Wie ich die Dunkelheit und Kälte erlebe

Den Winter 20/21 verbringe ich in Schwedisch Lappland, 200 km nördlich vom Polarkreis. Von Mitte Dezember bis Mitte Januar ist hier die Polarnacht. Die Sonne geht nicht mehr auf. Auch die Wochen davor und danach haben nur wenige Stunden Helligkeit am Tag.  Wie ich dies erlebe, wie es mir damit geht und wie ich damit umgehe, erzähle ich in diesem Artikel.


Wie ich die wochenlange Polarnacht erlebe

 Gliederung:

  • Ein unregelmäßiges Tagebuch
  • Wie ich mir auf die Sprünge helfe
  • Praxis: Leben und arbeiten bei Dunkelheit und Kälte

 

Tagebuch

18. November 2020 - Ohne Wecker geht nix

Es wird noch immer einigermaßen hell, vor allem an Tagen ohne Wolken. Aktuell haben wir allerdings sehr viele Wolken hier im hohen Norden. Ich freue mich, wenn die Wolkendecke aufbricht. Die Sterne glitzern am Firmament und die Nächte werden schon kalt. -5,5 °C war es letzte Nacht. Das liebe ich wirklich. Polarlichter waren in den letzten zwei Nächten nicht zu sehen.

Um 9 Uhr früh ist es mäßig hell. Gegen 13 Uhr kündigt sich der Sonnenuntergang an und um 14.30 Uhr ist es dunkel.

Mein Biorhythmus sagt mir: Lange schlafen (wenn es geht). Ansonsten: Ohne Wecker geht nix.

Um 15 Uhr werde ich bereits hundemüde. Das hält sich dann bis in dem Abend, dann werde ich meist nochmals etwas wacher. Große Lust noch eine Arbeit im Freien und bei Dunkelheit anzufangen, habe ich nicht.

 

 

 

 

26. November 2020 - Schnee und Kälte kommen

Endlich ist es so weit. Letzte Nacht hat es 10 cm geschneit und alles wurde wunderbar weiß. Herrlich!

Eine Freude für die Augen und Ohren.

Durch den Schnee werden die Geräusche gedämpft. Es ist leiser und ruhiger geworden. Ich mag das!

 

Und es wird wieder heller, obwohl die Tage kürzer werden. Der weiße Schnee reflektiert das wenige Licht und verschluckt es nicht mehr, wie der dunkle Waldboden und die Fichtenwälder.

 

Eben war ich Hunde füttern. Es waren -12,8 °C. Die Luft ist trocken. An die Kälte habe ich mich inzwischen gewöhnt. Und da ich mich bewege - allerdings recht langsam - habe ich nur T-Shirt, einen dünnen Pullover eine Fleecejacke an. Mütze und Handschuhe natürlich. Aber mehr nicht.

Beim Arbeiten ist es sogar an der Grenze zum zu warm werden, daher eben langsam arbeiten.

 

 

27.11.2020

 

Ich hatte heute frei! Habe viel  am Laptop gearbeitet. Bilder bearbeitet, Webseite gepflegt und Büro erledigt. 

Jetzt ist 15:43 Uhr. Es ist bereits stockdunkel draußen. Es hat etwa minus sechs Grad. Windstill, Sternenklar. 

 

Nur ich bin müde. Es fühlt sich an wie 22 Uhr abends. Es ist aber erst knapp vier. 


Wie ich mir auf die Sprünge helfe

Dank technischer Möglichkeiten gibt es Möglichkeiten den Nebenwirkungen durch den Entzug des Sonnenlichtes entgegenzuwirken. 

Sonnenlicht ist für uns Menschen ebenso wie für fast alle Pflanzen und Tiere lebensnotwendig. Der Entzug führt auf Dauer zu psychischen und physischen Schäden bis hin zum Tod. 

Es geht vor allem um das Vitamin D. Dieses wird durch die UV-B Strahlung der Sonne (über mehrere Vorstufen) körpereigen gebildet. 

Bei zu geringer UV-B Strahlung kommt die körpereigene Vitamin D Produktion zum Erliegen. 

Positiv ist, das Vitamin D im Körper gespeichert und bevorraten werden kann. 

Die Nebenwirkungen von Vitamin D Mangel sind sehr vielfältig. Die Schwächung des Immunsystems und Depression sind nur zwei von mehr als einem Dutzend. 

 

Quellen: Bundesamt für Strahlenschutz RKI, netdoktor

 

Nahrungsergänzungsmittel

Ich nehme regelmäßig und etwas überdosiert Vitamin D3 Tabletten ein, um meine Depots immer voll zu haben. Jedoch kann eine Überdosierung auch schädlich sein. 

Raumbeleuchtung mit Tageslichtlampe

Als Tageslichtlampe  in meiner Hütte hier in Nordschweden verwende ich eine Quecksilberdampflampe aus dem Terrarien-Bereich.  Korrekt heißt diese Lampe HQL = Hochdruck-Quecksilber-Lampe oder Gasentladungslampe.

Dieses Leuchtmittel kommt dem natürlichen Sonnenlicht relativ nahe. Es produziert UV-A, UV-B und auch eine wärmende Infrarotstrahlung. 

Zwar ist die Leistung mit 80 Watt nicht mit der Sonne vergleichbar, aber über eine entsprechende Bestrahlungsdauer auf die blanke Haut hat sie auf jeden Fall eine positive Wirkung. 

Ich empfinde die Wärme auf der Haut auch als besonders angenehm. 

Wer sich für Details interessiert, der mag hier schauen: >>>klick hier  (externer Link)

 

Draußen sein ist natürlich auch wichtig.

 

Aber das bringt meine Arbeit hier oben ohnehin mit sich. 

Der ständige wechsel zwischen starken Minusgraden und den meist 20 bis 25 Grad in der kleinen Hütte regen den Kreislauf an. Auch wenn es so gut wie keine Sonne mehr gibt, und das bereits seit Wochen. 

 

Zwischen-Resümee:

Mental geht es mir bislang sehr gut. Ich habe gute Laune und keine depressiven Tiefs. Zumindest in den ersten nun bald vier Wochen. (Stand 27.11.2020)


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