7. Etappe 7 CONTINENTS von Belgrad nach Sofia


Tag 42 - Sofia, die Hauptstadt Bulgariens

 

 

 

Sofia

Unser erster Tag in Bulgarien führt uns auch direkt in die Nähe der Hauptstadt Sofia. Hier haben wir unseren ersten wirklich freien Tag auf der gesamten Tour, denn wir haben keine Termine. Die Schulen haben bereits Sommerferien und die Anfrage für eine Vorstellung bei der deutschen Botschaft wurde wegen einer Feier des Goethe-Institutes abgelehnt.

Normalerweise gehen wir auf einen Campingplatz in der Stadt. Allerdings hat Sofia nur einen Campingplatz und dieser wird SO schlecht bewertet, da wir diesen nicht nutzen wollen. Wer mag, kann ja mal bei google die Bewertungen durchschauen. Es ist wirklich unterhaltsam.
Der Platz heißt Camping Vrana.
Hier ein Auszug der Google Rezensionen „(Übersetzt von Google) Schlechtes sagen heißt, ihn zu preisen. Voller Zigeuner, Prostituierter am Eingang und ein Gefühl der Gefahr, das Sie ständig begleitet. Im August war noch nicht einmal ein Camper bei unserer Ankunft.„

Wir entschließen uns auf einen Platz etwa 30 Kilometer außerhalb von Sofia zu fahren, welcher gute Bewertungen hat. Es ist ein kleiner, privater Platz bei „Romcha“ am Ufer den Flüsschens „Iskar“. Er heißt Camping "Ribkata".
Eine schöne grüne Wiese empfängt uns. Alles ist zwar sehr, sehr einfach gemacht, aber durchaus mit Liebe des älteren Eigentümers.
Man sollte die Erwartungen nicht zu hoch stecken, aber das kostenfreie WLAN funktioniert sehr gut. Das ist schon einmal wichtig. Dusche, Waschbecken und Toiletten sind 1 Raum und irgendwie ist alles mit Artikeln vom Flohmarkt zusammen gebastelt. Der Boden ist gefliest und das Wasser fließt links und rechts von der Bodenplattform und versickert wohl im Boden. Die dünnen Wände aus Nut und Feder sind nur wenige Millimeter dick und trennen die zwei Räume voneinander. Dort wo einmal eine Schraube drin war, kann man eben zum anderen rübergucken.

Aber es im ständig durch gewischt, jedes Mal wenn einer der meist nicht mehr als 5 Gäste drauf war. Die Eigentümer arbeiten in Ihrem Garten oder sitzen auf der Terrasse. Eine Waschmaschine gibt es leider nicht und mit der Handwäsche werden unseren teilweise optisch verdreckten Klamotten nicht richtig sauber. Zumindest riechen sie kurzzeitig etwas besser.

Diefür etwa 10 Euro die der Platz pro Nacht und Person kostet sind hier viel Geld und ich denke das die nur von dem Platz leben können.
Das Durchschnittseinkommen in Bulgarien liegt laut Internet bei 500 Euro/Monat. Die Preise sind nach meiner Beobachtung etwa die Hälfte der unseren in Deutschland. Ergo gibt es sehr viel Armut. Alles ist sehr, sehr einfach.

Ich nutze den Vormittag des freien Tages, um am Auto zu schrauben und suche die Ursache des ständigen dumpfen schlagens vorne rechts am Wagen, wenn es über die holprigen Straßen geht. Ich finde ein etwas ausgeschlagenes Gummilager. Baue es aus und umwickele bzw. stopfe es mit einem Stück von einem Fahrradschlauch, in der Hoffnung das es besser wird. Etwas anderes finde ich nicht. Ich kontrolliere alle Lager und ziehe alle Schrauben am Fahrwerk nach. Alles ist fest. Einzig das rechte Radlager hat ein klein bisschen Spiel. Aber marginal.
Um es vorweg zu nehmen. Es wurde besser, ist aber vor allem in Linkskurven nicht weg.


Im Stadtbereich scheint deutlich mehr Wohlstand zu herrschen. Baumärkte wie Bauhaus und Praktiker, Lidl und DM-Markt sind überall und die Preise hier unterscheiden sich nur wenig von den unseren. Und die Geschäfte sind voll mit Menschen. Große moderne Autos, SUV's und gehobene Mittelklasse und auch einiges an Mercedes Limousinen fährt auf den Straßen.

Die Schere zwischen arm und reich scheint weit offen zu sein.

Per Bahn fahren wir zum Zentralbahnhof. Die Lok dürfte sicher schon Ihre 50 Jahre auf dem Buckel haben und die Waggons sehen denen der Deutschen Bundesbahn aus 1970 /80er Jahren sehr ähnlich. Mit extrem schrill quitscenden Bremsen hält der Zug n dem beschaulichen Bahnhaof an.

Fahrkarten gibt es beim sehr ungepflegten Schaffner im Zug, welcher Norman und mir sehr unmotiviert zwei Tickets ausstellt. Theo hält ihm irgendeinen deutschen Studentenausweis unter die Nase, mit dem er sicher wenig anfangen kann. Aber irgendwie scheint es zu wirken und er bekommt eine kostenfreie Karte ausgestellt. Nun ja, unsere Karte kostet auch nur 1,20€. Für die Rückfahrt haben wir von einem anderen Schaffner die Karte bis 20 km ausgestellt bekommen und nur 70 Cent bezahlt.
Die Währung ist der „Lew“. Euro zu Lew ist etwa 1:2

Die Hauptstadt Sofia empfängt uns unspektakulär. Auch das ÖPNV ist einfach. Die Metro-Tageskarte kostet 2 €. Teilweise sind die Bahnhöfe super modern und gepflegt, teilweise 50 Jahre zurück.
Es gibt viele kleiner Informationshäuschen, in denen ein Mensch sitzt und uns mehr als einmal behilflich ist, uns in einer Sprache zurechtzufinden, von der wir nicht einmal die Buchstaben verstehen.
Die Leute brauchen zwar immer ein paar Sekunden oder Minuten bis sie lächeln und uns zugewandt sind, aber dann helfen sie uns doch immer.

Es ist Samstagnachmittag. Die Straßen sind leer, die Bahnhofe sind leer, die Gehwege sind leer. Es ist ruhig hier in der Innenstadt von Sofia. Es ist die Stadt der Prostitution. Es gibt sogar extra einen offiziellen Sex-Führer für Touristen, damit diese sich zurechtfinden. Übrigens nicht nur für Männer, auch für Frauen. Und es ist auch auf den Straßen zu sehen, wenn die übertrieben sexy aufgestylten, durchaus sehr attraktiven Escortdamen einen gepflegten, offensichtlich westeuropäische Herren begleiten.

Einige wenige Touristen laufen durch die Stadt. Wir gehen erst einmal essen und Theo sucht das Restaurant mit den besten Bewertungen raus. Es ist ein echtes Touristenlokal, sehr schön traditionell hergerichtet und mit mitteleuropäischen Preisen. Bis auf ein einheimischen Paar sehe ich nur ausländische Gäste, mit denen wir uns auch teilweise kurz unterhalten. Der Reisebus Asiaten kommt auch noch hinein. Das Wohl am meisten gesprochene Wort welches ich vom freundlichen und traditionell gekleideten Personal höre ist“downstairs left“. Ratet mal....

Nach dem leckeren Essen mit Rakia, warmem Wein und normalem Wein, Schaschlik, Lamm, einer gemischten Fleisch-Platte und leckerem bulgarischen Joghurt, gehen wir leicht angesäuselt in die Stadt.
Die Stadt hat so gar kein Flair, keine Energie. Wir haben nicht mal Lust zu fotografieren. Das lauteste sind die Autos, welche über die Kopfsteinpflaster Straßen fahren.

Wir laufen zu einem der wenigen Highlight – der Alexander-Newski-Kathedrale - und machen unsere Fotos, schlendern langsam zurück und setzen uns noch in ein Straßencafé. Wir beschließen zum Zentralbahnhof per Metro zurückzufahren.

Theo verlässt uns nun. Er wird sich auf seine ÖPNV Odyssee in Richtung Flughafenhotel begeben, da sein Rückflug nach Hause morgen schon zeitig abfliegt. Er wird Stunden dafür brauchen, wie er uns später schreibt.

Wir fahren nun mit einem hochmodern Nahverkehrszug zurück nach Romcha. Irgendwo müssen wir raus. Der Zug steht, aber wir sehen keinen Bahnsteig. Nun ja, es gibt ja auch keinen – wir sind eben verwöhnt. Der Zug fährt auf einer anderen Bahnstrecke zurück, welche nicht durch den Mini Bahnhof von Romcho führt. Eine Frau erkennt unsere Hilflosigkeit – es ist bereits dunkel und wir wissen ja nicht, das wir ja gerade aussteigen müssen. Auch wenn die Uhrzeit und die google maps GPS Position stimmen.

Wir steigen in stockdunkler nach auf den geschotterten Seitenstreifen des Gleises aus und laufen zwei anderen jungen Leuten einfach mal hinterher. Als wir losfuhren war hier doch noch ein kleiner Bahnsteig? Wir sind verunsichert!
Trotz googlemaps laufen wir erst einmal in vollkommener Dunkelheit in die falsche Richtung. Die beiden jungen Leute sagen uns dann wie es weiter geht.
Irgendwann sind wir wieder am Camp.

Die Wasserqualität des Flusses hat sich noch nicht gebessert und der kloakenartige Geruch des Flusses füllt immer wieder die Nase. So etwas kennen wir bei uns gar nicht mehr. Auch in Serbien waren fast alle Flüsse vollkommen verdreckt, hier ebenfalls.
Umweltschutz hätte hier offensichtlich vollkommen andere Prioritäten als bei uns. Wir reden darüber. Umweltschutz muss man sich leisten können. Ich glaube die meisten Menschen hier im ländlichen Bulgarien haben existenziellere Probleme, als sich über Umweltschutz Gedanken zu machen.
Wobei ich sagen muss, das bisher eher weniger Unrat und Schutt herumliegt. Es ist zwar vieles am Verkommen und am Zerfallen, aber es liegt relativ wenig Alltagsmüll an den Straßenrändern und Parkplätzen.

Wir sind nun nur noch - oder wieder  - zu Zweit. Morgen geht es auf die letzte Teiletappe bis Istanbul. Wir haben ein zweisprachiges Empfehlungsschreiben der deutschen Botschaft in Istanbul bekommen. Auch hat uns an den anderen Botschaften, an denen wir gefragt hatten, niemand davon abgeraten mit dem Thema von  7CONTINENTS die Türkei zu bereisen.

 

Ende der Teiletappe nach Sophia und dieses Tages.

 

 


Tag 40 und 41 - Abschied von Serbien und Willkommen in Bulgarien

Inhalt:

 

  • Offroad Abenteuer an der Talsperre
  • Reparaturen am Camper
  • Grenzübergang nach Bulgarien

Heute habe ich einen freien Tag – sozusagen.
Was war passiert. Das Hotel, welches wir für die Übernachtung anvisiert hatten, gab es nicht mehr. Auch alle anderen Hotels in der Region, die wir googelten, waren alle geschlossen.

Außerdem waren die Bordbatterien im Wohnmobil fast leer. Warum das? Ich fahre täglich nur 50 km und die Sonne schien gestern und heute kaum. Parallel läuft der Kühlschrank und an allen sechs USB Ladestationen wird ständig Elektronik geladen. Das sind etwa 10 Amper pro Stunde die dort gezogen werden.
Wir brauchen Landstrom, und zwar für mindestens 15 Stunden. Also muss eine Campingplatz her. Den gibt es weit und breit nicht. Alle in den Apps genannten Campsites haben geschlossen – dauerhaft. Wie geschrieben fanden wir auch keine Hotels. Alles zu. Das nächste Hotel ist 40 Kilometer entfernt. Eine Tagesetappe.
Daher blieben wir in diesem in Hotel in Pirot zwei Tage. Ich fuhr also Norman morgens die 40 Kilometer zurück und seine Tagesetappe endete wieder am Hotel.

An meinem freien Tag wollte ich im nahen Nationalpark eine Talsperre besuchen. Der Tag sollte ein Abenteuer werden.
Es gibt in der Karte eine westliche Zugangsstraße und eine südliche. Ich entschied mich anfangs für die westliche. Die Leistungsschwäche meines Campers an den langen Steigungen macht sich stark bemerkbar. Ich bin nur langsam unterwegs und ziehe eine deutliche schwarze Rußfahne hinter mir her. Das fällt hier eigentlich nicht auf. Jedes zweite Auto zieht eine Fahne hinter sich her.

Die Straße wird immer enger und abenteuerlicher. Ich komme an einer Mini-Mühle vorbei und mache einige Bilder. Die Straße führt bald durch eine Schlucht. Links ein Fluss zehn Meter unter mir, rechts geht es senkrecht oder überhängend hinauf. Überall liegen Steine von Steinschlägen auf der Straße. Links ist der Asphalt der Straße weggebrochen und teilweise unterspült. Ich fahre etwa 12 km auf dieser schmalen Straße, bis die Abzweigung zum Stausee nach rechts kommt. Es geht vollkommen ins Gelände. Kein Asphalt mehr, sondern grober Flusskies als Belag. Lose! Hier komme ich nicht weiter und auch diese geradeaus weiter führende Straße geht nun über Zehner Kilometer hoch ins Gebirge, aber nicht zum See. Ich beschließe umzudrehen und die andere Zufahrt zu wählen.
Nach etwa 30 Minuten bin ich dort, über lange Steigungen quält sich mein Bulli in das nächste Tal. Gewitter ziehen auf und hängen in den Bergen.

Ich fahre zuerst bis zur Staumauer vor. Hier wäre der Weg rausgekommen, den ich zuerst fahren wollte.
Ich drehe um. Es gibt laut google eine Straße die am See lang führt und dann wieder in die Ortschaft zurückführt.
Das viele Wege hier geschottert sind, kenne ich ja. Daher mache ich mir hier keine Gedanken. Erstmals....

Auf dem See liegen viele, kleine Hausboote. Auf einigen sind auch Menschen. Vermutlich kommen diese mit Booten dahin. Der Zugang zum See ist sehr schwer. Es gibt nur wenige Orte, um mit dem Auto hin zu kommen.

Mein Rundweg am Ufer wird schlechter. Ich bekomme ein ungutes Gefühl, kann aber nirgendwo wenden. Es ist extrem eng hier. Erste Schlammlöcher kommen. Auch sind keine anderen Reifenspuren mehr zu sehen. Noch komme ich gut durch. Doch nicht mehr lange.
Die Schlammlöcher werden tiefer, sie sind mit Wasser gefüllt. Ich sehe nicht, wie tief. Die Spurrillen sind für meinen T4 eigentlich schon zu tief. Nicht nur eigentlich. Ich setzte bereits regelmäßig auf. Es scheppert und kracht unter dem Auto. Nun komme ich nur noch mit Schwung durch. Das Risiko steigt deutlich. Und dann kommt, was kommen musste. Ein Loch ist zu tief und ich setzte komplett auf. Ich habe keine Traktion mehr unter den Reifen und stecke fest.
Zwei Stunden dauert die Aktion um mit Wagenheber, Unterlegblechen und Spaten – der natürlich abbrach – wieder raus zu kommen.
In den Reifen habe ich statt den normalen 3,5 bar nur noch 2 bar Druck, um die Lauffläche zu erhöhen. Es geht weiter. Noch immer keine Wendemöglichkeit.
Dann wird er Weg so schlecht, dass nur noch Traktoren oder ein Unimog weiter käme. Nix geht mehr. Ich muss zurück. Egal wie.

Ich fahre einige Zehner Meter rückwärts und kann in einer Spitzkehre, in der ein kleiner Bach ins Tal fließt, wenden. Aber es ist kritisch. Ich mache den Fahrradträger ab und komme dennoch nicht weit genug herum. Mit dem einen Vorderrad runtsche ich etwas den Hang hinunter und habe mächtig Adrenalin. Ich drücke den T4 hinten an die Felswand. Egal, wenn da was kaputtgeht. Hauptsache nicht abrutschen. Es reicht. Ich komme so weit zurück, das ich mit in der Gegenrichtung eingeschlagenem Rädern Zentimeter auf dem Weg bleibe. Ich bin rum! Puhh...!

Jetzt geht es zurück. In das Schlammloch, in welchem ich vorhin stecken blieb, lege ich mir die beiden Sandbleche unter Wasser in die Spur und komme gut durch. Ich fahre zwar nur im ersten Gang. Aber dennoch schlagen die Reifen immer wieder auf die Felge durch, wenn die Schlammlöcher zu tief und steil sind.
Aber Hauptsache rauskommen, dann geht es weiter.

Ich habe es geschafft. Zurück auf dem Fahrweg pumpe ich mit dem kleinen 12 Volt Kompressor die Reifen wieder auf und mache einen kurzen Check des Fahrzeuges. Es sieht alles gut aus.


Jetzt geht es zurück. In das Schlammloch, in welchem ich vorhin stecken blieb, lege ich mir die beiden Sandbleche unter Wasser in die Spur und komme gut durch. Ich fahre zwar nur im ersten Gang. Aber dennoch schlagen die Reifen immer wieder auf die Felge durch, wenn die Schlammlöcher zu tief und steil sind.
Aber Hauptsache rauskommen, dann geht es weiter.

Ich habe es geschafft. Zurück auf dem Fahrweg pumpe ich mit dem kleinen 12 Volt Kompressor die Reifen wieder auf und mache einen kurzen Check des Fahrzeuges. Es sieht alles gut aus.

Aus dem Tal des Stausees geht es nun erst wieder auf den Bergrücken hinauf. Der Motor quält sich und ich merke, das etwas nicht stimmt.

Ich halte oben an und lasse den knisternden und offenbar überhitzen Motor abkühlen. Es ist offenbar wieder der Kühlmittel-Temperatur – Sensor, der falsche Daten an das Motorsteuergerät liefert. Ich lese mich im Internet ein. Die Einspritzmengen stimmen nicht und es wird falsch verbrannt.

Ich muss dringend handeln. Zurück am Hotel – es geht fast nur bergab – beschließen wir das Theo und ich am kommenden Morgen den Sensor tauschen. Einige Videos aus dem Netz zur Vorbereitung...

Nach einer angenehmen Nacht und Frühstück beginnen wir mit der Reparatur. Vier Hände können mehr als zwei und innerhalb einer Stunde unter Verlust von etwa 1 Liter Kühlflüssigkeit bekommen wir den Sensor getauscht. An sich einfach, wenn man weis, wie es geht.

Norman ist schon unterwegs. Wir duschen nochmal und fahren dann Richtung Grenze.

Die Ausreise ist sehr schnell und einfach. Kurz Ausweise vorzeigen und nach insgesamt 15 Minuten inklusive warten sind wir durch.

An der Einreisestation wird am Scannergate eine Flüssigkeit auf das Auto gesprüht. Offenbar eine Desinfektion.

Wir fahren an das Stauende der Einreise. Etwa 10 Fahrzeuge stehen vor uns und sehen, dass es aus dem Motorraum etwas dampft. Zuerst denken wir es ist von dem Besprühen, aber ist es nicht. Zu viel Dampf. Es ist ein T-Schlauch Verbinder des Kühlmittelrücklaufes – aus Kunststoff – direkt am Vorratsbehälter gebrochen. Mist. Zwischen den Grenzposten in der Transitzone– Staatenlos im Niemandsland - wie im Film mit Tom Hanks in „The Terminal“

Wir können das Teil glücklicherweise selbst ersetzen. In der mobilen Dusche unseren Camper haben wir ein T-Stück verbaut, das passt. Andere Schlauchschellen und ein wenig schrauben. Die doch mehrere Liter Flüssigkeit, die sich inzwischen schön den Straßen hinunterläuft ersetzen wir durch Wasser aus der Flasche. Genug Kühlmittel noch drin. Die Mischung sollte passen.

Inzwischen ist die Schlange vor der Einreisekontrolle lang und die schwindende Disziplin, lautes Hupen und drängeln entlädt sich auch in emotionalen Attacken von Autofahrern, die sich dann anschreien. Teilweise wird es handgreiflich. Nur, weil sich einer vorgedrängelt hat. Probleme kann man auch im Zweikampf lösen. Das Aggressionspotential einiger Fahrer ist hoch und das ist zu spüren, zu hören und zu sehen.

Nach gut dreißig Minuten weitere Wartezeit sind wir durch. Die Vignette bekommen wir am Automaten direkt nach dem Grenzübertritt. Da wir durch Bulgarien auch zurückreisen werden, kaufe ich gleich eine für einen Monat für 30€.

 

Ende der Tage 40 und 41 - nun aus Bulgarien


Tag 38 und 39 - Besuch der Stadt Nis, Fahrt nach Pirot

Inhalt :

  • Besuch des Konzentrationslagers in Nis
  • Übernachtung und die Fahrt nach Pirot
  • Probleme mit dem Auto

 

 

 

 In der Nähe der Stadt 'Nis'

 

Heute war der erste Tag seit langem, der von den Temperaturen auch tagsüber angenehm war. Es war weitgehend wolkig, gegen Nachmittag zogen Gewitter auf, welche zwar Norman, aber nicht mich trafen. Es wurde nicht wärmer als etwa 25 Grad.

 

Nach einem weiteren versuchten Schulbesuch in der gleichen Stadt vom Vortag, an einer anderen Schule, welcher wieder abgelehnt wurde, holte ich Theo mittags in der Innenstadt ab.

 

Ich hatte mich für die Besichtigung des ehemaligen, deutschen Konzentrationslagers aus dem 2. Weltkrieg in 'Nis' entschieden und Theo schloss sich mir an.

 

Zu etwa 15 Uhr waren geplant Norman am Lidl in Nis zu treffen. Von der Entfernung etwa 30 km, was rechnerisch hinkommen sollte. Aber es kam, wie immer, anders.

 

Norman traf noch einige Leute und blieb bei diesen für Gespräche. Dadurch startete er wesentlich später. Auch kam er in ein Gewitter, welches er aussaß. Gegen 13 Uhr war er noch fast 20 km vor Nis entfernt.

 

 Theo und ich besuchten das Konzentrationslager Nis. Das Gelände befindet sich direkt neben einer Schule in einem ärmlichen Stadtteil von Nis. Der Parkplatz auf dem Schulgelände bestand eigentlich nur aus Löchern und das Schulgebäude sah aus wie eine alte Fabrik. Sofort kamen einige kleine Kinder angerannt – wohl nicht von der Schule – und bildeten eine Traube um uns. Sie bettelten um Geld und Essen. Das ist auf dieser Tour das erste Mal, dass wir das erleben. Wir gaben ihnen nichts. Offenbar ein Lehrer der Schule, der in sein Auto stieg, verscheuchte diese dann.

 

Wir wurden von der energetischen Schwere dieses Ortes sprichwörtlich erschlagen. Wir nahmen dies beide unabhängig voneinander wahr und sprachen auch darüber.

 

Die Ausstellung im großen Hauptgebäude ist eindrucksvoll gemacht. Die anderen Gebäude durften nicht betreten werden. Die Aufschriften in den Baracken mit „Küche“, „Essraum“ u.s.w. Sind noch gut lesbar.

 

Die Geschichte erzählt von mehreren Ausbrüchen versuchen, welche weitgehend scheiterten. Nur bei einem kamen mehr als hundert Gefangene frei.

 

Es wurden nicht nur Juden hier interniert, sondern auch viele wohlhabende Bürger von Nis.

 

Es gab mehrere Kategorien von Gefangenen, welche mit unterschiedlichen Strafen zu rechnen hatten.

 

Einige Aushänge von Verordnungen der Nazis zeugen von der Willkür zu dieser Zeit. Willkür war geltendes Recht.

 

Auch Regelungen, das für jeden getöteten deutschen Soldaten 100 Inhaftierte hingerichtet w

 

wurden, war deutlich und schriftlich ausgehängt. Es sollte wohl der Abschreckung dienen. Zwei Wochentage wurden für Hinrichtungen deklariert. Donnerstag und Freitag. Die Massengräber wurden von den Inhaftierten selbst ausgehoben und es wurden jeweils zwölf an der Zahl gleichzeitig erschossen und das dann den ganzen Tag lang. Auch dazu gibt es Bilder.

 

Das Lager war nicht durchgehend als Konzentrationslager genutzt, sondern auch als Übergangslager des DRK.

Es ist für mich immer wieder sehr bedrückend, mit diesem Teil der deutschen Geschichte konfrontiert zu werden, auch wenn dies persönlich Jahrzehnte vor meiner Zeit stattfand.

 

Es ist ein Teil des Schmerzkörpers des kollektiven Ichs unseres Volkes, ein Teil der Geschichte unseres Landes, das jeder Deutsche auch automatisch mit trägt.

 

Und so trägt jedes Volk, jeder Bürger eines Landes, diesen kollektiven seines Landes als Anteil mit sich.

 

Wir sind gerade dabei in größeren Maßstäben ein neues kollektives Ich zu schaffen. Es nennt sich Europa. In Nordamerika gibt es das bereits.

 

Wenn wir als Europa, als sozusagen Vereinigung der Staaten in Europa, als neues Wir, zukünftig große Entscheidungen gemeinsam treffen, sei es z.B. in der Einwanderungspolitik oder vielleicht durch Kriege, wird dieser Schmerz, der dadurch entsteht, auch von diesem neuen, kollektivem Ich getragen werden. Dagegen kann sich niemand wehren. In dem Moment, wenn ein 'Wir' entsteht, egal ob zu Zweit oder zu Millionen, trägt dieses energetisch und mental auch die kollektiven Entscheidungen. Sowohl im Guten als auch im Schmerz. Ich hoffe, dass dies den Menschen, welche die Entscheidungen für dieses große Europa treffen, sich dessen bewusst sind.

 

Norman meldet per WhatsApp, das er durchnässt ist und sein Smartphone Akku zur Neige geht. Wir fahren ihm entgegen und holen ihn an einer stark befahrenen Straße inmitten von Pfützen und quellenden Gullydeckeln auf.

 

Auf einer der Apps ist ein Stellplatz an einem Grillplatz in etwa 20 km Entfernung eingetragen. Das war das eigentlich geplante Tagesziel. Aus Zeitmangel fahren wir diesen Platz an. Er ist eigentlich schön an einem kleinen, schnell fließendem Fluss gelegen, aber....

 

Alles ist total vermüllt und dreckig. Es stehen ein paar aus Akazienästen und Nut- und Federbrettern zusammen gezimmerte Tische herum.

 

Der Fluss ist grau und riecht übel. Hier werden noch Fäkalien in großer Menge direkt eingeleitet. Leider das normale Bild hier in Serbien, was die Flüsse angeht. Oftmals schwimmen tote Fische auf dem Wasser. Hier nicht, die Strömung ist zu stark. Schön ist es nicht. Es gibt eine Quelle aus dem Berg, welche in einen kleinen Brunnen gefasst wurde. So haben wir Spülwasser.

 Wir bauen auf und kochen. Es ist noch später Nachmittag.

 

Es gibt Nudeln mit selbstgemachter Bolognese. Zwiebel, Knobi, Paprika, Lauch in der Pfanne mit Butterschmalz gedünstet. Dann mit 500 Gramm Rinderhack aufgefüllt und durchgeschmort. Anschließend 700 ml passierte Tomaten und 300 Gramm kleingeschnittene Tomaten dazu. Etwas Piri-Piri, Pfeffer und Salz. Nudeln dazu. Fertig und super lecker!

 

Es kommt ein junges Paar aus der Nachbarortschaft und schnell sind wir Gespräch. Die beiden erzählen uns von einem schöneren Platz etwa 10 Minuten entfernt in den Bergen. Wir packen alles schnell wieder ein und fahren dahin. Der Platz ist in einer engen Schlucht mit steilen Felswänden und Höhle, einen Picknickplatz mit Feuerstelle sowie einem kleinen Bach. Zum Zelten echt klasse. Theo ist begeistert! Nur für den Camper ist es ein ganz schlechter Platz. Der Absatz von der Straße zum Platz hinunter ist so steil und hoch, das dies nur ein echtes Geländefahrzeug schaffen würde. Wir müssten direkt an der Straße auf schiefem Untergrund stehen. Das kommt für mich nicht infrage und so beschließe ich, das wir wieder zurückfahren. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Norman war gefühlt ohnehin dagegen hier hin zu fahren und hätte schlussendlich damit richtig gelegen.

 

Wir übernachten als doch am Fluss, dennoch haben wir einen schönen Ort – leider auch mit etwas herumliegendem Müll - in einer schönen Landschaft kennengelernt.

19.6.2019 - Von Nis nach Pirot

Norman und Theo wollen heute früh noch in eine Schule in Nis. Ich setzte Norman einige Kilometer vor Nis wieder ab und Theo fuhr ich in die Stadt.
Ich selbst fuhr einige Kilometer voraus und suche mir einen Platz um einige Stunden zu stehen und zu schreiben, Bilder zu bearbeiten.
Zum Blog schreiben kam ich heute nicht. Ich arbeitete an meiner Internetseite, um hier einige neue Ideen umzusetzen. Auch andere E-Mails musste ich beantworten und Telefonate führen.

Da die Stellplatzsuche in Serbien wirklich schwer ist, haben wir uns entschlossen, in ein Hotel oder eine Pension zu gehen. Campingplätze gibt es in dieser Region gar keine.

Die schlechten, unebenen Straßen und das ständige Geholper, die Schlaglöcher und Bodenwellen fordern bei meinem Bulli ihren Tribut. Auch die große, sommerliche Hitze setzt dem Motor offenbar zu.

Es machen sich erste Mängel am Bulli bemerkbar. Seit kurzen bringt der Motor bei langen Steigungen weniger Leistung und zieht eine Rußwolke hinter sich her. Die Motordrehzahl ist im Leerlauf nicht konstant und schwankt leicht. Auch wenn die Temperaturanzeige immer schön bei 90 Grad war, hatte ich das Gefühl das der Motor überhitzt.
Das Auslesen des Fehlerspeichers ergab einen potenziellen Fehler des Kühlmittel-Temperatur-Sensors am Motorblock. Der Sensor liegt schlecht zugänglich und gewechselt hatte ich den auch noch nie.

Auch hatte ich am rechten Vorderrad zunehmend ein dumpfes Schlagen in Linkskurven. Ich konnte aber keinen Fehler finden.

 

Ende Tag 38 und 39


Tag 37 - Die sehr schwierige Stellplatzsuche

Inhalt:

  • Ausflug zu einem  Stausee mit vielen Anglern und wie ich bei einer Feuerwehrübung helfen konnte
  • Schwierige Stellplatzsuch
  • Das Gedanken an die Verstorbenen

 

Am Stausee 'Bovansko Jezero' -
Ich war recht ungenießbar an diesem morgen und ärgerte mich auch wieder über übliche Kleinigkeit, sagte aber nichts, sonst wäre es schnell nervig geworden.
Es ist ja mein Ding, wenn ich mich daran störe, es sind die Kleinigkeiten, die mir in diesem übermüdeten Zustand dann schnell auf die Nerven gehen.

Gemäß unseres neuen Planes haben wir die Startzeit am Camp auf 8.30 Uhr festgelegt. Es war kurz vor acht, also hatten wir noch eine Weile Zeit - jeder für sich.

Ich verwendete die Zeit, um alleine in Stille zu meditieren und es doch immer wieder schön, was da dann so in den Sinn kommt.

Um 8.30 Uhr starteten wir pünktlich und ich tuckerte im 1. Gang den geländigen Feldweg zurück in die nächste Ortschaft. Norman setzte ich zusammen mit Theo genau an dem Ort ab, an dem ich ihn gestern abgeholt hatte.

Ich hatte auf der Karte einen Stausee in etwa 25 km Entfernung ausgemacht, den ich mir als Tagesziel vorgenommen hatte. Theo begleitet Norman auf dem Fahrrad und ich habe meine Ruhe für heute. So fuhr ich zu dem in bergiger Umgebung liegendem See und war sogleich angetan. Der Stau selbst liegt in steilem, bergigen Gelände und der See ist länger als ich erwartet hatte. In bewaldete Berghänge eingebettet fallen die Flanken steil ab. Der See dürfte in auf den ersten Kilometern recht tief sein. Zahlreiche Angelboote und angelegte Angelplätze mit Hütten sind am Ufer angelegt. Der Einmündungsbereich ist hingegen flach und stark bewachsen. Die Berge enden hier bereits und gehen in eine landschaftlich flachere Region über.

Auf der Gegenüberliegenden Seite ist ein Uferweg eingezeichnet, den ich vorhabe zurückzufahren. Aber ich komme nicht weit. Ich fahre in diesem flachen Bereich erst einmal ans Ufer und sehe zahlreiche schwere Welsruten (= Angeln, für Nichtangler) stehen. Ich stelle das Auto ab. Das Wasser ist hoch und die Uferwiese steht unter Wasser. Am alten Campingwagen sitzt eine Frau und ein Mann, etwas älter als ich. Wir rufen uns etwas zu, ohne etwas zu verstehen, und schon sitze ich bei denen am Tisch. Angler verstehen sich auch ohne Sprache. Mit Fotos und unserem Angelzeug ist fast immer genug Gesprächsstoff. Und viele Fischnamen hören sich ähnlich an. Mit Händen und viel lachen erklären wir uns gegenseitig Angelmethoden und zeigen unsere Angelgeräteboxen. Ich habe ja auch eine kleine dabei.

Auch die Frau war begeisterte Anglerin und erzählte vom Welsangeln am Po in Italien, im Ebro in Spanien und vom Taimen angeln (Taimen ist eine Fischart) aus Russland.

Ihr Mann hatte hier am See sechs Welsruten mit Bojenmontage draußen liegen und Sie vier weitere Ruten weiter rechts, offenbar auf Karpfen.

Ich verstand eigentlich gar nichts, aber so ein paar Worte erkenne ich auch auf serbokroatisch. Es gab Kaffee und Cola und steuerte eine Tafel Schokolade und Mirabellen dazu, die ich früh gepflückt hatte.

Nach etwa 1,5 Stunden fuhr ich weiter, genauer gesagt auf der Hauptstraße entlang des Sees zurück. Auf die offroad Umfahrung des Sees verzichtete ich nun. Genug erlebt.

Ich bog am anderen Ende des Sees in einen kleinen Feldweg ab, der zum Wasser herunterführte. Doch da fand gerade eine Feuerwehrübung mit Booten statt. Daher stellte ich mich in die unmittelbare Nähe, um dem Treiben zuzuschauen.

Einige Boote waren im Wasser und drei Leute suchten etwas auf dem Weg. Offenbar war etwas verloren gegangen.
Erfolglos kam einer der Feuerwehrleute dann zu mir und frage mich, ob eine bestimmte Schraube hätte. Auch dies erfolgte mit Gesten, aber es klappte. Ich wühlte in meiner Schraubenkiste und hatte tatsächlich eine ähnlich. Er bedankte sich vielmals und reparierte sein Boot. So konnte ich der serbischen Feuerwehr auch noch helfen.
Irgendwann legten alle Boote ab und fuhren eine große Runde im See.

Ich verbrachte dort noch einige Zeit, bis ich zur Stellplatzsuche am vereinbarten Zielort aufbrach. Dies waren noch etwa 25 Km zu fahren.

Südserbien verändert sich. Es wird ärmlicher, einfacher und schmutziger. Wilde Müllhalden finden sich in den Feldwegen und auch die kleinen Halteplätze für PKW und LKW sind deutlich vermüllter, obwohl überall Müllcontainer herumstehen. Diese sind oft total überfüllt.

Die Menschen sind nach wie vor sehr freundlich und viele winken mir zu. Überall werde ich angesprochen, manchmal auf deutsch.

Die Stellplatzsuche ist sehr schwer. In den Apps sind seit Tagen keine mehr eingezeichnet und die visuelle Suche mit googlemaps ist oft erfolglos, da die Wege zu interessanten Platzen meist stark verwachsen, ohne Allrad kaum oder nicht befahrbar sind. Manche Wege gar nicht existieren.

So auch hier. Meine fünf Versuche verschieden Plätze anzufahren enden: 1 x wilde Mülldeponie, 1 zu schweres Gelände, 1 x potenziell machbar, 1 x Weg vom Wasser weg gespült und 1 x schweres Gelände und Weg endet im nirgendwo. Suchdauer 2,5 Stunden ohne Erfolg.

Jetzt kommt die Information von Norman, dass die beiden in einer Schule sind. Es ist bereits 17.30 Uhr. Ab kommenden Freitag sind Sommerferien.
Also fahre ich die 12 km zurück in deren Ortschaft. Als ich dort ankomme, finde ich relativ schnell zwei unschöne, aber machbare Stellplätze am Ufer der 'Südlichen Movare', einen zügig fließenden, aber schmutzigen Fluss mit etwa 50 Meter breite. Die Flüsse hier sind fast alle stark verschmutzt.

Da es schon spät am Tag ist beschließen wir etwas essen zu gehen. Auch hier haben wir trotz guter Bewertungen m Internet Pech und haben wohl das schlechteste Essen unserer bisherigen reise. Schade.

Gegen 21 Uhr fahren wir zu einem der beiden Stellplätze. Zahlreiche verwilderte Hunde und Moskitos umkreisen den Lagerplatz. Einige Glühwürmchen hellen das ganze jedoch auf.

Auch diese Nacht schlafe ich schlecht. Das vollkommen überhitze Wohnmobil – ich schlafe oben – ist wie ein Backofen. Ich träume von Orangensaft der mit kleinen Robotergreifern herumtransportiert wird und das ich ein glühendes Brikett mit Ärmchen und Beinchen wäre. Die Interpretation ist leicht.

Die Hitze soll in den kommenden Tagen anhalten und nach meiner dritten Nacht mit sehr schlechtem Schlaf geht es mit deutlich auf das Gemüt.
Tagsüber bin ich zu Müde um z.B. den Blog zu schreiben und es ist zu heiß um schlafen nachzuholen.

Norman und Theo können hier direkt vom Platz starten und ich bleine noch einige Stunden stehen, die Artikel der letzten Tage zu schreiben.

Was mir auffällt, ist das hier in Südserbien den verstorbenen Menschen offenbar anders gedacht wird, als bei uns. Sowohl an den Häusern selbst, als auch an Tafeln und an Strommasten sind eine große Zahl von Todesanzeigen dauerhaft angeklebt. Diese schwarz/weißen Zettel scheinen über Jahre dort zu hängen, so das jeder weis, wer dort einmal gestorben ist. Es sind teilweise sehr viele Zettel die dort hängen. An fast jeden Mast in einem Ort hängen welche.

 Ende Tag 37

 

 


Tag 36 -  Viel Offroad

Inhalt:

  • Besuch einer Kirche
  • Lost Place - Alter Busbahnhof
  • Kein Rhythms
  • Offroad Stellplatz Suche

Es ist, obwohl wir auf dem Campsite etwas Schatten haben, sehr warm und etwas schwül, als ich morgens aufwache. Auch diese Nacht habe ich schlecht geschlafen. Zeitig brechen wir auf. Theo setze ich in der Stadt ab, er will sich ein Café zum Arbeiten suchen. Norman werde ich zum etwa 12 km entfernten Punkt zurückfahren, wo ich ihn gestern einsammelte.

 

Ich habe zwar das Navi an, fahre aber nach Gefühl und lande in einer kleinen, parallel laufenden Nebenstraße. Dort setzte ich ihn ab.

Dann fahre ich Großeinkauf bei Lidl machen und stoße dann zu Theo in der Stadt hinzu. Auch Norman hat seine ersten zwölf Kilometer nun hinter sich und wir trinken gemeinsam einen Kaffee.
Ich döse zuvor noch ein wenig auf dem Lidl Parkplatz.

Vor Hitze und Müdigkeit schaffe ich es nicht, meinen Blog zu schreiben oder andere mir wichtige Dinge zu erledigen.

Meine Tagesabläufe sind ziemlich durcheinander. Auch heute, nach dem Café, fährt Theo mit im Bus, um selbst Bilder und Filme zu bearbeiten. Dadurch kann ich allerdings meinem eigenen Rhythmus nicht nach gehen. Mein Rhythmus ist meine Intuition. Ich mache die Dinge dann, wie es mir gerade in den Sinn kommt, halte dort an, wie und wo es mir gefällt und dementsprechend fotografiere ich. Wenn ich ein schönes Plätzchen finde, stoppe ich, schreibe, mache ein Nickerchen oder hänge meinen Gedanken nach. In längeren Pausen und wenn ich geistig gerade fit und wach bin, schreibe ich den Blog.
Sobald ein Beifahrer mit dabei ist, kann ich dem nicht mehr nach gehen. Dadurch habe ich Stagnation im Tun. Passe mich im Rhythmus an.

Auch heute ist Theo mit im Bus unterwegs. Leider habe ich heute, als ich diesen Beitrag schreibe, nur noch wenige Erinnerungen an diesen Tag. Hitze und Müde. Wir fotografieren einiges. Einen alten Busbahnhof.

Ich besuche eine orthodoxe Kirche, was auch ein schönes, kühles Erlebnis ist. Denn in der Kirche ist es angenehm kühl. Einen verlassenen Hof.

Nachmittags haben wir lange nach einem Stellplatz gesucht und sind viele Feld- und Waldwege gefahren, ohne erfolgt. Teils schweres Gelände, Wege wie ich sie mir im Dschungel in Afrika vorstelle. Eigentlich nur mit einem Traktor oder echten Geländewagen zu befahren. Teilweise können wir aber nicht wenden. Einige male setze ich mit dem Wagen auf oder rutsche in die sehr tiefen, bis zu 50 cm tiefen Löcher und Spurrillen ab. Solange zwei oder drei Räder bei dem trockenen Wetter noch Bodenkontakt haben, zieht der Allrad sich wieder raus. Ich selbst kann leider wenig filmen oder fotografieren. Die Wege sind so verwachsen, das ich teilweise die Spiegel einklappen muss und auch nicht aus dem Auto rauskäme, wenn ich es wollte. Der Weg ist teilweise nicht mehr zu sehen vor lauter Grad und Gebüsch.. Wir fahren mitten durch das Gebüsch. Manchmal läuft Theo vorweg, manchmal kommt auch er nicht mehr aus dem Auto raus.

Ich fahre extrem langsam, aber das Risiko ist hoch, das wir einen umgekippten Baumstumpf oder Stein übersehen, der auf den ehemaligen Weg gefallen ist.

Aber es geht alles gut.

Wir landen auf einem Berggipfel mit wunderbarer Aussicht und machen dort eine kleine Pause. Müssen aber bald wieder runter, da Norman im Grunde schon in Sichtweite ist. Zumindest von hier oben. Einen Stellplatz haben wir aber immer noch nicht.

Die Rückfahrt auf einer potenziell besseren Strecke wird noch heftiger. Aber auch hier kommen wir ohne Schäden durch.
Wir sammeln Norman an der Laufstrecke auf und fahren zwar in das gleiche Waldgebiet zurück, aber eine andere Strecke.
Da die Wege zu schlecht sind, fahre ich nun quer über die gemähten Wiesen zwischen den Waldstücken und wir finden einen sehr schönen Platz auf einer solchen gemähten Wiese, an welcher wir für den Rest des Tages Schatten haben.

Ich entschließe mich draußen zu schlafen.

Es ist Vollmond und diese Ersatzsonne knalle die ganze Nacht vom wolkenlosen Himmel. Seit Tagen haben wir abends endlich mal wieder angenehmere Temperaturen um die 27 Grad und ein laues Lüftchen weht. Die tiefsten Nachttemperaturen sind immer noch zweistellig. Morgens ist das sehr angenehm. Nur bis es soweit ist, wird es zwei Uhr nachts.
Ich entschließe mich draußen unter freiem Himmel zu schlafen, da der Camper noch ziemlich aufgeheizt ist.
Trotz Augenbinde und Ohrstöpseln schlafe ich auch diese Nacht wieder sehr schlecht. Starke Träume und immer wieder wache ich auf, obwohl ich von der vorangegangen Nacht noch vollkommen müde war.

Aber so sei es. Wie sagte ein unbekannter Mensch einmal: „Wenn man nachts nicht schlafen kann, dann ist man wach!“ Einfach, aber wahr. Und am nächsten Tag sehr müde.

Gegen morgen müsste ich mir sogar den Schlafsack über mich legen, da es dann doch nur noch 20 Grad waren. Um sechs Uhr knallte aber die aufgehende Sonne wieder auf diesen darauf, dass es unmittelbar zu warm wurde.

Norman und Theo hatten zwar auch versucht draußen oben, ohne zu übernachten, gaben aber bald auf. Als ich morgens aufstand, waren beide wieder im Zelt und Auto verschwunden. Na irgendwie muss ich ja meinem Outdoor-Image gerecht werden.

Vollkommen übermüdet bauten wir das sehr schöne, endlich auch mal wieder etwas abgelegene Camp ab.

 

Abends gehen wir noch auf ein Bier in ein schönes Lokal in der Nähe des Campsite, mit wunderbarem Blick über die Stadt.

Schildkröten gibt es in den Wäldern hier einige und wohl auch Schlangen. Norman und Theo haben bereits eine Große gesehen und in den Antworten der Schüler zum Thema "Angst" tauchte diese Antwort schon einige male auf.

 

 

(Hier kommen demnächst noch einige Bilder hinzu, die Theo Offroad gemacht hat)

Ende Tag 36


Tag 35 - Nach Jagodina  - Јагодина

 

Theo und Norman starten direkt am Campsite, da Normans Laufstrecke nicht weit entfernt ist.
Ich bleibe noch etwas stehen. Die Sonne ging heute im Rücken des Hügels auf, auf dem wir standen. So habe ich noch einige Zeit Schatten.

Ich werfe den Müll in einen der Container, welche hier überall stehen. Offenbar haben die einzelnen Häuser keine eigenen Mülltonnen.

Ich fuhr direkt in die nächste Stadt Jagodina, um mich um einen Stellplatz zu kümmern. Eine gut ausgebaute, pulsierende Stadt voller Leben empfängt mich. Es ist Samstag. Es ist heiß. Die Straßen sind voll, die Parkplätze sind voll. Auf der Karte sehe ich: Freizeitpark, Schwimmbad, Kino, Einkaufszentrum in der Stadt, Zoo u. v. m.
Es geht im Schritttempo voran. Ich fahre zum Campsite weit oben auf dem Hausberg der Stadt. Es geht extrem steil hoch und runter. 17 bis 20 % Steigung. Mein T4 hat ganz schön zu kämpfen.

Auf dem kleinen, grünen und ordentlichem, einfachen Campingplatz ist gerade niemand anzutreffen. Ich laufe herum und fahre wieder runter in Richtung Zoo. Am Zoo gibt hier keinen Zaun, keinen Eintritt. Jeder kann einfach rein und schauen. Zumindest soweit ich es sehe. Ich stelle mich auf einen kleinen Parkplatz unter einen schattigen Baum und döse vor mich hin. Zum Schreiben bin ich zu müde und es ist mir auch zu heiß. Es ist einfach nur heiß. Weit über dreißig Grad. In der Sonne deutlich über vierzig. Es klopft an meiner Tür.
Es sind die Campingplatzbesitzer. Sie hatten mich auf der Überwachungskamera gesehen. Sowohl mein Auto als auch mein blaues T-Shirt sind sehr auffällig.
Wir sprechen uns kurz ab, dass ich später mit drei Personen komme.

Bevor ich Theo und Norman abhole fahre ich noch eine Seenplatte an, welche unweit der Route ist und vielleicht zum Baden einlädt. Einige Seen sind wirklich sehr schön und Angler sitzen am Ufer. Es sind alles Baggerlöcher und ein Kieswerk ist auch dort. Die anderen kleineren Tümpel sind alle stark verkrautet und 'Schnakenlöcher'.
Auch kann ich endlich einen von den Bahnübergängen fotografieren. Dies habe ich schon seit Tagen vor und haben leider keinen mehr gekreuzt der mit dieser antiken Kettentechnik betrieben wird. Es ist sehr beschaulich. Hier gab es offenbar schon bessere Zeiten.

Genau in dem Moment als ich vom Feldweg wieder auf die Straße fahre, läuft Norman vorbei. Etwas früher als geplant, aber okay. Auch Theo kommt angeradelt. Wir fahren alle zusammen in die Stadt ein paar kleine Einkäufe machen und etwas essen. Es gibt mal wieder Burger. Das können die hier wirklich klasse. Einfach lecker. Die Menschen sind sehr leicht bekleidet. Einige gehen im Bikini oder Badehose im Supermarkt einkaufen. Das scheint hier normal. Prüde scheinen mir die meisten Serben nicht zu sein. Es wird viel Haut gezeigt und auch sexy darf es sein.

Ich erfahre, dass das Schwimmbad heute „Free Day“ hat und alle Menschen kostenfreien Eintritt haben. Einer der Gründe warum hier so viel los ist.

Der Straßenverkehr ist chaotisch, aber nicht stressig. Die Menschen sind entspannt. Den vielen Fußgängern wird hier im Stadtzentrum geduldig Vorfahrt gewährt. Das ist nicht überall so. Meist werden Zebrastreifen eher ignoriert.

Wir fahren zum Campsite hoch. Direkt hinter uns kommen zwei schwere Geländewagen aus dem Raum Nürnberg, mit denen wir uns den untersten Platz direkt an der Dusche teilen. Die junge Gruppe aus zwei Familien und einen weiteren Studienfreund ist auf Ihren Jahresurlaub hier zwei Wochen in Serbien Offroad unterwegs. Mit Kleinkind und Schwanger. Das finde ich toll. Offroad ist ja kein Problem. Schwanger auch nicht. Aber in Kombi trauen sich inzwischen doch die meisten Deutschen – meine Wahrnehmung - das nicht mehr. Es könnte ja....
Auch im Nationalpark darf man hier überall offroad fahren. Sie erzählen uns, dass der große Nationalpark hier im Gegensatz zu uns ganz normal bewirtschaftet wird. Also mit Rodungsflächen und Aufforstungen. Auch in anderen Gesprächen habe ich erfahren, dass die Natur für die Nutzung des Menschen angesehen wird. Auch von anderen Leuten habe ich erzählt bekommen, das die Sichtweise auf die Natur und Umwelt eine ganz andere ist, als die, welche in Deutschland wohl überwiegend gedacht wird.
Ich finde, an solchen Beispielen kann man schön die unterschiedliche Auffassung von Naturschutz und Natur sehen. Bewerten möchte ich das nicht.

Abends gehen wir noch auf ein Bier in ein schönes Lokal in der Nähe des Campsite, mit wunderbarem Blick über die Stadt.


Tag 34 - Sommer Hitze

Inhalt :

  • Heu Ernte
  • Besuch eines Klosters
  • Relikte des Krieges
  • Stellplatzssuche

 

 

Es waren für heute die höchsten bisherigen Temperaturen angesagt. 35 Grad im Schatten. Und es sollte auch so kommen. Norman und Theo besuchten noch eine Schule und nach dem anschließendem Mittagessen ging es wieder auf die Laufstrecke.

Ich hatte den ganzen Tag für mich. In dieser Region von Serbien gibt es wieder einige kleinere Waldgebiete und es ist auch hügeliger. So suche ich mir ein Kloster zur Besichtigung aus, welches bereits in der Nähe des geplanten Zielortes lag.

Es ist kein Touristenort, wie man es bei uns gewohnt ist. Nur wenige Serben sind dort und es gibt nur einen kleinen Kiosk. Eine wenige ältere Leute sind das. Im Schatten der Bäume ist es kühl, dafür sind aber auch gleich die Schnaken da. Lange halte ich es nicht aus, hier in Stille zu sitzen.

Die Gebäude sind liebevoll hergerichtet und es ist schön hier ein bisschen zu verweilen und zu fotografieren.

Nun suche nun ein schattiges Plätzchen für den Tag. Dies finde ich unter einem weißen Maulbeerbaum in unmittelbarer Nähe.

Um den Baum ist ein alter, leicht verrotteter Zaun. In dem Baum ein kleines Loch, in welchem eine Münze steht. Darunter zahlreiche abgebrannte Kerzen.

Hier stehe ich viele Stunden. Immer gut im Schatten bei der brütenden Hitze.

Das Heu wird überall eingefahren. Zum nächsten Wochenbeginn soll die Gewitterwahrscheinlichkeit steigen.

Ich erinnere mich an meine Jugend, wie wir auf dem Bauernhof meines Onkels im Sommer immer Heu und Stroh mit ähnlichen Maschinen eingefahren haben. Die Zeit scheint stehen geblieben. Bestimmt 40 Jahre. Auch ich habe alles noch mit Forke und von Hand aufgeladen. Unmengen an Heu und etwas später im Sommer Gerstenstroh für unsere damals 25 Milchkühe eingefahren. Tagelang ging das. Die Gerüche und die über den gemähten Wiesen stehende Hitze erinnern mich daran.

Ich gehe auf ein anderes Feld um die großen, runden Strohballen zu fotografieren. "Elefantenkissen" haben wir die genannt. Der Bauer der auf dem Feld gerade mit seiner Tochter Heu abfährt rüber und auch er begrüßt mich freundlich mit Handschlag. Kein Ego oder Widerstand im Sinne "Du stehst auf MEINEM Feld!". Nein! Freundlich! Er weis noch ja nicht das ich Deutscher bin. Erst als ich auf Englisch antworte und nachfrage, merkt er das ich Tourist bin. Wir unterhalten uns ein wenig auf Englisch. Der Mann ist geschätzt um die 40.

Mehrere Landwirte kommen auf Ihren alten Traktoren oder uralten LKW russischer Bauart vorbei. Ein paar schlanke Männer sitzen mit im Führerhaus oder stehen auf der Ladefläche. Die Welt dreht sich hier langsam. Alle winken mir zu, manche bleiben stehen oder begrüßen mich mit für mich unverständlichen Worten. Ich winke und lache zurück.

Ich esse ein paar Früchte vom Maulbeerbaum. Auch die Kirschen sind schon reif und hängen an den Bäumen. Auch da pflücke ich ein paar auf einem verlassenen Grundstück an einem Haus.

Viele Häuser stehen leer. Sie verfallen, die Grundstücke verwachsen. Immer wieder sehe ich Häuser die offenbar neu gebaut und der Bau dann abgebrochen wurde. Rohbau mit Fenstern und dann ein seit wenigen Jahren verwachsene Grundstücke mit rostigen Zäunen und jungen Bäumen.

Auch die Relikte des letzten Krieges sind auf einer ehemaligen Kaserne dann zu sehen. Ich halte an und mache ein paar Fotos. Auch hier ist alles verwachsen. Die kleinen Geschütze vor dem ehemaligen Kasernengebäude sind zugewuchert. Auf zwei LKW werden alte Panzer vielleicht zur Verschrottung aufgeladen.

Auf der anderen Seite hunderte von alten Panzern russischer Bauart und noch mehr Geschütze.

Die Stellplatzsuche ist heute recht einfach. Direkt am Kloster ist ein Parkplatz mit einer Baumreihe und einer Wiese. Leider ohne Internet. Aber ein Platz wäre sicher.

Dennoch fahre ich noch ein wenig herum und lasse mich mal wieder intuitiv treiben. Direkt an der Laufstrecke finde ich in einem schlechten Waldweg eine tolle Wiese mit fantastischer Aussicht in die Ebene. Hier bleiben wir.

 

Ende Tag 34


Tag 33 - Abschied von Belgrad

Der morgen nach unserer Nacht in Belgrad ist angebrochen. Entsprechend meiner Erwartung ist Theo heute morgen gar nicht fit. Ich hatte Norman schon darauf vorbereitet, das dies vielleicht so sein würde.

Norman sagte es sei okay, wenn wir erst mittags starten würden. Also gingen wir den Tag gemütlich an.

Ich erstellte einen Arbeitsplan mit ungefähren Zeitangaben, um hilfsweise eine Linie für den Vormittag vorzugeben.


Im Grunde müsste Mann nur auf diesen und die Uhr schauen und es wäre glatt gelaufen.

Nachdem sowohl Norman als auch ich darauf hingewiesen hatten das wir JETZT!! fahren, standen wir nach dem Bezahlen dennoch bereits weitere fünf Minuten am Tor des Campingplatzes und warteten.

Ich hatte mich vergewissert das Theo zumindest sein Handy hat und wäre dann ohne weiteres Nachfrage auch ohne ihn losgefahren. Norman ist es zu verdanken, dass ich es nicht tat und er Theo nochmals anrief und ihm eine 60 Sekunden Frist gab. Er war dann auch zügig da und ich sagte ihm erstmals deutlich im Ego meine Meinung dazu. Er entschuldigte sich und sagte, dass es ihm heute nicht gut ginge.

Theo fuhr heute mit mir zusammen im Auto und unsere Beziehung besserte sich insgesamt deutlich, so mein Eindruck. Ich trage so etwas auch nicht emotional nach.

Wir fuhren auf den größten Fernsehturm in Serbien, der wenige Kilometer südlich Belgrad auf einem kleinen Berg steht. Ein Wahrzeichen, 204 m hoch, welches am 29. April 1999 um 22:40 Uhr von der NATO mit einem Luftangriff vollkommen zerstört wurde. Viele Serben sehen den Angriff bis heute als Unrecht an. [Quelle: www.br.de]. Die Aussicht ist großartig, der Eintritt kosten gerade mal drei Euro. Zahlreiche Schulklassen der Grundschule kommen zu Besuch. Wir sitzen einige Stunden noch im Café und arbeiten bei brütender Hitze und dem ein oder anderen Erfrischungsgetränk.

Der Turm wurde nach Ende des Krieges innerhalb zwei Jahren wieder aufgebaut und ist eine Attraktion für Einheimische und Touristen.
Wir und ich sind seit gut einer Woche in Serbien unterwegs und wir haben bisher keine Spuren des Krieges gesehen. Der Besuch dieser technischen Meisterleistung hat dies für mich geändert.

Gegen 16 Uhr begeben wir uns auf Stellplatzsuche im Bereich des heutigen Zielgebietes. Theo sucht eine potenzielle Spots während ich fahre. Ein Waldgebiet mit Feldern fahren wir. Wegen der vielen Schnaken wollen wir Gewässer ein wenig meiden. Zu meines Leidwesens. Aber so ist das eben. Wir fahrend auf einem teils sehr holprigen Feldweg mit tiefen Schlammlöchern. Ein schöner Stellplatz ist leider trotz Allrad aus meiner Sicht nicht ohne größere Aufwand anfahrbar, da die Spurrillen zu tief und ein kleiner Baum im Wege steht.

Wir finden wenige Meter weiter einen anderen schönen Platz auf einer gemähten Wiese, auf welcher das Heu trocknet.

Wir fahren etwa 500 Meter weiter in die nächste kleine, sehr ländliche Siedlung aus wenigen Bauernhäusern und versuchen herauszufinden, wem das Grundstück gehört. Leider versteht uns niemand, auch nicht mit dem google Übersetzer. Ein Mann spricht ein wenig englisch und meint: "Es ist sicher kein Problem. Es gehöre jemandem vom Ort."

Wir holen Norman an einer Tankstelle ab und fahren zurück. Wir sprechen nochmals jemanden an, der uns aber auch nicht weiter helfen kann.

Also fahren wir auf die Wiese und riskieren auf einen Rakia (Schnaps) eingeladen zu werden.

Wir haben kaum aufgebaut, da hören wir einen Traktor antuckern. Ich fühle mich 50 Jahr zurückversetzt. So eine Strohpresse hatte ich letztmalig in meiner Jugend gesehen. Der zweite Traktor mit Anhänger kommt auch bald und das Heu wird mit der Forke von Hand aufgeladen. Die kleine Tochter, vielleicht 7 Jahre alt, fährt den Traktor im Standgas, während die Männer aufladen.
Zur Heimfahrt sitzt Opa und Enkeltochter hoch oben auf dem Heuwagen und der Sohn fährt. Leider habe ich davon kein Bild.

Wir wurden auch hier freundlich begrüßt und mit winken und lachen war dann auch alles geklärt.

Ein leichter, angenehmer Wind geht durch diese milde Hochsommernacht bei etwa 25 Grad. Der Mond wird voller und es ist auch nachts sehr  hell.

 

Ende Tag 33