Polarlichter fotografieren

In diesem Artikel schreibe ich über meine Methode und Erfahrungen Nordlichter zu fotografieren.

Polarlichter fotografieren
  1. Wann und wo

  2. Wie entstehen Polarlichter
  3. Sind die Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen?

  4. Sind Vorhersage APP's hilfreich?

  5. Aufnahme-Daten-Formate

  6. Belichtungszeiten, ISO und Blende

  7. Nachbearbeitung
  8. Kleidung und mehr, wenn es mal länger dauert

  9. Meine Kamera-Ausrüstung

  10. Nachtrag: Film aus Einzelbildern

1. Wann und wo

Um Polarlichter fotografieren zu können, ist es wichtig einen Ort zu finden, an dem auch das Potenzial besteht diese zu sehen. Meine Wahl fällt hier auf Schwedisch Lappland oder Norwegen, wenn möglich nördlich des Polarkreises. Insbesondere die Wintermonate November bis Februar sind wegen der langen Nächte ideal dafür geeignet.

Die Himmelsrichtung zum Fotografieren ist immer grob Norden, in Richtung der Polkappe.

Wichtig ist auch, dass es schön dunkel werden sollte. Das bedeutet eben auch möglichst keine Lichtverschmutzung – also diffuses Licht durch Ortschaften oder Städte – oder andere starke Lichtquellen zu haben. Es sei denn, man möchte es in das Bild bewusst einbauen.

Auch Flugverkehr kann das Bild durch Linien aus Lichtpunkten durch die blinkende Positionslichter stark stören.

Kondensstreifen wirkend meist auch störend im Bild. Wobei im weiten Norden der Flugverkehr, wenn überhaupt vorhanden, sehr gering ist.

Den genauen Standort sollte man, wenn möglich, auch rechtzeitig auswählen. Dies bei Tageslicht zu machen schreibe ich hier bewusst nicht, denn in einigen Wochen im Dezember und Januar wird es tagsüber nicht hell.

Wie bei allen Fotos ist der Vordergrund und der Bildaufbau wichtig für ein gelungenes Bild.

Eine einzelne beleuchtete Hütte oder Straße, auf der gelegentlich ein Auto entlang fährt, kann ein schönes Highlight im Bild werden. Auch einzeln stehende Bäume oder Gebäude können ein Blickfang sein. Aber eben auch eine Ortschaft oder Stadt.

Ein zugefrorener See kann das Polarlicht bei idealen Bedingungen sogar spiegeln und faszinierende Fotos erbringen.

Wie beim Fotografieren von Nebel gilt es, einen möglichst scharfen Vordergrund als Vergleich für das eher unscharfe Hauptmotiv zu haben.

Wann die Sonnenwinde auftreten ist nicht wirklich exakt vorherzusagen. (Siehe Punkt 4. Apps).

Sobald der Himmel wolkenfrei ist und die Sterne in der klirrenden Kälte am Himmel glitzern, sollte man ab und an den Blick Richtung Himmel richten.

Im Grund gibt es fast jeden Tag Polarlichter. Sie müssen nur intensiv genug sein um diese am sternenklaren Himmel erkennen zu können.

2. Was sind Polarlichter?

Polarlichter entstehen im Grenzbereich bzw. Kollisionsbereich der Sonnenwinde mit dem Erdmagnetfeld.

Die Protonen und Elektronen dieser Sonnenwinde betragen 200 bis 700 km/Sekunde, können bei extremen 'Sonnenorkanen' bis zu 2000 km/Sekunde erreichen.

Die Winde verformen das Magnetfeld der Erde. Auf der Tag-Seite wird es zusammen gedrückt und auf der Nacht-Seite von der Erde weg erweitert. Die Sonnenwinde strömen an der Erde vorbei und haben eine große kinetische Energie, also Bewegungsenergie.

Ein Teil dieser Energie wird nun an der Kollisionsgrenze in elektrische Energie umgewandelt. Dies geschieht, indem die Protonen und Elektronen des Sonnenwindes durch die Polarität des Erdmagnetfeldes getrennt werden und es entsteht wie bei einer Batterie eine gewaltige elektrische Spannung.

Die magnetischen Feldlinien des Erdmagnetfeldes kommen wie bei einem Magneten an zwei Polen hinein / heraus.

Ein Teil der beschriebenen Spannung orientiert sich nun an diesen Feldlinien und entlädt sich entlang dieser an der Erde.

In einer Höhe von 150 km über der Erdoberfläche laden sich die Moleküle der dort beginnenden Erdatmosphäre durch diese Spannung elektrisch und energetisch auf und fangen an zu leuchten.

Dabei können bis zu sechs Farben entstehen. Die aller häufigste ist meiner Erfahrung nach weißlich – grünlich.

Welche Farben entstehen, hängt von den unterschiedlichen Bestandteilen der Atmosphäre ab und auch von der Höhe, in der sich das Schauspiel ereignet.

 

(Quelle dieses Wissens:  www.planet-wissen.de     https://t1p.de/xzgb )

 

3. Sind die Polarlichter mit bloßem Auge zu sehen?

Ja, Nordlichter kann man mit dem bloßen Auge sehen.

Allerdings sind sie meist recht blass und unspektakulär. Wenn man sie das erste Mal sieht, könnte auch eine Verwechslung mit Schleierwolken entstehen. So ist es mir ergangen.

Mit der Zeit und etwas Übung sind auch schwache Polarlichter gut von Wolken zu unterscheiden.

Sie sind oft (nicht immer) schärfer abgegrenzt und verändern sich in wenigen Sekunden deutlich schneller als es Wolken meist tun. Schwache Nordlichter sind milchig weis bis ganz leicht grün. Kräftige Farben mit bloßem Auge zu sehen war mir bis dato nicht vergönnt. Ich habe mir aber sagen, lassen das es durchaus sichtbar kräftigere Farben gibt.

Die leuchtenden Farben entstehen erst durch das Ablichten mit der Kamera.

 

Bild: Unbearbeitete Aufnahme eines schwachen, diffusen Polarlichtes. Die weißen Schlieren entsprechen in etwa dem, was man mit bloßem Auge sieht. Das bearbeitete Bild ist unter Punkt 8. zu sehen.

4. Sind Vorhersage APP’s hilfreich?

Hilfreich auf jeden Fall. Ich verwende die APP „Polarlicht-Vorhersage“ und bin mit dieser soweit zufrieden.

Allerdings sollte man sich nicht auf diese alleinig verlassen. Auch wenn dort niedrige KP-Werte angezeigt werden, heißt das nicht, das es keine gibt.

Der KP-Wert liegt zwischen Kp-0 bis Kp-9. „0″ heißt keine Aktivität.

Wie oben bereits geschrieben, gibt es eigentlich genommen jeden Tag Nordlichter. Nur sehen kann man diese nicht immer.

So konnte ich z. B. auf der Höhe von Kiruna in Nordschweden trotz einer Vorhersage von Kp-1,33 gute Aufnahmen machen.

Es lohnt sich also immer, mal die Nase aus dem Fenster zu strecken.

 

Bild: Kp-Index war 1,33 in der Vorhersage

5. Aufnahme-Format der Daten

Polarlicht Aufnahmen empfehle ich im RAW Daten Format zu speichern. Also in Rohdaten.

Diese große Menge an Sensordaten, welche hier gespeichert werden, können mit einem geeigneten Programm gut nachbearbeitet werden. (siehe Punkt 7.)

Bei schwachem Polarlicht ist das Nordlicht selbst auf dem Foto noch weißlich. Bei mittlerem Licht bereits grün oder rötlich.

Wenn die Sensordaten auf der Kamera bereits verarbeitet werden und in JPEG gespeichert werden, ist eine Nachbearbeitung deutlich begrenzt.

 

6. Belichtungszeiten, ISO und Blende

Eine gute digitale Systemkamera zusammen mit einem lichtstarkem Objektiv, sind notwendig um gute Fotos machen zu können.

Gut heißt, dass das kriseln bei einem ISO Wert von 3200 noch gering ist.

Die Blende sollte ganz offen sein. Ein Wert von f2,8 hat sich bei mir als gut erwiesen. Unter 2 wäre aber deutlich besser um die Belichtungszeit reduzieren zu können.

Meist belichte ich mit ISO 3200 und bei f2,8 um die 6 Sekunden. Bei schwachem Polarlicht.

Bei starkem kürzer.

Wenn ich Intervallaufnahmen mache, liegen also zwischen den Aufnahmen immer etwa 7 Sekunden, in welchen sich die Lichter ständig verändern.

Zum einen reduziert es die Schärfe der Aufnahmen, zum andern wird ein Film aus den Einzelaufnahmen etwas ruckeliger.

Ein Weitwinkel mit echten 12 oder 14 mm ist toll für großräumige Aufnahmen. Viele Kameras haben jedoch einen Crop-Faktor, welcher durch den Teilformat-Sensor bedingt ist. Meine ist 1,5.

Mein relativ Lichtschwaches 10-24 mm / f4,0 hat also real 15 - 36 mm und verzerrt an den Rändern schon etwas.

Die Aufnahmen sind dann schon deutlich schlechter.

Daher bevorzuge ich bisher beim 18 mm (27 mm) / f2,8.

Die Belichtungszeiten selbst sollten nicht lang werden.

Sollte die Kamera bei ISO 3200 bereits stark kriseln, kann man die ISO auf z. B. 2500 reduzieren. Im Gegenzug die Belichtungszeit verlängern.

Gleiches gilt auch bei einer schlechteren Blende.

Eine längere Belichtungszeit > 15 Sekunden kann bereits dazu führen, dass die Polarlichter schlierig werden und die Sterne keine Punkte mehr sind.

 

7. Nachbearbeitung

Wie bereits geschrieben bringt das Speichern der Daten in Rohdaten-Format (RAW) große Vorteile in Bildnachbearbeitung mit geeigneter Software. Ich verwende dazu den Adobe Lightroom.

Die verwendbaren Daten zur Bildbearbeitung bieten wesentlich mehr Datentiefe als Bilder, welche bereits im JPEG Format abgespeichert und somit bereits automatisiert bearbeitet und interpretiert wurden.

Folgende wesentliche Vorteile bietet die manuelle Bildnachbearbeitung

  • Intensivierung der Farbe des Polarlichtes
  • Den Fokus des Betrachters auf das wesentliche lenken
  • Den Vordergrund abdunkeln oder aufhellen
  • Panorama-Ansichten durch Zusammenfügen schaffe
  • Überbelichtete (grelle) Ausschnitte, z. B. Fenster oder Laternen, abdunkeln.
  • Verbesserung des Bildausschnittes
  • Filme aus Einzelbildern herstellen.

Bilder:
Das erste Bild ist die JPEG Aufnahme der Kamera. Das zweite Foto ist das gleiche Foto mit bearbeiteten RAW Daten, dann in JPEG gespeichert. Bearbeitet wurde es ist Adobe Lightroom.

8. Kleidung und mehr, wenn es mal länger dauert.

Die Polarlichter ändern sich in wenigen Sekunden und wabern am Himmel daher.

Auch die Stärke und Schärfe der Darbietung ändert sich ständig. Daher lohnt es sich lang dabei zu bleiben.

Manchmal über Stunden.

Warme Klamotten, vor allem bei Wind sind sehr wichtig.

Mehrere Schichten an dicker Polarkleidung können bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich notwendig sein.

Auch eine Thermoskanne mit warmem Tee, ggf. ein Handwärmer (geht auch die Teetasse) und ggf. ein kleiner Kocher können hilfreich sein.

Eine Wärmflasche unter der Jacke wirkt Wunder.

Handschuhe mit umklappbaren Fingerspitzen haben sich gut bewährt. Ggf. ein Paar Fäustlinge zum drüber stülpen.

Die Isolierung an den Füßen sollte auch sehr gut sein. Sofern keine echten Winterstiefel zur Verfügung stehen hilft auch ein Stück Styropor zu drauf setzen oder stellen.

9. Meine Ausrüstung

  • Kamera Body: Fujifilm XT-2
  • Objektiv: Fujion 1 : 1:2.8 - 4 / 18-55 mm
  • Objektiv 2: Fujion1 : 4,0 / 10 -24 mm
  • stabiles no-name Stativ mit Mittelhaken
  • 10 Liter Wasserkanister/Sack für den Haken, um das Stativ zu stabilisieren. Oder ein Netz mit Steinen z.B. Vor allem bei Wind wichtig.
  • Zahlreiche Ersatzakkus in der Hosentasche. Je kälter, desto schneller sind diese leer.
  • Und/oder Powerbank mit PD – Funktion und USB 3.0 Kabel zum Laden während des Betriebes.
  • Kopflampe mit Rotlicht und weitem Weißlicht. Letzteres um ggf. kurz den Vordergrund auszuleuchten.

10. Film aus Einzelbildern

Dieser Film ist aus 649 Einzelbildern entstanden. Jedes wurde 8 Sekunden mit der Intervallschaltung belichtet, dann 1 Sekunde Pause.

Im Lightroom habe ich eine Vorlage zur Bearbeitung erstellt und diese auf alle Bilder synchronisiert. Das dauert einiges an Rechnerzeit.

Die fertig bearbeiteten Bilder wurden dann in die Video-Software Movavi eingefügt und auf eine Anzeigedauer von  0,15 Sekunden eingestellt.

Das erste Testvideo wurde dann in niedriger Qualität exportiert. Darin konnte ich schauen ob es herausstechende Bilder gibt, die Geschwindigkeit stimmt und das Gesamtbild für mich stimmig ist.

Die falsch belichteten Fotos habe ich dann im Lightroom gesucht und manuell nach korrigiert.

Dann wieder alles neu in das Video-Programm geladen und die Anzeigedauer etwas abgepasst.

Sie entsprechenden Effekte und Musik eingefügt und in UHD exportiert.

Fertig!   Bearbeitungsdauer etwa 4 Stunden.

 

Bei der Aufnahme habe ich jeweils 100 Aufnahmen am Stück gemacht und dann kurz kontrolliert ob alles funktioniert. Die Stromversorgung habe ich per PD-Powerbank und einen USB3.0 Kabel sichergestellt. So musste ich keinen Akku wechseln.

Bei -10°C war die Kamera nach drei Stunden Aufnahmezeit weis gefroren. Die Linse glücklicherweise nicht.

Auch darauf muss man achten.

Die Powerbank hatte ich in einer Isoliertasche untergebracht.