Der Hardanger Fjord in Norwegen mit dem Seekajak

Um was geht es ...

Im Juni 2018 lud mich der Kajak Veranstalter "Club Aktiv" ein, seine neu ins Programm genommene Seekajakreise im norwegischen Hardanger Fjord journalistisch zu begleiten und darüber zu berichten. Wir, die vier outdooraffinen Journalisten Volker, Dieter, Andreas und ich, haben zusammen mit dem Firmeninhaber Lutz und einem Guide, die Vortour in diesem Jahr unternommen. Es lief nicht alles so wie im Reiseprogramm geplant, was uns zu tollen Erlebnissen und Begegnungen führte. Aber das ist bei Generalproben ja meistens so. 

Ich hoffe mit diesem Bericht kann ich zum nachmachen / mitmachen inspirieren.

 

Inhalt:

  • Unsere Anreise
  • Der erste große Wasserfall
  • Kajaktouren
  • BNature - Glambing und Bushcraft Workshops
  • aktive Museums - Schiffswerft
  • Herr Geiermund - der Häusersammler
  • Resümee
  • Infobox

Es geht mal wieder in eines meiner Lieblingsländer. Die tief in das kaledonische Gebirge eingeschnittenen Fjorde einmal aus der Ameisenperspektive zu erleben, das ist auch für mich ein besonderes Erlebnis.

Die fast senkrechten Felswände fallen häufig noch weitere hunderte Meter in die Tiefe hinab.

Das Wetter ist unberechenbar und bildet in den kleinen Seitenfjorden ein eigenes Mikroklima. Unzählige Wasserfälle rauschen aus der Höhe herab und schaffen ein einzigartiges Panorama aus Fels, Bäumen, Büschen und Wasser.

 

Und wir mittendrin mit unseren gelben und roten Seekajaks.  

Mit meinen Mitreisenden treffe ich mich Sonntag früh in Hamburg am Hauptbahnhof unter der Hinweistafel am südlichen Eingang. Es ist nur Dieter da, sonst kommt erst mal niemand. Wir sind verwundert! Haben von den angemeldeten sechs Mitfahrern die restlichen vier ein Rückzieher gemacht? Vielleicht wegen der mäßigen Wettervorhersage? Wie versuchen unseren Guide und Firmenchef Lutz Müller zu erreichen. Doch leider hat er kein Netz. Er ist bereits mit dem Firmenbus und den Kajaks im schlepp auf dem Weg nach Norden.

Wir steigen in den Zug ein. Nehmen unsere reservierten Plätze ein. Im Gang steht einer, der passt irgendwie zu uns. Es ist Volker. Alle Guten sind Drei! Dabei bleibt es erst einmal.

Nach zehnstündiger Bahnfahrt mit einigen Umstiegen kommen wir gegen 18 Uhr in dänischen Küstenort 'Hirtshals' an.

Während der gemütlichen Bahnfahrt lernen wir uns besser kennen und entfliehen auch schon dem hektischen Alltag von zu Hause.

Genau dafür finde ich das Bahn fahren genau richtig. Der Veranstalter dieser Tour fährt aus Umweltschutzgründen innerhalb Europas mit der Bahn und verzichtet auf Flüge.

Lutz und sein Guide Sven empfangen uns am Fähranleger mit dem 9-Sitzer Bus und den Bootstrailer. Da waren wir nun schon Fünf!

In Hirtshals geht es mit der Fähre weiter bis Bergen. Ich bin kein Freund von Fährfahrten über Nacht. Allerdings muss ich gestehen, das dieses recht neue Schiff der Fjordline an Komfort und auch an Ruhe im Schiff ausgesprochen gut ist. Meine Innenkabine ist leise und komfortabel. Wir werden zu einem Rundgang auf die Brücke und in den Maschinenraum eingeladen. Die Norweger machen Werbung für sich! Warum? Diese Fähre wird mit Flüssiggas betrieben.

Der Maschinist sieht zwar noch aus wie ich mir einen echten Maschinisten vorstelle. Es ist allerdings schwer hier unten im Herz des Bootes etwas schmutziges zu finden. Keine Schmiere, keine verrußten Gesichter oder schmutzigen Klamotten. Eher wie in einem Labor sieht es hier aus.

 

Die Brücke ist High Tech. Bildschirm neben Bildschirm. Wegen der vielen kleinen Inseln und Boote sind immer 2 Steuermänner auf der Brücke, um die Autopiloten und das Meer zu überwachen.

 

Papierkarten gibt es nicht mehr an Bord. Die Navigation ist vollkommen digital. Dafür ist der Papierkram, also die Dokumentation von allen möglichen Vorgängen an Bord eine der wesentlichsten Aufgaben für den Kapitän geworden, sagt dieser.  

Ab der Küstenstadt 'Bergen' geht es weiter im Kleinbus. Und wir bekommen Zuwachs. Andreas ist eingeflogen und stößt zu unserer Gruppe hinzu.

Die Seekajaks fahren hinten auf dem Anhänger auch gleich mit. Unsere erste Paddeltour ruft! In Norwegen geht es auf den Straßen langsam zu. Auf den engen Straßen, welche sich entlang der Uferlinie zwischen Wasser und Felshang zwängen, geht es in vielen Kurven in der Nähe der Ortschaft'Kvam'. 

 

Nun geht es los! Unsere erste kleine Runde im 'Fyksefjord' beginnt. Jippieayee! Endlich auf dem Wasser! Bei kühlen Temperaturen paddeln wir uns schnell warm. Dieser enge Nebenfjord des Hardangerfjords ist atemberaubend. Das regnerische Wetter hat die Bäche gefüllt und überall schießen die Wasserfälle aus teils hunderten von Metern Höhe hinab in die See.

 

Unser Zwischenziel ist die ehemalige Ortschaft 'Botnen', die bis heute keine Straßenanbindung hat.

Viele Norweger haben während der großen Krise Anfang des 20 Jhds. ihr Heimatland verlassen. Die kleine Ortschaft am Ende des Fjordes wurde dabei im Jahr 1907 fast komplett aufgegeben. Bis auf einen Mann, der etwas oberhalb im steilen Hang der mächtigen Berge blieb. Dessen Nachfahre verstarb erst vor wenigen Jahren, wurde uns berichtet.

Inzwischen wurden die Häuser der kleinen Siedlung wieder im ursprünglichen Stil renoviert und werden nun unterschiedlich genutzt.

 

 

Die Rückfahrt mit Gegenwind und Regen war feucht von oben und unten. Daher ist eine kleine Durchfahrt unter einem der Wasserfälle eine willkommene und lustige Abwechslung. Lutz und Volker gönnen sich diese nasse Abwechslung, der kaum eine Regenjacke stand hält. Wir anderen fotografieren.

 Nach dieser Paddeltour fahren wir mit dem Bus zu unserer geplanten nächsten Übernachtung im 'Glamping Camp' beim Örtchen 'Osa'. Der Betreiber ist die Firma 'BNature', welche dies das 'Hardanger Base Camp' nennt. Es bietet neben dieser komfortablen Outdoor-Übernachtungsmöglichkeit – Stichwort Glambing - auch zahlreiche andere Aktivitäten rund um die Themen Survival, Bushcraft und Outdoor an.

 

Am kommenden Morgen nehmen wir an einem Workshop über essbare Pflanzen teil. Dieser wird von dem belgischen Pflanzen- und Käferkenner Peter de Babtist geleitet.

Zuvor gibt es ein leckeres Frühstück in einem wirklich urigem, uraltem Café. Die Wände hängen voll mit Schaukästen voller Insekten und Pflanzen.

Die Pancakes wurden vom Firmenchef 'Roberto Koesharto' selbst gebacken. Als Aufstrich gibt es leckere, selbst hergestellte Marmeladen aus den lokalen Pflanzen: Löwenzahn, Aronia, Pflaume, Tanne.

 

Mit gefüllten Mägen waren wir nun an der Reihe, unser Findigkeit zu zeigen. Gemeinsam mit Peter gingen wir auf die Suche nach essbaren Pflanzen. Unsere Funde durften wir dann später präsentieren und auch verkosten. Als Extra Highlight gab es noch die Möglichkeit Insektenlarven zu probieren. Außer mir fand sich allerdings kein freiwilliger Probant. Lebende Mehlwürmer sind sicher nicht jedermanns Geschmack.

 

Das Wetter war norwegisch. Die Region um die Stadt 'Bergen' ist eine der niederschlagsreichsten Europas. Im Schnitt 245 Tage im Jahr gibt es Niederschlag. Wobei Nebel und ein Phanomän, das sich „Weisse Luft“ nennt, auch als Niederschlag gelten. Nach Aussage von Einheimischen mit denen wir sprachen, muss man dies erlebt haben, denn erklärbar ist es nicht. Dauerregen wie wir Ihn heute erlebten, ist auch hier recht selten. Es ist „Sauwetter“, würden ich sagen. Wir entschlossen uns gemeinschaftlich heute nicht zu paddeln zu.

Firmenchef Lutz hatte mehrere Vorschläge für ein Alternativprogramm recherchiert und wir entschieden uns die historisch Bootswerft 'Fartoyvern' im Örtchen 'Norheimsund' zu besuchen. Dieser Betrieb ist Museum und eine Werft in einem. Für Liebhaber von Holz und Holzhandwerk ein muss! Es werden alte Schiffe nach traditioneller Bauweise restauriert oder Brett für Brett kopiert. Ein absolut sehenswerter Ort!

 

Ein kleines Museum erinnert eindrucksvoll an den harten Lebensalltag vergangener Generationen.

Wir übernachten auf einem nahe gelegenen Campingplatz. Lutz und ich teilen uns eines der geräumigen 3 Personen Zelte für die kommenden Nächte. Gegen Abend lässt der Regen nach und ich finde Zeit um Regenbögen zu fotografieren und im Fjord angeln.
Bei Ebbe hatte ich leider keinen Erfolg. Vielleicht hatte ich auch einen falschen Köder.
Für das Angeln im Meer braucht man hier übrigens keine Lizenz, wurde mir gesagt.

Der Inhaber des Campingplatzes, dessen Vorname 'Geiermund' ist, entpuppte sich als ein
patriotischer Norweger, der vielleicht besser Historiker geworden wäre. Denn er brennt für dies Thema und erklärt uns 'Die Norweger'.
Und er sammelt alte Häuser, um sein Anwesen wieder in einen traditionellen Zustand zu versetzen.

Er erwirbt alte, verfallene Holzhäuser, baut diese vor Ort ab und bringt diese dann auf sein geräumige Grundstück direkt am Fjord. Zusammen mit seinem deutschen Mitarbeiter renoviert er diese dann. Begeistert zeigte uns Geiermund mehrere Stunden lang die einzelnen Häuser und erzählte uns viel über die Häuser und die Norweger. Auch seine angeblich 1000 Jahre alte Eiche dürfen wir bewundern.
Wie die Norweger früher lebten, über Traditionen, die Sommer- und Winterhöfe und warum sie so introvertiert und Fremden gegenüber anfänglich distanziert wirken, erklärt er uns in gebrochenem Deutsch.
Wenn man aber ein Problem hat und einen Norweger um Hilfe fragt, so sei es die traditionelle Pflicht, zu helfen. Auch dies kommt aus der Geschichte dieses landschaftlich herausfordernden Landes.


Sein Anwesen gleicht einem Freilichtmuseum für alte Gebäude und ist der Öffentlichkeit im Moment nicht frei zugänglich.
Da seine Töchter diese Leidenschaft allerdings nicht weiter führen wollen, plant er sein Vermächtnis durch eine Stiftung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 

 

Es geht wieder aufs Wasser! Und sogar die Sonne lässt sich blicken! Wir queren den Hardangerfjord und wollen eine Felswand in Augenschein nehmen, welche senkrecht in die See hinab fällt. Dort angekommen empfängt werden wir von blauem Himmel, Sonne und schillerndem Wasser erwartet. Wir verbringen hier einig Weile auf dem Wasser und suchen uns für die verdiente Pause noch ein kleinen Bucht. Nach einem kleinen Snack aus der sogenannten „Motivationstonne“ vom Veranstalter, geht es langsam auf den Rückweg. Was da drin ist, darf ich nicht verraten.

 

 

Der Wind nimmt auf geschätzt 3-4 Windstärken zu. Auf dem offenen Wasser entstehen schöne, kurze, steile Wellen, in denen das Paddeln jetzt richtig Spaß macht. Die Gischt schlägt auf Bord und ab und zu auch ins Gesicht. Es macht einen riesigen Spaß in unserem 2er Kajak nun ein bisschen Fahrt aufzunehmen. Jeweils zwei Boote sind jetzt doch einiges von einander entfernt. In den Doppelkajaks ist man doch schneller als den Einern. Wir warten vor dem anladen, das wir wieder alle beieinander sind und uns gegenseitig unterstützen können. Teamgeist und gegenseitig auf sich achten ist elementar. Auch wenn man man ein wenig mit Abstand fährt.  

Unsere Reise neigt sich leider schon dem Ende zu. Heute Mittag um 13.30 Uhr legt die Fähre in Bergen wieder ab. Wir fahren zügig, um noch an einer Stadtführung teilzunehmen.

Die nach Norwegen ausgewanderte, pfälzische Stadtführerin Marianne zeigt uns die alte Hansestadt 'Bryggen', der heute ein Stadtteil ist. Anschließend befahren wir mit der 'Foibahn' noch den Hausberg 'Floyen' von Norwegens zweitgrößter Stadt. Unsere Stadtführerin kennt sich aus und weis, wie man an der langen Warteschlange vorbei kommt.

 

 

Da Norwegen nicht in der EU ist, darf hier Walfleisch gehandelt werden. Dieses habe ich in meinem Leben noch nicht gegessen. Daher nutze ich die Gelegenheit um ein kleines, geräuchertes Stück zu verkosten. Sehr lecker – es erinnert mich von der Konsistenz an Geflügelfleisch, welches geräuchert wurde. Und es schmeckt etwas nach Fisch. Da die Einfuhr in die EU verboten ist, esse ich es auch gleich ganz auf.

Resümee:

Ein sehr schönes, kurzes Abenteuer in 'Norge' ist zu Ende. Ich war schon sehr oft in Norwegen. Die Perspektive aus dem Kajak heraus in eine ganz besondere Erfahrung. Die Touren sind von der körperlichen Anstrengung sehr ausgewogen und sind für Abenteuereinsteiger/innen bestens geeignet.

Besonders gut haben mir auch die Einblicke in die norwegische Kultur und der Kontakt zu den Einheimischen gefallen.

Dies ist dem tollen Programm vom Seekajak Spezialisten 'Club-Aktiv' zu verdanken, welcher mich auf diese Tour einlud.

Ich möchte noch hinzu fügen, das die vom Veranstalter angebotene Reise einige Tage länger als die unsere ist und auch mehr Paddeltage hat.

Ich bedanke mich herzlich bei Lutz Müller, dem Firmeninhaber und empfehle diese Tour sehr gerne.

 

 

 

Infobox :

 

Anbieter dieser geführten Seekajak Tour

7 Fjorde Tour im Hardanger Fjord“

Dauer 10 Tage

Club Aktiv

Donnerschwer Str. 33

26123 Oldenburg

www.club-Aktiv.de

 

Anbieter des Survival Workshop und der Glamping Übernachtung

Bnature

Sjovegen 3

N-5730 Ulvik

Norwegen

www.bnature.com

 

 

Unsere Fähre von „Fjordline“ von Hirtshals / Dänemark nach Bergen / Norwegen

www.fjordline.com

 

 

Historische Bootswerft

'Fartoyvern'

Hardanger Maritime Museum

Sandvenvegen 50

N-5600 Norheimsund

www.fartoyvern.no

 

 

 

Autor und Abenteurer

 

Achim Kleist

2018