch viel mehr Menschen Zigaretten als vergleichsweise bei uns. Auch in vielen Lokalen, auf der Straße und eben auch hier bei unseren Gastgebern rauchen alle im Haus. Das ist für einen Nichtraucher wie mich ungewohnt.

 

Wir saßen noch einige Stunden beieinander und erzählten über Serbien, Deutschland, den Serben und den Deutschen. Wir machten Fotos und tauschten unsere Kontakte aus. Doch irgendwann war es Zeit sich zu verabschieden.

Als Abschiedsgeschenk bekamen jeder von uns ein großes Glas Ajvar und ein kleines Glas eingelegte Pflaumen.

Norman und Theo waren mit den beiden Söhnen abends zuvor noch in der  Stadt, wurden vom Bürgermeister begrüßt und kamen erst spät in der Nacht ins Bett. Im Gästezimmer unserer Gastgeber.
Ich hatte mich entschieden im Camper zu schlafen. Auch wenn ich auf der einen Seite das abendliche Erlebnis auch gerne erfahren hätte, so brauche ich ab und zu meine 'Auszeit'.

Ich kenne mich ja und weis, das es mir guttut.

Wir haben uns wirklich sehr über die Gastfreundschaft gefreut. Vielen Dank!

Schulbesuch Srbobran

Einer der beiden Söhne, welcher Polizist ist, und der andere -David -, gingen beide hier in die Schule. Und das ist noch nicht lange her. David ist ja auch erst Anfang zwanzig.
Er begleitete uns zur Schule in Novi Sad und sprach bei der Direktorin für uns vor. Wir mussten einige Zeit warten, bis sie Zeit hatte.

Zum nächsten Stundenanfang durften wir unser Projekt in einer Schulklasse vorstellen. Statt der Geografiestunde!

Die meisten Schüler sprechen gutes englisch und der vollkommen geänderte Ablauf unseres Vortrages vor der Klasse hat seine Wirkung. Kein langer Vortrag mehr, sondern ein schneller Einstieg mit Unterstützung der Tafel. Wir hatten hier ein Whiteboard als Tafel. Norman überlässt Theo als Botschafter – das ist eine Zukunftsidee – die Führung. Er kommt mit seiner lockeren Art in einen Kauderwelsch aus Englisch und ein paar schnell gelernten Wörtern Serbisch, Sprachübersetzung durch die Lehrerin gut an. Auch die 7c Instagram Seite hat schnell neue Follower. Ich bin Beobachter der Beiden und gebe im Nachgang Feedback, um die Abläufe weiter zu verbessern.

Nachdem die meisten die 7 Fragen beantwortet hatten, stellen Norman und Theo Vertiefungsfragen zu einigen der sieben Fragen. Zum 'Wie...' oder eine Diskussion zu den Träumen.

Danach ging es raus auf dem Pausenhof. Alles ist sehr gepflegt. Die Schüler breiteten die 7CONTINENTS Fahne aus. Anschließend durften die Jugendlichen und Lehrer darauf unterschreiben.
Es begannen noch einige Einzelgespräche. Nach ich schätze über einer Stunde verließen wir die Schule wieder.

Wir gingen gemeinsam mit David noch einen Eiskaffee trinken und verabschiedeten uns dann.
Norman wollte noch laufen und musste Kilometer nachholen.

So wurde diese Familie auch ein Botschafter für ihr Land Serbien. Wir haben ihnen das auch gesagt das unsere Erlebnisse Eingang in z. B. diesen Blog, in die sozialen Medien und später auch in die geplanten Bücher finden bzw. finden werden. Jeder von uns Dreien wird von dieser Begegnung positiv über 'die Serben' reden. Damit haben ein paar wenige Menschen mit Ihrer Gastfreundschaft Ihr Land vertreten und tragen dies über uns in die Welt. Ich möchte damit zeigen, das der Einzelne etwas bewegen kann. Und umgekehrt gilt dies eben genau so.
Ich habe als Ausländer Anhalter mitgenommen, weil die Busse nicht fuhren. Wir fragen, wenn wir irgendwo stehen wollen und wir sind höflich und respektvoll den Menschen gegenüber.

Ich verhalte mich so, wie ich es von einem Ausländer bei uns erwarten würde. Damit bin auch ich Botschafter der Deutschen in Serbien. Ich glaube das wir dies in freundschaftlichem Sinne sind.

 

 

Ich habe einig kleine, zufällige Auswahl der Antworten abfotografiert.

Die Suche nach einem Stellplatz und das Ekocamp

Es war schon Mittag durch und ich setzte Norman genau dort ab, wo ich ihn am Vortag eingesammelt hatte.
Das war etwa 10 Kilometer voraus, da wir ja zurückgefahren waren nach Novi Sad.

Theo fuhr heute im Camper mit, da auch er einiges nachzuarbeiten hatte. Er hatte sehr viel Bildmaterial geschossen, das gesichtet, bearbeitet und in den entsprechenden Medien gepostet oder gespeichert werden musste.
Auch hatten die beiden beschlossen, die Dichte der Postings in den sozialen Medien zu erhöhen, da einfach genug Material vorhanden war und ist.

Ferner sollen die Vorträge an den Schulen noch spontaner und flexibler werden. Für das Tablet soll Theo eine Kurzpräsentation mit Bildern machen, die einen schnellen Einstieg bei allerlei Kontakten ermöglicht.

Der Tag war sehr heiß. Hochsommerlich heiß. Etwas über 30 Grad im Schatten.
Südlich von Novi Sad ist ein kleiner, bewaldeter Gebirgszug. Hier zwei Stellplätze eingezeichnet.
Durch viel kleine gewundene Straßen ging es bis ganz nach oben auf den Berg. Dieser Platz, mit der schlechtesten Bewertung bei google, war auch nicht mehr zu finden. Nach einer kurzen Pause mit Fotoshooting an einem alten Häuschen, sollte es zu einem etwa 20 km entfernten anderen Stellplatz an einem Restaurant gehen.
Uns erwartete ein langer Stau an einer Baustelle. Die Grünphasen der Ampelwaren kurz und ein seitlich teilweise abgestürzter LKW regte viele Fahrer an, noch langsamer zu fahren. Bei sengender Hitze ging es langsam voran. Wir kamen irgendwann in das kleines Tal, in dem der Stellplatz sein sollte und fuhren in einer Spitzkehre an einem Platz vorbei, an dem das Schild „Ekocamp“ stand. Also fuhren wir hinein. Es war nicht der Platz wo wir hin wollten. Das Tor war offen, aber niemand dort. Es lag alles voll Müllsäcken, also dutzende und bestimmt 40 kleine Feuerstellen in wenigem Metern Abstand.
Eine Frau kam uns entgegen – Anita – und sprach uns auf Deutsch an.
Die letzten drei Tage war hier ein Barbecue Wettbewerb und sie seien gerade dabei alles aufzuräumen.

Der Campingplatz solle neu eröffnet werden und er habe noch geschlossen. Aber wir können uns gerne hinstellen, wo wir wollen. Wir erklärten, dass wir zuerst Norman noch abholen müssen, da wir doch viele Kilometer von der Strecke ab sind.
Also fuhren wir los, Norman abholen. Der Baustellenstau war in der rückwärtigen Richtung nur kurz.

Nach etwa 30 Minuten Fahrzeit sammelten wir Norman auf. Mit unserer neuen Familie-GPS-Tracking-APP konnten wir ihn exakt orten.
Also zurück Richtung Ekocamp.

Die Dinge kommen immer anders als gedacht. Die Strecke mit dem verunfallten LKW war nun von der Polizei gesperrt und es gab keine Umleitung. Auf google maps fanden wir eine parallel laufende schmale Straße. Also diese war als Straße eingezeichnet! Es war aber keine Straße.

Ich fuhr, Theo navigierte mich verbal und Norman schlief im Auto. Es war keine Straße, es war ein Waldweg in bergigem Gelände, so breit wie unser Auto. Man konnte weder überholen, noch Gegenverkehr war wirklich möglich. Ein Abenteuer begann, denn wir waren nicht die Einzigen, welche diese Umfahrung wagten. Mehrmals musste ich und auch andere Autos weit rückwärts fahren, links den Hang runter oder recht hoch, um aneinander vorbeizukommen. Einige wenige Fahrer waren deutlich gestresst, aber überwiegend lief alles sehr in gemeinsamem Interesse ab.

Die Bilder hat Theo gemacht, da er oft vorauslief und die Strecke checkte. Ich war hoch konzentriert und habe daher selbst keine Bilder machen können.

Wir kamen gegen 20 Uhr am Ekocamp an. Alles war aufgeräumt, alle Müllsäcke weg. Toll! Irgendwie sprechen alle ein paar Wörter deutsch. Der Hausmeister ließ sich nicht abhalten den Boiler anzustellen, damit wir warm duschen könnten. Ein Nachbar des Campingplatzes, ehemaliger Basketballtrainer, kam auch noch vorbei und verkaufte uns eine Flasche selbst gebrannten Wein. Er sagte, es sei Wein, für mich schmeckt es wie eine Art Portwein mit mächtig viel Umdrehungen. Damit war er auch zufrieden. Zum Essen gab es bei uns Hawaii Toast vom Feuer und wer wollte, durfte mit essen.
Der Eigentümer vom Platz war auch noch da und Anita, die deutsch–kroatin, auch.
Anita und ich verstanden und prächtig, was auch allen sofort auffiel und manche Bemerkung viel. Sie konnte auch ins Serbische übersetzen und so saßen wir alle zusammen und erzählten.
Irgendwann gegen 23 Uhr waren alle gegangen und ich lag - trotz aller Spekulationen alleine - im Camper. Hier im Wald ist es deutlich kühler und angenehmer als auf den sonnenexponierten Stellplätzen. Norman und Theo saßen noch am Rechner und bearbeiteten Bilder, Videos und Vorträge.

Am kommenden morgen waren fast alle wieder beisammen und wir frühstückten zusammen. Außer dem Platzeigentümer. Anita erzählte, dass die nächste Schule nur drei Kilometer weg sei und dies die älteste Schule in Serbien sei.
Theo und Norman brachen gegen 8.30 Uhr zu Fuß und per Rad dahin auf und ich blieb noch auf dem Platz. Anita und ich saßen bis etwa 10 Uhr und erzählten und philosophierten. Sie verwendet eine ganz andere Sprache – zwar deutsch, aber eine andere Wortwahl - um Ihr Welt und Realität zu beschreiben. Dies wollte ich verstehen lernen und es war sehr interessant und wir hatten eine tolle Unterhaltung.

Sie arbeitet auf dem Campingplatz für Kost und Logis und beginnt hier in Serbien ein neues Leben, da Sie es in Deutschland nicht mehr ausgehalten habe. Um Geld zu verdienen möchte Sie, sobald Sie die Arbeitserlaubnis hat, im SOS Kinderdorf arbeiten, das nur wenige Kilometer weg ist. Anita ist Anfang 40.
Die ersten Wochen in Serbien lebte Sie im Zelt auf dem Campsite und hat nun ein Zimmer bei Eigentümer des Platzes. Als Gegenleistung hält Sie den Platz sauber und begrüßt die Gäste usw.
Hat ja bei uns auch geklappt.
Da wir nichts bezahlen brauchten, trugen wir den Platz in die uns bekannte Onlineportale ein, um ihn im Internet bekannter zu machen. Außerdem machten wir schöne Bilder und stellen diese ins Netz. Das ist unser Tauschgeschäft. Ich denke, das ist fair.

Auch Anita musste nun ein paar Stunden Arbeiten und ich schrieb Blog und bearbeitete Bilder.

Norman und Theo waren auch wieder auf der Strecke und so brach ich nach ein Abschiedsfoto mit Anita ebenfalls auf Richtung Belgrad, Stellplatz suchen. Es war bereits 14 Uhr und die Sonne knallte vom Himmel.

 

(Es kommen noch weitere Bilder hinzu, wenn ich diese von Theo bekommen habe. )

Bildquelle: Bild Nr 14 bis 20 und 23 : Theo Hartmann

Keine Spuren des Krieges?

Hinweis: Das, was ich schreibe, habe ich in mehreren Gesprächen erfragt und erzählt bekommen!
Ich gebe in meinen Worten das wieder, was mit Menschen, die diesen Krieg selbst miterlebt haben, erzählt haben, und so, wie ich es verstanden habe.

"Die Serben sind fleißige Menschen", so wurde mir gesagt. Daher konnte ich bisher auch keine Spuren des Krieges mehr entdecken, obwohl wir hier durch ehemalige Kriegsgebiete fahren.

Oberflächlich und äußerlich ist es schwer, etwas zu entdecken. Daher fragte ich bzw. auch wir gezielt immer wieder vorsichtig nach. Der Krieg ist jetzt etwa 25 bis 30 Jahre her. Das ist nicht viel Zeit und die Generationen 30 + haben dies alles erlebt.
Es hinterlässt wie alle Kriege Spuren in den Köpfen der Menschen. Kaum eine Familie hat keine Verluste zu beklagen. Es fehlen die Menschen, die Eltern, die Onkels und Tanten und die Kinder, die nicht gezeugt wurden.
Die Spuren sind in den Familien zu bemerken, wurde mir gesagt. Es wird wenig darüber gesprochen, aber unsere Fragen wurden immer freundlich und ohne spürbaren Widerstand beantwortet. Aber wir wollen auch nicht zu tief nachfragen.

Der Nachname spielt in dieser Kultur offenbar eine wesentlich größere Rolle, als bei uns. Er gibt Auskunft über die historischen Wurzeln einer Familie. Wer einen kroatischen Nachnamen hat und in Serbien Fuß fassen möchte oder eben umgekehrt, hat mit Problemen zu rechnen. Nicht nur behördlich, sondern auch gesellschaftlich. Es werden Steine in den Weg gelegt. 
Die meisten Serben sind christlich-orthodox. Diese Wertegemeinschaft ist streng und konsequent, wurde mir erzählt. Auf der einen Seite ist die Gastfreundschaft und Freundlichkeit, welche wir erfahren dürfen, eine auf diesen Werten basierende Verpflichtung. Auf der anderen Seite wird ein Verstoß gegen die Werte -  und dies ist im Krieg leider oft so - auch konsequent geahndet.

Ich habe erzählt bekommen, das während des Krieges viele Söldner aus anderen europäischen Ländern eingekauft wurden, um hier zu kämpfen. Auch aus Deutschland wurden Busse weise Söldner eingekauft.

Die Spuren des letzten innereuropäischen Krieges sind also auch bei uns in Deutschland. Auch, wenn wir es offensichtlich nicht wahrnehmen. Es ist die Namensproblematik – die ich in meinem eigenen Freundeskreis auch in Deutschland erlebt habe - die Zwangsverheiratung nach Deutschland um junge Männer vor dem Krieg damals zu schützen - und die deutschen Söldner, die heute auch wieder in Deutschland leben und Teil unserer Gesellschaft sind.

Vom umfangreiche Drogenkonsum der Soldaten während des Krieges wurde mir erzählt, der aus Menschen Unmenschen machte und viele Grausamkeiten erst möglich machten (und vermutlich auch noch machen).

Der Staat Serbien erkennt die Eigenständigkeit des Kosovo nicht an und mein Eindruck ist, das dies auch von den meisten Menschen die ich kennenlernte, getragen wird.

Wie gesagt: Ich gebe das wieder was mir erzählt wurde!

 

 

Wir sind in Belgrad angekommen.

Bei starker Hitze mit Schatten-Temperaturen von über 30 Grad läuft Norman nach dem Schulbesuch in Novi Sad auch heute noch über 40 km und kommt bis in den Randbereich von Belgrad. Er hat viele Kilometer aufgeholt, trotz der fast täglichen Schulbesuche.

Es ist allerdings schon fast 19 Uhr und die alltäglichen Dinge müssen auch noch erledigt werden. Da es heute Reste Essen gibt, habe ich nicht eingekauft. Ich sammle die beiden in einem Stadtteil von Belgrad etwa 20 km vor dem Zentrum und 6 km vor unserem Campingplatz an der Donau ein. Schnaken gibt es ohne Ende. Auch der leichte Wind der durch ein vorüberziehende Gewitter entstand mildert dies nur wenig.

Unser Abendessen ist schnell gekocht und eine Dusche hat auch jeder noch verdient.

Nach einer Besprechung beim Abendessen werden noch Pläne für weitere Veränderungen für die Präsentationen bei den Schulen geschmiedet, welche Norman und Theo bis weit in die Nacht umsetzen.

Auch müssen wir den Schulbesuch an der Deutschen Schule in Belgrad für etwa 8.15 Uhr morgen früh planen. Ein zuverlässigen ÖPNV gibt es mit den Bussen nicht, wurde uns am Campingplatz gesagt. Wenn wir sicher und pünktlich dort sein wollen, dann ginge nur ein Taxi.

Die wenigen Gäste auf dem Campingplatz sind meist deutschsprachig. Es geht hier beschaulich zu. Der Platz ist einfach, aber sauber und für unsere Zwecke super. Es gibt die erste Waschmaschine seit Wochen!

Ende Tag 31.

 


Tag 29 - Serbien

Es ist heiß geworden. Gegen Mittag haben wir im Schatten um die 30 Grad. In der Sonne werden wir schon gebrutzelt. Es ist deutlich besser als der Regen und die Kälte der ersten Wochen.

Wir haben uns geeinigt, das ich nicht mehr zur Mittagspause anfahre, sondern die Beiden diese unabhängig von mir alleine machen. Hauptgrund ist, das diesem durch die spontanen Bekanntschaften unplanbar geworden sind und ich somit einen freien Kopf haben.

Bis etwa 13 Uhr bleibe ich also noch an unserem Stellplatz an dem See und schreibe Blog und mache verschiedene andere Dinge.

Wir haben eine lange Einkaufsliste. Unsere Vorräte sind weitgehend aufgebraucht. Angeblich haben einige Geschäfte sonntags geöffnet. Leider stimmen die Angaben im Internet nur manchmal mit der Realität überein. Das ist nicht nur bei den Öffnungszeiten so. So fahre ich einige Geschäfte umsonst an.

Es sind bisher kleine "Tante-Emma-Läden" mit geringer Auswahl. So bekomme ich nur das Notwendigste.
Theo findet einen der wenigen Lidl und schickt mir die Adresse.

Vorher fange ich bereits an einen Stellplatz zu suchen, was sehr schwer ist. Riesige Landwirtschaften ohne Baum und Schatten. Kaum ein qm ist frei und wenn dann direkt neben der Straße.

Kilometerweise fahre ich auf den lehmige sandigen Pisten zwischen den Feldern und finde nichts.

Zufällig Treffe ich Norman und später Theo und spreche mit Ihnen ab das ich etwas Bezahltes suche. Die angegebenen Lokalitäten fahre ich alle an. Überall sind Partys und Hochzeitfeiern. Ich finde auch hier keine Möglichkeit.

Ich fahre zum Lidl und kaufe die restlichen Lebensmittel ein. Vor allem Wasser. Endlich gibt es große Gebinde mit 5 bzw. 6 Litern Inhalt. Das reduziert den Müll.

Als ich mich auf den Parkplatz Stelle steigen aus einem großen weißen Transporter erstmal zwei Leute aus und schleichen um meinen Bus. Ich sehe dies noch und bleibe erst einmal vor dem Lidl stehen.
Im Lidl steht Security, ein Mann, groß und breit und mustert mich. Erst als die Typen weg sind, gehe ich einkaufen.
Es ist hier im ländlichen Bereich gefühlt schon anders und ich sehe die erste Armut.

Ich fahre Norman entgegen und wir treffen und bei den ungefähr geplanten 50 Laufkilometern.

Theo fehlt. Er hat ein Mädchen kennengelernt und versucht bei ihr zu landen. Die beiden Liegen irgendwo am Fluss mit dieser auf einem Steg.

Norman und ich beschließen kurz zu ihm zu fahren und uns kurz mit ihm zu besprechen, das wir ggf. weiterfahren würden und er eben selbst nachkommen müsse. Aber es kommt ganz anders.

Nachdem wir dort aufkreuzten, ist die Romanze schnell beendet. Wir drei uns noch ein weiter junger Mann namens Nico sind der jungen Dame zu viel und sie geht. Wir suchen immer noch einen Stellplatz und der Fluss ist das Beste, was ich heute sah. Auf Empfehlung von Nico fahren wir in die andere Richtung etwa einen Kilometer weiter und durchqueren ein schönes kleines Wohngebiet. Vollkommen andres als bei uns. Kleine gepflegte Häuser inmitten im Grün eingebettet. Mehr Grün als Häuser. Wir werden Misstrauisch angeschaut und daher frage ich aktiv. Aber Leder kann uns keiner unmittelbar helfen.

Wir fahren wieder in die Felder, ein wenig offroad zu einem kleinen Bauernhof am Fluss. Dort ist ein älterer Mann und viele Hunde. Theo fragt per Übersetzer ob wir hier bleiben dürfen. Er bejaht.

Also suchen wir uns einen Platz auf der Wiese. Wir schenken ihm eine Packung Müsli als Dankeschön.
Nun stehen wir auf der gemähten Wiese einige Zeit und es kommt ein weiterer Farmer.

Er macht uns freundlich klar, dass wir auf seiner Wiese stehen und ihm das nicht so recht ist, da das Gras trocknen soll.

Wir sollen hinter ihm her fahren. Ich tue dies, die anderen beiden Laufen. So stehen wir nun bei seiner kleinen Farm (siehe Bild) auf der Wiese und schenken ihm ein halbes Pfund Kaffee. Er will nicht richtig annehmen und sagt uns das, wenn wir Kaffee kochen wollen, wir zu ihm kommen sollen. Das verneine ich. Das bietet er uns eine "Brandy" an. Da sagen wir nicht Nein und nun sitzen wir bei ihm in der Mikrofarm und trinken Rakia. (Nicht Raki, darauf wurde ich extra hingewiesen)

Er ruft seine Söhne an und die sind eine halbe Stunde später dann auch da. Der eine ist Polizist, der andere LKW Fahrer. Beide sprechen englisch und so geht es nun deutlich leichter mit dem Sprechen. Englisch lernen die über Fernsehen schauen.

Der Abend nimm seinen Lauf und so werden wir eingeladen bei einem der Söhne zu Hause zu schlafen- eben in dem Wohngebiet wo wir vorhin nch durchgefahren sind. Ich selbst bleibe lieber im Bus, aber Norman und Theo gehen mit. Ich komme morgens nach.

Ein Tag nimmt eine unerwartete Wendung und die Gastfreundlichkeit der Serben zeit sich wiederholten male!

 

( Es sind ein paar nicht so gute Smartphonebilder dabei )

In der Ortschaft Srbobran

 

Das war Tag 29



Tag 27 und 28 unserer Reise - Die Tage vergehen wie im Fluge

Inhalt:

  • Das Müllentsorgungsproblem in Ungarn
  • 7-CONTINENTS entwickelt sich weiter
  • Kurzes Resümee zu Ungarn
  • Grenzübertritt nach Serbien- EU Außengrenze
  • Erste Eindrücke aus Subotica / Serbien

Das Müllentsorgungsproblem in Ungarn.

Ein großes Problem ist unser Müll. Wir produzieren leider sehr viel - zu viel, obwohl der Gesamtverbrauch in Vergleich zu einem Haushalt vergleichbar sehr klein sein dürfte. Es ist hier in dem kleinen Camper nur sehr viel offensichtlicher.

Auf dem Foto ist der Müll von etwa 20 Stunden. Dosen, Umverpackungen und vor allem Wasserflaschen aus Plastik. Es ist die Wahrheit, deshalb schreibe ich es. Auch wenn bei einigen vielleicht die eigenen Bewertungsbilder im Geiste aufpoppen. Die Wahrheit ist, er ist da und wir müssen damit umgehen.

Es ist hier in Ungarn eine  Herausforderung  den Müll loszuwerden. Die wenigen Mülltonnen, die ich sehe, sind meist überfüllt. Öffentliche Müllcontainer habe ich in Ungarn nur sehr wenige gefunden. So transportiere ich unseren Müll im kleinen Auto stundenlang durch die Gegend. Es ist wahrlich bei 40 Grad im Bus kein Vergnügen, denn es fängt an zu stinken.

Es gibt zwar eine Mülltrennung, aber es ist wirklich schwer entsprechende Container zu finden. Da ich keine Möglichkeit fand den Restmüll zu entsorgen, habe ich sie nun an der einzigen Mülltrennstelle, die ich gefunden habe, mit dazu gestellt.

Norman und Theo hatten heute bei einem Interview mit Jugendlichen unter anderem die Frage gestellt, was würdest Du tun, wenn Du Bürgermeister wärst. Eine Antwort: „Mehr Mülltonnen aufstellen.“

 

Wir haben darüber gesprochen, wie wir hier auf unserer Reise Müll vermeiden können. Und dies in einem Rahmen der für uns praktikabel ist. Und was bei uns im kleinen Bus ein großes Thema ist, ist für Menschen die in
einer Wohnung oder einem Haus leben ein umso größeres. Aber mit den gleichen Abwägungen. Was ist machbar, was ist praktikabel, was ist finanzierbar? Müll vermeiden kostet nicht nur in unserem Fall Geld und
Zeit. Beides ist wertvoll. Denn um Geld zu verdienen um mir z. B. teure Lebensmittel vom Markt ohne Verpackung zu kaufen muss ich wieder Müll produzieren, Ressourcen verbrauchen. Anstelle an einem Ort, z. B. in einem Supermarkt fast alles zu kaufen, muss ich im anderen Fall mehrere Händler anfahren, ich muss diese suchen und finden (mal auf uns hier bezogen). Wir sind jeden Tag woanders.
Die Balance muss jeder für sich selbst finden.

Ich schreibe hier über dieses Thema, WEIL es mich und uns beschäftigt. Und ich merke aus den Reaktionen, die ich bekomme, das es auch die Leser kontrovers beschäftigt. Und genau das soll es!

 

 

 

7-CONTINENTS entwickelt sich weiter

Wir bekommen einiges an Feedback auf unserer Reise. Auf einer Skala von -10 bis +10 ist alles dabei. Jede/r beurteilt aus seiner Wahrnehmung und seiner Welt in welcher er/sie lebt.

Und es regt zu Diskussionen an. Wo stehen wir, wo steht das Projekt! Sind die Inhalte, welche wir kommunizieren richtig, authentisch. Liegen die Schwerpunkte in der Darstellung in Sozialen Medien, Videos s.s.w. richtig? Welches sind unsere Anteile an den Geschehnissen?

Viele Stunden haben wir diskutiert, aber die Entscheidungen muss Norman für sich treffen. Dafür braucht er Zeit und er nimmt sich diese auch. Trotz des Druckes den wir als Team und auch die Kritiker des Projektes aufbauen.

Aus meiner Sicht macht Norman das sehr gut. Er kann gut mit dem Druck umgehen. Es ist aus meiner Wahrnehmung schwer in der Öffentlichkeit zu stehen und nicht nur sachlich durchdachten, sondern eben auch viel emotionalen Druck und persönliche Bewertungen abzubekommen. Bewertungen, die den Sinn des gesamten Projektes negativ bewerten und infrage stellen.

Dies muss Norman alles sortieren, auf Ihren Inhalt prüfen. Schauen, ob und was für ihn relevant ist. Zwischen den Zeilen lesen und Rückschlüsse für Veränderungen daraus ziehen.

Auch Empfehlungen des Teams müssen immer wieder auf den Prüfstand gestellt werden und an die Situation hier bei uns vor Ort angepasst werden.

All dies passiert täglich. Es ist ein täglicher Prozess den Ich ständig, Oli und nun auch Theo zeitweise hier bei der Reise begleiten.

Mit dem Schritt zusammen mit Theo - der selbst jung und hochkommunikativ ist - nun spontan in die Schulen zu gehen, hat sich sehr viel getan. Wieder allen Erwartungen ist es vollkommen einfach und es gab bisher KEINE Ablehnung an einer Schule. Ich glaube aktuell waren es 7 Schulen, wo die beiden in Ungarn waren.

Theo hat die 7 Fragen nun auf dem Tablet in die jeweilige Sprache übersetzt. Die Schulen haben meist voll digitale Tafeln, auf welche er dann die Fragen via Tablet anzeigen kann.

Mal schauen wie es hier in Serbien wird.

Wir haben beschlossen eine kleine Tablet Präsentation aus Bildern unserer bisherigen Tour zu machen, um schnell einen Einstieg in den Schulklassen und bei den Lehrern zu finden. Ohne langen Vortrag. Sondern eben schnell und kurz.

Die Frage, wie schaffen wir es die Stimmen der Schüler sichtbar zu machen. Auch schon während unserer Reise. Wir haben sehr viel diskutiert. Sehr viel. Meist technische Lösungen auf der Webseite von 7c.

Gestern Abend haben Theo und Norman ein Video aufgenommen auf welchem Norman einige Antworten von unterwegs vorliest. Ich finde eine sehr gute Lösung für den Augenblick und ich glaube auch für diese Reise.

Sobald das Video bei Youtube online ist, verlinke ich es hier. Auch hier eine Bemerkung an die Ungeduldigen: - wir sind technisch sehr begrenzt und es geht dadurch langsamer als im Büro am PC.

Es können damit noch nicht die großen Fragen, Antworten und Forderungen an die Politiker beantwortet werden. Dazu sind die Stimmen, Länder und Kontinente noch nicht genug. Aber wir können das A ktuelle abbilden. Rom wurde nicht an einem Tag gebaut und die Idee 7c wächst.

Ob sich die großen Themen ändern werden oder ob diese überall gleich sind auf der Welt? Wer weis!

Auch die ganz persönlichen Antworten sind sehr interessant: Wofür hast Du Angst? Häufige Antwort: Alleine sein, Einsamkeit.
Ich finde, da steckt schon viel dahinter und es ließe sich schon eine Aufforderung, eine Aufgabe formulieren.

Vielleicht kann ich an diesem ein Beispiel aufzeigen, worum es bei 7-CONTINENTS geht.

Auch wenn einige Kritiker sagen, für die Antwort muss ich nicht reisen. Ist das wirklich so? Welches sind dann all die anderen Aufgabe und Antworten der Jugend auf dieser Erde, wenn diese doch schon alles bekannt sind?
In meinen Augen kann dies niemand wissen. Wir können es vielleicht in unserem deutschen, vielleicht europäischen Kulturkreis erahnen.

Ich spekuliere, das in anderen Kulturkreisen die antworten vollkommen anders gewichtet sein werden. Ausgerichtet an den Problemen jener Gesellschaften. Da wird vielleicht der Klimawandel kein Thema sein, weil es dort nicht wahrnehmbar ist.

Einen Impuls habe ich z. B. bekommen, eine junge Frau, die mir aus einem anderen Kulturkreis schrieb: Sex vor der Ehe. Für uns vollkommen normal. In anderen Kulturkreisen wäre es die Verbannung aus der Familie.

Ich lasse mich von den Antworten der jungen Menschen überraschen. Und ich lade dazu ein - uns - dem Projekt 7-CONTINENTS mit Offenheit und Neugierde zu folgen.

Mein kurzes Resümee zu Ungarn
Welche Eindrücke bleiben von diesem Land bei mir hängen.
Es ist hochmodern und seht uns in Deutschland in kaum etwas hinterher. Vieles ist sehr ähnlich.
Die Infrastruktur, insbesondere die Straßen, sind doch deutlich schlechter. Die Internetabdeckung vergleichbar.

Von den negativen, politisch ausgerichteten Meldungen, welche in unseren Medien propagiert werden, habe ich nichts mit bekommen. Ich habe auch gefühlt keinerlei Einschränkungen im öffentlichen Leben wahrgenommen.

Ich fühlte mich überall im Land vollkommen sicher.

Die größeren Städte sind sehr industriell und beschäftigt. Auch auf dem Land habe ich keine Armut gesehen. Schöne, grüne Ortschaften. Sicherlich einfacher als bei uns, aber schön!

Touristisch steckt das Land in den Anfängen. Hier ist noch viel Potenzial. Aber auch das hat Charme, sofern eine gewisse Kompromissbereitschaft vorhanden ist.

Sehr positiv finde ich, das man fast jeden Waldweg, Flusspfad auch mit dem Auto frei benutzen darf. Keine misstrauischen oder bösen Blicke, wenn wir irgendwo im Wald oder auf freier Wiese über Nacht standen. Eher im Gegenteil. Es wurde auch per Handzeichen gegrüßt.

Mit unserer deutschen Sprache sind wir weiter gekommen als mit englisch. Die Sprache Deutsch ist weit verbreitet und ich hatte den Eindruck, das wir als Deutsche ein positives Image haben. Ich finde das diese Verbindung auch in unseren Medien - egal ob zu den Tschechen, den Slowaken oder jetzt den Ungarn - wesentlich mehr thematisiert werden dürfte.

 

Grenzübertritt nach Serbien - einer EU-Außengrenze.

Im Internet stand, das die Ausreise durchaus mehrere Stunden dauern kann.
Daher haben wir uns entschlossen zwar getrennt - also Norman alleine und Theo und ich zusammen im Camper - aber zur gleichen Zeit über die Grenze zu gehen, bzw. zu fahren.

Der erste Stau wartete auf der Ausreisekontrolle der Ungarn. Es gab zwei
Spuren, welche voll waren. Die Gegenspur war für die Einreisenden. Doch die Ungeduld vieler Autofahrer 'zwang' diese dazu uns links zu überholen und sich vorzudrängen. Es ist doch eine interessante menschliche Eigenschaft. Einer fängt an sich im Gegenverkehr vorzudrängen und viele fahren hinterher. Folge: Stillstand. Die Einreisenden können nicht mehr einreisen, weil die Spur jetzt durch Falschfahrer blockiert ist und die Falschfahrer kommen auch nicht mehr weiter. Patt!

Die ungarische Polizei war schnell mit mehreren Streifenwagen zur Stelle und zog alle auf eine seitliche Wiese raus. Sichtlich frustriert mit verschränkten Armen standen die Leute jetzt neben ihren Autos. Und obwohl nun die Polizei mit rot-blau Licht dort stand, kamen immer wieder neue Drängler dazu.

Gut 30 Minuten dauerte es, bis wir dann an der Ausreisekontrolle waren. Es wurden unsere Daten geprüft, ob wir noch irgendwelche Schulden im Land haben. Nein. Dann ging es weiter.

Etwa 500 Meter weiter kam der Grenzzaun der EU-Außengrenze. Dann die Einreisekontrolle nach Serbien. Die Wartezeit war kurz. Es wurden nur die Ausweise kurz in den Scanner gelegt, dann durften wir weiter fahren.
Theo bekam seinen Stempel in den Pass - weil es ihm wichtig war. Ich reiste nur mit Personalausweis ein. Insgesamt ging es doch recht schnell, geordnet und zügig vonstatten.

Erste Eindrücke aus Sobotica / Serbien

Serbien empfängt uns auf den ersten zehn Kilometern ländlich. Auch der erste Pferdekarren war zu entdecken. Aber es war der einzige heute. Die Anzahl der 'dicken' Autos wird deutlich geringer, vor allem auf dem Land. Hier fahren meist die alten Klapperkisten, die bei uns nicht mehr fahren dürfen.

Wir brauchen SIM Karten für unsere Smartphones, da wir kein EU Roaming mehr haben. Wir werden gleich bei unserer Mittagspause in einem kleinen Ort von einem jungen Mann auf Deutsch angesprochen und ich nutze die Chance ihn über wichtige Dinge zu fragen, die wir wissen wollen und müssen. Alles weiß er nicht, da er keinen Führerschein hat. Er ist wohl als Jugendlicher drei Jahre in Bremen aufgewachsen und hat dort ein recht gutes Deutsch gelernt.

Wir erfahren, das es die drei Mobilfunk Anbieter Telenor, MTS und VIP gibt. Letzterer soll der Beste sein. Dafür müssen wir in die Innenstadt der nächsten Stadt Subotica. Die Fahrwege sind kurz und es überraschend einfach dort hineinzukommen. Die Innenstadt ist sehr gepflegt und grün.

Norman haben wir kurz vor der Stadt wieder eingesammelt, da wir unbedingt ein paar Dinge zu Dritt erledigen müssen. Theo fährt wegen des Grenzüberganges heute mit im AUto.
Es wird vieles in Bargeld bezahlt, haben wir erfahren. Kartenzahlung gibt es nur in großen Geschäften.
Wir stehen auf einem schattigen Parkplatz. Die Schilder können wir nicht lesen. Es ist fast alles in Kyrillisch.

Hinter mir hält ein SUV an und ruft mich zu sich. Ich gehe hin und der Mann erklärt mir auf Deutsch das dies gebührenpflichtige Parkplätze sind, die per SMS bezahlt werden. Das geht aber nur mit einer serbischen Nummer. Die haben wir noch nicht.

Also laufe ich zu einem kleinem Kiosk und frage "deutsch" oder "english"? Die Frau spricht fließend englisch und stellt mir ein manuelles Ticket für eine Stunde aus. Etwa 40 serbische Dinar. Das wird durch etwa 100 geteilt, dann hat man den Eurobetrag. Also etwa 40 Cent kostet die Parkgebühr.

Am Geldautomaten der serbischen Sparkasse heben wir Geld ab.
Dann geht es in die Fußgängerzone. Großzügig gebaut und sehr ansprechend.

Im VIP Telefonshop kommen wir nach etwa 10 Minuten Wartezeit dran. Auch hier wird hervorragendes Englisch gesprochen. Wir bekommen eine Touristenkarte. Diese hat nur Datenvolumen, ist 14 Tage gültig und kostet etwa 10 € für 30 GB Datenvolumen. Soziale Medien aller Art sind kostenfrei und belasten nicht das Datenvolumen. Zum Vergleich. Mein Vodaphone Tarif kostet 5€ je GB. Hier kostet der GB etwa 30 Cent.

In der Stadt selbst gibt es kostenfreies City WLAN für Alle in hervorragender Qualität.

Die Telefonkarte wird durch die Eingabe im Kassensystem sofort aktiviert. Wir müssen die SIM Karte nur ins Smartphone stecken und es läuft. Vollkommen simple. Es kommt noch eine SMS, das es nun geht.

Wieder einmal wird mir eindrucksvoll gezeigt wie weit wir in Deutschland mit der Digitalisierung hinten dran hängen. Es wird Zeit, das dies auch in der Politik endlich einmal wahrgenommen wird, wenn wir unseren Status als angeblich moderne Industrienation behalten wollen. Im Bereich Digitalisierung sind wir bereits jetzt Schlusslicht in Europa und werden immer weiter abgehängt. Es ist ein extrem wichtiger Teil der Infrastruktur. Wir werden mittelfristig die Konsequenzen dafür tragen müssen. Aber vielleicht soll das ja auch so sein.

Anschließend gehen wir einen Kaffee trinken in einem schönen Café ein paar Meter weiter.

Wir bekommen guten Cappuccino und einen 'Latte', Norman und Theo essen einen Käsekuchen und ich einen Tiramisu. Ja der Käsekuchen sieht hier anders aus.
Preise. Kaffee: 1,10 €, der Kuchen 2,60 €. Gesprochen wird fließend englisch.

Der erste Tag in meinem Leben in Serbien hat mich beeindruckt. Wir wurden mehrfach freundlich angesprochen und es wurde ungefragt geholfen. Das ist sehr aufmerksam. Viele Menschen Grüßen uns im Vorbeifahren.

Ich freue mich auf mehr.

Das waren die Tage 27 und 28 unserer Reise

 


Tag 26. Die Veränderungen im Team machen sich deutlich bemerktbar.

 

Theo, Norman und Ich

Unser neuer Teilnehmer Theo hat hier ganz schön Bewegung in unsere kleine Gruppe gebracht, wodurch der bisher gut eingespielte Rhythmus zwischen Norman und mir aus meiner Sicht weitgehend zerbrochen ist. Daran habe ich natürlich auch meinen Anteil, das weiß ich. Es sind überwiegend Wertekonflikte und soziale Erwartungen innerhalb des Teams, welche ich habe.
Das, was ich im Folgenden schreibe, ist daher meine persönliche Wahrnehmung!

Was hat sich verändert: Theo spielt oft den Clown. Für mich teilweise übertrieben und künstlich. Es ist manchmal bereichernd, manchmal nimmt es die Essenz. Bei den Schülern und Jugendlichen kommt das natürlich Klasse an. Es ist eine Maske, welche die Ernsthaftigkeit nimmt. Vielleicht ist es der innere Anteil des Kindes, den es sich auch für mich lohnt ab und zu mal raus zu holen. Mit dem ich mich schwer tue und vielleicht aus deshalb angetriggert werden. Es ist meist der Spiegel dann man vorgehalten bekommt.
Manchmal ist es aber auch eine vordergründige Maske um das Essenzielle, das Dahinterliegende zu überdecken.
Theo macht sein Ding und verfolgt seine Interessen, welche er mal klar, mal weniger klar zum Ausdruck bringt. Manchmal verstehe ich nicht, was er möchte und reagiere dann auch nicht.

Norman und Theo sind jetzt tagsüber zusammen unterwegs. Das war soweit geplant und mir auch klar das dies Veränderungen mit sich bringen würde. Norman steigt gerade etwas auf die Blödeleien mit Theo ein, er „paced“ sozusagen, wie es ein Coach machen würde. Ich kann damit nur schwer umgehen zwei – ich sag mal - „Blödels“ um mich herum zuhaben. Das ist nicht mein Stil und nicht die Kreise in denen ich aufhalten möchte.
Ich bekomme die viele, positive Energie, welche die beiden aus Ihren spontanen Schulbesuchen tagsüber mitbringen zwar ab, aber ich kann sie nicht teilen und werde davon eher überrollt. Ich war bei den Begegnungen nicht dabei und habe dazu weder Gesichter noch Eindrücke. Mal schauen was ich daraus lernen und für mich mitnehmen kann.

Das Team Norman / Theo würde ich für das vorankommen des Projektes 7c - Jugendlichen eine Stimme zu geben - als ideal bezeichnen. Theo ist hochkommunikativ und hat keine Hemmungen in den Schulen, Norman ist der seriöse Teil für die Kommunikation zu den Lehrern und der Schulleitung.
Alleine gestern waren die beiden in vier Schulen. Alles spontan und wider allen deutsch geprägten Erfahrungen wurden sie spontan mit offenen Armen empfangen und kleinen Geschenken usw. überhäuft.

Einen Zeitplan für die Laufstrecke, Ort für Mittagspause oder Zeitpunkte - Den gibt es jetzt nicht mehr.
Und das macht die Sache für mich aktuell sehr schwierig und auch etwas frustrierend.
Stundenlang stehe ich am vereinbarten Ort der Mittagspause und warte. Leider weiß ich weder wo die Beiden sind, was sie machen und wann oder ob sie kommen.
Nachdem der Zeitraum für die Mittagspause weit überschritten ist, fahre ich 15 km zurück in einer andere Ortschaft und stelle mich auf einen Lidl Parkplatz, teile meinen Standort in unsere Whatsappgruppe. Aber auch da stehe ich doch fast eine Stunde, bis eine Antwort von den Beiden kommt.
Ich habe dies mehrfach zur Sprache gebracht und hoffe, das sich dies jetzt deutlich bessert. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin stundenlang auf Parkplätzen zu stehen, sondern ich möchte das Land zu entdecken. Aus meiner Perspektive darüber schreiben und fotografieren. Daher habe ich alternativ Bauarbeiter und LKW auf der Straße fotografiert und am Auto gebastelt.
Ich habe die Verwendung einer GPS-Tracker-App angeregt und hoffe, das dies ein wenig hilft

Was in den letzten Tagen verloren gegangen ist, sind die intensiven, reflektierenden Gespräche mit Norman. Das ist aus meiner Sicht schade. Es findet sich in dieser Konstellation bisher kein Raum dafür. Ich denke das der intensive Kontakt zwischen den Beiden für Norman und das Projekt sehr bereichernd ist, da Theo die Zielgruppe und die Schnittstelle sowohl als echte Person als auch als virtuelle Persona eines Jugend-Botschafters sehr gut abbildet. Ich bin nun weitgehend außen vor und bekomme von der täglichen, innernen Weiterentwicklung des Projektes kaum etwa mit. Auch das ist für mich schwerzunehmen, auch wenn es absehbar war. Ich halte es aktuell aber auch für falsch, das ich nachträglich mit dem Bus noch die Schulen anfahre. Die neuen, praktischen Impulse die Theo in den Lauf bringt, sind sehr positiv. Es muss jetzt nur noch im Außen, also bei den Lesern und Followern ankommen.

Theo sitzt fast jede freie Sekunde am Laptop oder Tablet und sieht die gemeinsame Arbeit, welche wir in der Gruppe morgens und abends zu erledigen haben, in meinen Augen kaum. Der Automatismus, das jeder schaut, was es gerade für die Gemeinschaft zu tun gibt - Essen, Müll, abwaschen, aufräumen, Wäsche trocknen usw - und dies dann auch sofort und selbstständig macht, ist aktuell nicht vorhanden.

Zuerst die Gemeinschaft, dann die eigenen Interessen. Ich finde, dies ist eine gute ungeschriebene Regel. Aber es reicht, wenn einer sie nicht kennt oder keine Notwenigkeit im Handeln sieht. War ich anders in dem Alter? Ich glaube nicht. Wir haben in unserer WG damals auch nur 1x die Woche abgewaschen.

Gebrauchtes Geschirr und Lebensmittel bleiben stehen, wo sie gerade verwendet wurden und stehen dann mir oder Norman im weg. Wenn es uns stört, müssen wir sie halt selbst wegräumen.
Ich komme mir aktuell vor wie ein Dienstmädchen, das alles hinterher räumen soll.

Der Platz direkt vor dem Camper ist meist eng. Dennoch ist es natürlich bequem die Taschen usw. gerade da hinzustellen, wo der einzig freie Laufweg ist oder sich mit dem Hocker genau vor die Schiebetür zu setzen. Dann müssen man eben die Anderen immer mit großen Schritten drüber steigen. Mich zumindest stört das sehr.

Es sind diese Kleinigkeiten die mich stören. Das Fahrrad macht er zwar selbst von Träger, aber die Schnallen werden nicht wieder befestigt. Auch da muss ich „hinterputzen“. Sonst sind die weg. Den Ärger und die Arbeit damit hätte dann ich.

Unser Stellplatz für die Nacht zählte sicher zu den Schönsten bisher. Auch, wenn dort kein See war. Ein mehrere Quadratkilometer großes Gebiet aus Flusssanden erstreckt sich in dieser Region. Es gibt viele Kiefern und Fichten und es wird Wein und andere Pflanzen angebaut.

Ich habe eine tolle Wiese mit im Waldgebiet entdeckt, ein bisschen Offroad, und einen Stellplatz im Schatten einer Kiefer gefunden. Es ist sommerlich warm, ein leichter Wind geht. Eine interessante Pflanze wächst hier massenhaft, welche ihre "Federn" im Wind wogenartig bewegt. Es müsste das "Grauscheidige Federgras" sein das im Sonnenlicht einfach elegant aussieht.

Nacht gab es einen sternenklaren Himmel und die Milchstraße war deutlich zu sehen. In großer Entfernung erhellten Wetterleuchten in kurzen Abständen den Himmel. Es war mir aber zu kalt und ich war zu müde um die Kamera raus zu holen. Im Nachhinein schade. Aber im Kopf habe ich die kurzen Eindrücke während der nächtlichen Unterbrechung abgespeichert.

Tagsüber hatte ich aus einer kleinen Tauchpumpe vom Waschbecken, das wir eh nicht nutzen und allerlei Kleinteilen eine mobile Dusche gebaut. Betrieben wird sie mit der Ersatz-Starterbatterie. 10 Liter Wasser passen da rein. Das reicht für 2,5 Personen zum kurzen Abspülen nach einen heißen Tag in Staub und Schweiß.

 

Das war Tag 26.


Tag 24 und 25 unserer Tour - Von Budapest nach Akastztó mit Übernachtung am Donauufer

Wir brachen am 4. Juni erst gegen Mittag in Budapest auf. Da weder Theo noch Norman mitten durch die Innenstadt laufen bzw. radeln wollten, umfuhr ich diese an einen geeigneten Platz an der Laufstrecke.
Für die 18 Kilometer Umfahrung brauchten wir gute 45 Minuten.

Auf einen staubigen, kleinen Sandplatz mit mächtig viel LKW Verkehr setzte ich die beiden ab.

Unsere Lebensmittelvorräte waren ziemlich aufgebraucht und das Auto ist nach dem Neuzugang in unserem Team auch noch nicht gut durch sortiert.

Oli hatte ja seinen eigenen PKW, der jetzt weg ist. Jetzt sind wir im Bus zu Dritt. Das ist ganz schön kuschelig und vieles muss neu sortiert werden. Wir brauchen mehr Platz für Lebensmittelvorräte und Theo seine Ausrüstung.

Es kommt natürlich auch ein neuer Charakter neu hinzu. Wir müssen uns erst einmal einschleifen und ich für mich meinen Rhythmus anpassen. Nicht das Ego soll dominieren, sondern das Lernen vom anderen.

Was kann ICH daraus lernen, wenn mich der andere an triggert. In Theo sehe ich viele Dinge, wie ich auch in dem Alter war. Dinge die damals andere ältere gestört haben und die heute mich stören. Nur ich möchte anders reagieren, auch wenn es nicht immer leicht ist.

Norman und ich hatten doch schon einen ziemlich genauen Rhythmus mit aufstehen, wegfahren, automatischer Aufgabenverteilung und wann er anfängt zu laufen.
Theo bringt da Bewegung rein.

Auf der einen Seite lasse ich mit meiner vielen Reiseerfahrungen viele Probleme erst gar nicht aufkommen, da ich im Hintergrund dafür sorge, das sie gar nicht entstehen.

Das ist der Vorteil der Erfahrung und da bin ich hier auch genau richtig. Auf der anderen Seite heißt Erfahrung auch eingefahren zu sein und manchmal verfolge ich nur meine "alten" Lösungen ohne kreativ werden zu müssen. Und diese Kreativität bringt unser Student mit.

Die neuen Impulse, die er im Bereich der Kommunikation mit der jugendlichen Zielgruppe setzt, sind erheblich und bringt Norman und mir auch neue Erkenntnisse. Aus meinen Augen die Erkenntnis, dass wir für die direkte, spontane Kommunikation ohne vorherige Ankündigung über z. B. eine Schule häufig einfach zu alt.

Mit über 40 bzw. über 50 in meinem Fall, sind wir nicht die Generation, der sich ein Teenager vertrauensvoll sofort öffnet. Vermutlich überwiegt das Misstrauen und "was will der denn von mir ". Wir könnten vom alter her deren Väter sein und genau das triggern wir vermutlich auch an.

Meine Erkenntnis daraus ist, das an sich immer ein junger Mensch mit Norman laufen, radeln müsste, der zum einen die Sprachbarriere überwindet als auch die Respektschwelle und das Misstrauen.

 

Diese spontane Begegnung fand am Platz unserer Mittagspause statt. In der Ortschaft Szigetszentmarton stand ich einige Zeit am Badesteg und es kamen ein paar Jugendliche an. Diese zeigten Interesse und ich fragte sie, ob sie deutsch oder englisch sprechen. Aber sie trauten sich nicht.

Später kamen Theo und Norman dazu und wir machten Mittag. Norman verließ uns und Theo blieb noch. Die Jugendlichen kamen und gehen und hatten offensichtlich Interesse.

Theo versuchte es direkt, aber es klappte noch immer nicht. Dann kam eine ältere Frau vorbei, die uns in gebrochenem Deutsch ansprach und Theo hatte den richtigen Impuls zu spekulieren, ob sie der Kinder Lehrerin sei. Das war ein Treffer. So kamen wir ins Gespräch. Die Lehrerin - übersetzt Frau Wolf - holte die Kinder und Theo begann die Kommunikation. Mit seiner sehr lockeren Art war er auf Augenhöhe und mit Google Translater und ein paar Worten Deutsch klappte es.

Die Lehrerin erzählte das alle Schüler in Ungarn deutsch als erste Fremdsprache lernen. Aber es ist wie bei uns. Nur wenige haben eine Begeisterung dafür und trauen sich dann auch fremden Deutschen wie uns zu antworten.

Das Ungarn, welches ich hier erlebe, ist top modern. Es ist das Land auf dieser Reise, welches an unserem Lebensstandard am nächsten dran ist. Ein alter LKW wie auf dem Bild unten ist die absolute Ausnahme.

Viele große Ketten sind auch hier stark vertreten. Lidl, Spar, Aldi weniger, Bauhaus, Obi u. v. a.

Unsere letzte Übernachtung an der Donau war schwer zu finden, die heutige leicht. An einem Altarm der Donau, nur wenige hundert Meter neben einer lauten Nationalstraße. Aufgrund der schlechten Qualität der Straßen ist das scheppern und klappern der vielen LKW nervig. Wir stehen versteckt zwischen Bäumen und Gebüschen. Das Wasser des Gewässers ist so schmutzig, das zahlreiche tote Kleinfische im Gebüsch liegen.

Auch die Schnaken nehmen gerade kräftig zu, da das Hochwasser zurückgeht und Pfützen stehen bleiben, in denen sich die Larven prächtig entwickeln. Gerade abends ist es teil heftig und das Auto voll mit zahlreichen Moskitos. Wir schalten dann im Bus alle Beleuchtung ab und hängen vor das Auto eine Taschenlampe. Dann scheuchen wir die Moskitos im Auto auf und sie fliegen fast alle raus.

Die Technik kenne ich von anderen Reisen und die funktioniert ganz gut ohne Chemie. Allerdings müssen wir selbst schon einreiben.

Es wird langsam sommerlich. Hitze und Hitzegewitter hatten wir schon und die ersten Wespen oder Hornissen sind im Camper gewesen. Das Tier auf dem Foto unten war bestimmt 2 cm groß.

An der Donau habe ich einzelne Männer - offenbar Beobachter - gesehen, die nach herabtreibenden Leichen des Bootsunglückes Ausschau halten. Ich hatte einen angesprochen, doch der verstand mich nicht.

Das war Tag 24 und 25 unseer Reise.

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