Fragen und Antworten von Lesern

Zahlreiche interessante Fragen rund mein Aufenthalt hier im Winter in Lappland erreichen mich.

Es geht nicht nur um die Huskys, sondern auch um das Leben mit wenig Sonnenlicht und in der Kälte.

Einige habe ich mit in den Blog aufgenommen, da ich für sie für nachhaltig interessant halte.

Nicht alle kann ich selbst beantworten. Dann frage ich andere Menschen mit Erfahrung und Kenntnis.

Inhalt / Fragenkatalog:

  • Was machen wir hier auf der Husky-Farm denn genau?
  • Bekommt man ein Gefühl dafür, ob es den Hunden gut geht mit diesem Leben? Haben sie Zeit für ihre Familie? Werden sie genauso alt wie Hunde, die nicht so viel arbeiten müssen?
  • Wie lange wird ein Leithund ausgebildet?
  • Arbeiten sich die Huskys hoch zum Leithund? Oder anders gefragt, kann der schüchterne Hund es auch noch zum Leithund bringen?
  • Habe ich Spikes auf meinem Auto?


Christian und andere fragten:
  • Was machen wir hier auf der Husky-Farm denn genau?

Hinweis: Dieser Antwort enthält Werbung durch Namens- und Linknennung!

Die Husky Farm jvt.se ist eine der größten Farmen hier in der Region. Im Grunde ist die Firma "Jukkasjärva Wildmarks Turer AB" - für welche ich arbeitete -  ein spezialisierter Reiseveranstalter für Huskytouren.

Im Rahmenangebot bieten wir auch einige Hütten, Schneemobiltouren und z.B. Führungen über das Gelände an.

 

Die meisten Kunden kommen von Hotels aus der Region, z.B. dem Icehotel in Jukkasjärvi, welche morgens mit dem Kleinbus abgeholt werden. Auch über Reisebüros und Agenturen werden Gruppen eingebucht. Einige Gäste reisen auch selbst an und wohnen vor Ort.

Es gibt kurze, mehrstündige Touren rund um das Camp bis hin zu mehrtägigen Mountaintouren in die schwedischen Berge und Wälder. Von der Fika(Cafe)- Tour bis hin zu spezielleren Nachttouren.

Die Arbeit wird von etwa zehn Guides und drei Doghandlern geleistet.

 

Auf der Farm werden neben eigenen Hunden auch zahlreiche Hunde anderer Eigentümer gehalten. Diese werden auch für Touren eingesetzt.

Neben eigener Nachzucht mit den jungen Puppies werden auch  Hunde von extern hinzugenommen. Allerdings sind die Unterschiede in der Erziehung deutlich zu sehen. Vor allem, wenn die Erziehung externer Hunde in der Ausbildung am Geschirr aber auch in der Sozialisation suboptimal war.

Von klein auf werden also die Huskys an ihre Arbeit ausgebildet.

Während der Saison sind die meisten Hunde fast täglich unterwegs. Ich merke deutlich wie 'glücklich' und 'platt' die Hunde nach der Arbeit sind.

 

Weitere Information:

Webseite:  www.jvt.se

Artikel von Herbert und mir über das Icehotel im Adventure Magazin: >>>klick hier


Gesa fragte:
Bekommt man ein Gefühl dafür, ob es den Hunden gut geht mit diesem Leben? Haben sie Zeit für ihre Familie? Werden sie genauso alt wie Hunde, die nicht so viel arbeiten müssen? (Diese Parallelen 😂 ich merke, ich vermenschliche sie gerade, aber ich glaube, im Zusammenleben mit den Menschen werden sie per se vermenschlicht, oder?)
Meine (längere) Antwort:
Ein Gefühl bekomme ich zumindest dafür schon. Und ich weiß auch das hier in Schweden seitens der Regierung Wert darauf gelegt wird, das es den Hunden gut geht. Mir wurde erzählt das es immer wieder Hunde-Enteignungen und sogar Haltungs- und Arbeitsverbote für Menschen gibt, denen das Tierwohl egal ist und diese dies eben nicht empfinden können. Ich merke wie sehr sich Hunde darauf freuen, wenn die körperlich gefordert werden und raus dürfen. Mein Eindruck ist das sich die allermeisten Hunde wohlfühlen. Der Inhaber dieser Farm hat uns aber auch schon gesagt wie wichtig es ist den Huskys Abwechslung durch unterschiedliche Streckenauswahl zu bieten.
Den Hunden welche auch die herausfordernden Bergtouren laufen und welche geistig gefordert werden, denen geht es mental am besten, sagt er.
Die Vermenschlichung findet nach meinem Eindruck in diesem professionellen Rahmen hier nicht statt. Wir arbeiten mit den Tieren. Die Bindungen zwischen den einzelnen Leuten, die hier arbeiten und den Hunden ist sehr individuell und unterschiedlich.  Manche mag  ich mehr als andere, und umgekehrt auch.
Auch die Charaktere der Hunde haben ein enormes Spektrum.
Der Umgang und die Handhabung sind daher auch sehr individuell. Einige Hunde müssen schon immer wieder "darauf  hingewiesen werden", wer der Chef im Ring ist.
Da darf man als Doghandler oder Guide nicht zimperlich sein sonst geht man als Verlierer raus. Und das darf nicht sein.  Andere Hunde brauchen viel Zuwendung, fordern dies auch ein. Sie sind sehr schüchtern und müssen / wollen getragen werden, da sie vor Angst zittern und sich nicht bewegen. Auch hier muss ich als Doghandler auch immer aufpassen, das diese nicht von anderen unterdrückt werden, insbesondere beim Fressen.
Als Familienoberhäupter müssen wir Doghandler und Guides immer sehr  achtsam sein. Denn die Hunde unter sich sind in Ihren Rangkämpfen oft sehr aggressiv - meist nur wenige Sekunden -  und da bleibt das ein oder andere Ohr und andere teilweise ernsthafte Bissverletzungen untereinander nicht aus. Aber das sind eben Hunde unter sich.
Für mich ist die Vermenschlichung eben auch, die Gewalt und Rangkämpfe unter den Tieren selbst als negativ zu bewerten, weil wir es so nicht haben wollen. Wir wollen die kurzen, lauten, aggressiven Kämpfe nicht. Wo Blut fließen kann und es Gewinner und Verlierer gibt. Dabei sind diese eigentlich normal. 
Wir wollen dies natürlich auch wegen der Kunden nicht - also die Szenen welche auch ein Kunde nicht sehen möchten. Da schließt sich der Kreis.
Natürlich können sich die Hunde im Kennel und an der Gangline vor dem Schlitten nicht aus dem Weg gehen, was sie in der freien Natur vielleicht dann machen würden. Es ist also kein Rudelleben, sondern auf von uns Menschen aufgezwungenes welches dann auch unseren Vorstellungen und Erwartungen entsprechen soll.
Und da könnte ich natürlich gleich den Schritt zum wilden Wolfsrudel schlagen..... mit all seinen schönen und unschönen (aus unserer Sicht) Aspekten.
Die Guides haben manchmal feste Leithunde, mit denen sie auch teilweise Freizeit verbringen.
Das die Hunde mit nach Hause dürfen und familiär gehalten werden, ist mir nur von einem Guide bekannt. Das sind aber auch seine eigenen Hunde.
Die jungen Puppies sind bei uns hier recht lange mit Ihrer Mutter zusammen.  Familiäre Bindungen sind nach meiner bisherigen Erfahrung sehr unterschiedlich. Nicht viel anders als bei uns Menschen. Das Gleiche gilt für die Geschwister selbst auch. Manche mögen sich, andere nicht.
Bei uns sind maximal drei Hunde in einem Zwinger. Ich weiß, dass es auch andere Farmen gibt da sind sechs drin. Dafür gibt es natürlich Gründe, auf die ich hier aber nicht ein gehe.
Manchmal sind die Geschwister zusammen in einem Kennel und vertragen sich.
Lebenserwartung:
Stand meines Wissens erreichen die Huskys, welche hier draußen leben und entsprechend gefordert werden, nicht das Alter, welches Hunde bei uns in Deutschland erreichen und als Familienhunde im Haus gehalten werden.
Ihre aktive Zeit haben die meisten Hunde mit etwa zehn Jahren erreicht. Dann wird versucht diese zu verkaufen, zu verschenken. Wenn dies nicht klappt werden sie getötet.
Das ist sehr hart (so fühlt es auch aus meiner Perspektive an). Aber leider ist es so das die meisten Menschen keinen älteren, ggf optisch unschönen und vielleicht teil-invaliden Hund mehr haben aufnehmen möchte.
Auch aus der Perspektive des Unternehmers (der Farm) müssten neben den bei uns 140 aktiven Hunden noch mal die gleiche Zahl an älteren Hunden täglich gepflegt, gefüttert, verarztet und auch eben Platz dafür zur Verfügung gestellt werden, um diese dann bis zum natürlichen Tode zu versorgen.
Das zu bezahlen wäre in letzter Instanz dann auch Aufgabe des zahlenden Kunden, der dann eben den doppelten Preis für seine Tour zahlen müsste. Doch wer macht das?  Es zeigt sich das übliche Dilemma.
Federführend Carsten und ich am Rande haben letzte Woche erst einen "zu alten" Malamuten an der Grenze zu Finnland vor dem Gnadenhof verschont. Der lebt jetzt eben bei Carsten als Hund Nummer fünf. Mit aller Verantwortung und allen Kosten.

Julius fragt:

 Arbeiten sich die Huskys hoch zum Leithund? Oder anders gefragt, kann der schüchterne Hund es auch noch zum Leithund bringen?

 

Brigitte fragt:

Wie lange wird ein Leithund ausgebildet?

 

Meine Antwort:

Ein Leader zu sein oder zu werden setzt eine charakterliche und mentale Eignung voraus. Wie man dies merkt, weiß ich selbst aktuell noch nicht.

Geeignete Hunde kommen in die Ausbildung und laufen im Gespann direkt hinter dem Leithunde, um von diesem zu lernen.

Die Eigenschaft "schüchtern" oder "aggressiv" ist kein wichtiges Kriterium für einen Leithund. Ich habe hier einige zurückhaltende, ruhige und schüchterne Hunde gesehen welche als Leader Arbeit. Wenn die dann im Gespann sind, schlüpfen diese in ihre Rolle.

Es geht viel mehr darum mitzudenken und sich nicht ablenken zu lassen.

Eigentlich geht es geradeaus, nicht nach links. Der Leithund lies sich ablenken.
Eigentlich geht es geradeaus, nicht nach links. Der Leithund lies sich ablenken.

Ein paar Beispiele:

Wenn ein Gespann mit acht Hunden um eine Linkskurve geht, in welcher links ein Baum steht, so versteht ein guter Leithund das er hier einen weiten Bogen nach rechts laufen muss, damit die folgenden Hunde und Schlitten nicht in den Baum laufen. Die beiden Hunde hinter dem Leithunde, folgen dem Leader, ohne einzuschneiden.

Nur dann läuft das Gespann gut um die Kurve.

 

Ein anderes Beispiel: Hier in Nordschweden gibt es viele Hundegespanne, Schneemobile und auch Autoverkehr als Gegenverkehr.

Manchmal müssen auch Autos überholen. Ein guter Leithund bleibt fokussiert und lässt sich selbst durch andere Hunde im Gegenverkehr nicht ablenken.

Denn die folgenden Hunde ziehen dann in den Gegenverkehr und ein schlechter Leader ebenfalls.

Weiteres Beispiel:

Wenn Mülltonnen am Wegrand stehen, dann läuft der gute Leithund links vorbei, ein schlechter oder ungeübter rechts, was zum Chaos führt. Vielleicht lenken auch Gerüche den Hund ab.  Das sollte nicht sein.

Es ist also auch viel Charaktersache, ob ein Hund Leithunde werden kann.

 


Patrick fragt:

 

Habe ich Spikes auf meinem Autoreifen?

(Frage etwas geändert und gekürzt)

Meine Antwort:

Nein, ich selber habe keine Spikes auf meinem Bulli. Aber Allrad. Meiner Erfahrung nach sind Spikes hier im Inland nicht notwendig, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält.

Die meisten Einheimischen fahren Spikes. Auf den Überlandstrecken fahren diese aber oft auch schneller als die meist erlaubten 80km/h und Überholen dann auch über den Mittelstreifen. Da bringt es vermutlich einiges an mehr Sicherheit.

Es ist hier im Inland selten vereist. Wenn, dann an den Saisonübergängen. Da können Spikes eine Hilfe sein. Hier im Inland ist es meist deutlich kälter als an den Küsten, wodurch der Schnee sehr griffig ist und auch nicht vereist. Wir haben hier meist eine feste, griffige Schneeschicht auf der Straße. 

Ich habe erlebt das an der Küste das Klima wärmer ist und die Straßen deutlich glatter als hier. Auch in Mittel- und Südschweden wo es wärmer ist und auch die Straßen streckenweise vierspurig, habe ich mehr vereiste Straßen gesehen. Vor allem die linke Spur wird dann mit Eiskratzern welche an Baggern befestigt sind aufgeraut und griffiger gemacht. Hier sind Spikes sicher auch von Vorteil.

Aber auch gilt dies meistens für die schnelleren Linksfahrer. Wer gemütlich fährt, sollte ohne Spikes im Inland gut zurechtkommen.

An der Küste, wo es teilweise wirklich spiegelglatt war, sagte mir ein Einheimischer, das diese dann dort mit Schneeketten fahren. Die seien besser als Spikes. In Norwegen ist das mitführen und die Fähigkeit diese bedienen zu können Pflicht.

Ich selbst bin hier Kleinbus mit Spikes aber ohne Allrad gefahren, das macht gar keinen Spaß. Der Frontantrieb dreht ständig durch, vor allem wenn noch Leute hinten drin sitzen. Beim Bremsen bringen die Spikes keine Vorteile.

 

Zu beachten ist auch: Spikes sind Verschleißteile. Auf Asphalt nutzen sie sich recht schnell ab oder gehen verloren.

 

Meine Empfehlung für das Inland:

  • Gute, neue Winterreifen
  • Allrad
  • Schneeketten
  • Eine Schaufel pro Person (ist eine schwere Arbeit)
  • Bergeseil
  • Winterschlafsack und Decken im Auto pro Person

An der Küste:

  • Winterreifen mit Spike-ready. Diese kann  man bei Bedarf selbst oder extern eindrehen (lassen).